Konflikt zwischen Vatikan und Berlusconi
Der Vatikan bekräftigt sein Vertrauen in Dino Boffo, Chefredakteur der katholischen Zeitung "L'Avvenire". Dieser war am Freitag von der zum Medienimperium des italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi gehörenden Zeitung "Il Giornale" scharf attackiert worden. "Il Giornale" warf dem Chefredakteur von "Avvenire" sexuelle Ausschweifungen vor und beschimpfte ihn unter anderem als schwul.
Boffo hatte in den vergangenen Wochen wiederholt das Verhalten Berlusconis, der wegen seines Privatlebens heftig unter Beschuss geraten war, kritisiert. Der vatikanische Staatssekretär Kardinal Tarcisio Bertone telefonierte mit Boffo und rief ihn auf, sich von den Attacken nicht einschüchtern zu lassen. Er bestritt, dass die Bischofskonferenz CEI, Eigentümerin von "L'Avvenire", den Chefredakteur ersetzen wolle. Boffo selber wies die Vorwürfe von "Il Giornale" in einem Leitartikel zurück. Er kündigte eine Klage gegen Vittorio Feltri, Chefredakteur des Blattes, an. Auch Innenminister Roberto Maroni von der rechten Lega Nord habe sich mit ihm solidarisch erklärt.
Berlusconi distanzierte sich zwar von dem Artikel seiner Tageszeitung, die katholische Bischofskonferenz reagierte dennoch mit Entrüstung. "Ein widerlicher und schwerwiegender Angriff", wetterte Kardinal Angelo Bagnasco. Ein geplantes Treffen des Premiers mit Kardinalstaatssekretär Bertone am Freitag wurde vom Vatikan kurzfristig abgesagt.
Schon in den vergangenen Monaten war Berlusconi wegen seiner angeblichen Sexgeschichten und wilden Partys mehrfach von der Kirche kritisiert worden.












