Ulrichsberg-Treffen: "Unter Haider wären wir hinauf gefahren"
Die Kranzniederlegung am Ulrichsberg von FPÖ-Chef Jannach am Sonntag verlief ohne gröbere Zwischenfälle. 150 Besucher wanderten mit. Ein Lokalaugenschein.
"Ihr seids aber eh nicht vorbestraft, gell?" Harald Jannach steckt seinen Kopf zu einer Gruppe von Jugendlichen. Sie kommen aus Klagenfurt und haben einen eigenen Kranz mitgebracht. Der muss aber im Auto bleiben, ein Gedenk-Kranz am Ulrichsberg genügt. Auf Jannachs Frage hin schütteln sie den Kopf, Thema erledigt.
Es sind viele junge Leute, die am Sonntag morgen auf einem Parkplatz nahe Karnburg zusammen warten. Ein paar von ihnen im Kärntneranzug, andere in normalen Jeans. Dafür mit auffällig kurzem Haarschnitt. Dazwischen: Nationalrat und Kärntner FPÖ-Chef Harald Jannach und sein Vorgänger Franz Schwager. Sie begrüßen die Teilnehmer und verteilen ein Infoblatt. Nach der Absage des Ulrichsbergtreffens luden sie als Privatpersonen, wie sie betonten, zu einer "gemeinsamen Wanderung und Kranzniederlegung zum Gedenken der Gefallenen von Weltkriegen und Abwehrkampf". Gefolgt sind der Einladung 150 Besucher, nicht nur Kärntner. Dass auch Abordnungen aus Linz und dem Burgenland den weiten Weg auf sich genommen haben, stellt einen jungen Mithelfer nicht wirklich zufrieden: "Wir hätten uns mehr erwartet. Aber jetzt erst recht."
Mehr Besucher hätten die Organisatoren wohl vor Schwierigkeiten gestellt. Die Ulrichsberg-Pilger werden in Busse verfrachtet, für die größte Gruppe ist die Fahrt aber nur kurz: Der burgenländische Reisebus ist für die steile Straße hinauf zum Kollerwirt zu lang, ab Beintratten ist Fußmarsch angesagt.
Beschwerlicher Aufstieg
Eine Zumutung für Veteranen des Treffens: "Unterm Haider wären wir bis zum Gipfel gefahren. Der hätte sich das nicht bieten lassen." Der rüstige Herr spricht vom Parkverbot für die Wandertag-Teilnehmer, das Grundbesitzer Tilo Berlin verhängt hatte.
Die Frage "wie weit noch?" hört man nicht selten, auch atemlose Ulrichsberg-Neulinge wären wohl lieber erst vom Kollerwirt wegmarschiert. Das wäre problematisch gewesen, dort warten nämlich schon die Demonstranten. 60 großteils vermummte Jugendliche wurden von mindestens eben so vielen Polizisten in Schach gehalten. Der Großteil der Wanderer wird an den Demonstranten vorbeigeleitet, Jannach und Schwager kämpfen sich mit dem Blumenkranz zwischen ihnen hindurch und kassieren Verbal- und Spuckattacken.
Oben bei der Gedenkstätte ist von Demonstranten ebenso wenig zu sehen wie von den üblichen Akteuren der letzten Jahre. Keine Kameradschaftsbünde, keine Abwehrkämpfer, keine Abzeichen. Nur eine einsame Österreichflagge. Die Reden der Organisatoren sind kurz und unpolitisch. Gestört werden sie dennoch - von einem leisen Kichern, dass durch die Menge geht. Der Grund: der Handy-Klingelton einer deutschen Besucherin. Der klingelte laut und deutlich die Melodie von "Deutschland, Deutschland über alles".
Features
Fakten
Verteidigungsminister Norbert Darabos hatte Ende August die Unterstützung des Bundesheeres für das Treffen untersagt, nachdem bekannt geworden war, dass der Geschäftsführende Obmann der Ulrichsberggemeinschaft, Wolf Dieter Ressenig, NS-Devotionalien im Internet angeboten haben soll.
Schwager und Jannach bezeichneten den Schritt von Darabos als "unrühmliches politisches Schauspiel" und kritisierten auch BZÖ-Landeshauptmann Gerhard Dörfler. Dieser hatte erklärt, an dem Treffen nicht teilzunehmen, weil es ihm "zu weit rechts" angesiedelt sein.














