Frankreichs Innenminister nach Entgleisung unter Druck
(Schlechter) Scherz oder Rassismus - Aussagen von Brice Hortefeux über arabischstämmigen jungen Mann lassen in Frankreich die Wogen hoch gehen.

Foto © APDer französische Innenminister Brice Hortefeux
Seine zahlreichen Widersacher reiben sich bereits die Hände und sehen den französischen Innenminister Brice Hortefeux kurz vor dem Rücktritt. War es ein schlechter Scherz oder handfester Rassismus? Eine Bemerkung des engen Freundes von Präsident Nicolas Sarkozy auf einem Treffen der Parteijugend hat in Frankreich am Freitag für erhebliches Aufsehen gesorgt. "Wenn es einen gibt, ist es in Ordnung. Erst wenn es viele von ihnen gibt, gibt es Probleme", hatte Hortefeux einer Frau zugeraunt, nachdem er sich mit einem arabischstämmigen jungen Mann hatte fotografieren lassen.
Hortefeux' Verteidigung klang in den Ohren seiner Gegner wenig überzeugend. Er habe damit nicht auf die arabischen Wurzeln des jungen Parteimitglieds angespielt, sondern vielmehr auf die Menschen seiner Region, der Auvergne. Das Video, das innerhalb von 24 Stunden mehr als eine halbe Million Mal im Internet angesehen wurde, lässt dies fraglich erscheinen. Die Bemerkung des Innenministers erscheint dort als Antwort auf den Hinweis, dass der junge Mann zwar arabisch spreche, aber auch Schweinefleisch esse und Bier trinke.
Vertrauter von Sarkozy
Sarkozy dürfte kein Interesse haben, seinen langjährigen Wegbegleiter gehen zu lassen, der sowohl sein Trauzeuge war als auch Taufpate seines Sohnes Jean. Kaum einer steht so loyal zu ihm wie Hortefeux, der für ihn sowohl als Einwanderungs- als auch als Arbeitsminister mehrfach heiße Kartoffeln aus dem Feuer geholt hat. Es war Hortefeux, der in Frankreich das "Abschieben nach Quote" durchgesetzt und den Beamten entsprechende Vorgaben gemacht hat.
Seinen Anhängern gilt er als brillant und effizient, seine Gegner halten ihn für hochmütig und zynisch. Sarkozy belohnte ihn schließlich bei der jüngsten Kabinettsumbildung mit dem Innenministerium, wo er von Anfang die innere Sicherheit zum Thema machte.
Der Streit um seine verbale Entgleisung schlägt unterdessen hohe Wellen. Kabinettskollegin Fadela Amara meinte, Hortefeux habe eben Humor. Der junge Mann, der sich so stolz neben dem Minister hat fotografieren lassen, beteuert, dass er sich nicht angegriffen gefühlt hat. Die sozialistische Opposition fordert seinen Rücktritt, die Menschenrechtsliga beschimpft ihn als unglaubwürdig. Erst kürzlich hatte Hortefeux selber einen Präfekten wegen einer rassistischen Äußerung vorzeitig in den Ruhestand geschickt. "Das ist ja wie in Afrika hier, sind ja auch nur Schwarze", soll Paul Girot de Langlade bei einer Sicherheitskontrolle auf einem Pariser Flughafen geschimpft haben. Die Frage sei, wer denn nun von beiden rassistischer sei, bemerkte Girot am Freitag süffisant an die Adresse seines ehemaligen Dienstherrn.













