Neuer Anlauf für Drogenkonsumraum
Das politisch heiß umstrittene Pilotprojekt liegt nicht länger auf Eis. Gesundheitsministerium könnte noch heuer grünes Licht geben.

Foto © APA/SujetKonsumraum soll für suchtkranke hygenisch vertretbare Bedinungen schaffen
Monatlich sammelt das Reinigungspersonal bis zu 3000 Spritzen in den öffentlichen Toiletten von Graz ein. Täglich konsumieren also durchschnittlich 100 Patienten Drogen unter katastrophalen hygienischen Bedingungen. Neben Beratungs- und Therapiezentren soll deshalb ein eigener Drogenkonsumraum eingerichtet werden.
Das Projekt ist politisch umstritten, doch jetzt könnte das Gesundheitsministerium grünes Licht für das auf zwei Jahre befristete Grazer Pilotprojekt geben. Die Einrichtung, die von der Stadt finanziert werden soll, sieht sechs sterile Plätze vor. An diesen sollen sich Suchtkranke die Nadel setzen können. Auch Ärzte sollen dort Dienst tun.
Gab es für das Konzept vom Grazer Drogenkoordinator Ulf Zeder vorigen Herbst noch ein klares Nein aus dem Gesundheitsministerium, könnten ebendort nun die Weichen für das Projekt gestellt werden. Zeder hat eine überarbeitete Version eingereicht. Anfang Oktober werden die Experten im Ministerium die Projektunterlage prüfen. Bundesdrogenkoordinator Franz Pietsch hält es nicht für ausgeschlossen, dass diesmal alles passt. "Solange die offenen Fragen und Vorstellungen des Gesundheitsministeriums berücksichtigt sind."
Womit die Realisierungsfrage wieder im Grazer Rathaus landen würde. SP-Gesundheitsstadtrat Wolfgang Riedler: "Ich bin für diesen Pilotversuch, wenn damit auch nur ein Drogentoter zu verhindern ist. Doch braucht es dafür eine Gesetzesänderung. Derzeit müsste die Polizei einschreiten, wenn dort Suchtkranke mit ihren Drogen ein- und ausgehen."
Heftigen Widerstand gegen den Konsumraum kündigt der ÖVP-Sicherheitssprecher im Landtag, Eduard Hamedl, an: Mit dieser Legalisierung würde man den Drogenhandel fördern, statt Suchtkranken zu helfen."
Features
Der Polit-Steit
Mehrheiten: Der Landtag hat sich (SPÖ, Grüne, KPÖ) für den Konsumraum ausgesprochen, die Landes-VP ist dagegen.
Im Grazer Rathaus verhält sich die VP abwartend positiv. SP, KP und Grüne sind dafür, FPÖ und BZÖ dagegen.













