Ikea-Boykott, Antisemitismus: Israel auf Konfrontationskurs
Israels Außenminister Lieberman wirft Oslo Antisemitismus vor. Auch die Spannungen mit Stockholm halten an. Es droht der Ikea-Boykott.

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Inmitten der wachsenden Spannungen zwischen Israel und Schweden hat der israelische Außenminister Avigdor Lieberman am Sonntag gegen ein weiteres skandinavisches Land - Norwegen - Anti-Semitismus-Vorwürfe erhoben. Grund sind die 150-Jahr-Feiern für den norwegischen Schriftsteller und Nazi-Bewunderer Knut Hamsun, wie die israelische Zeitung "Haaretz" in ihrer Internetausgabe berichtete.
Zwischen Israel und dem Norwegen benachbarten Schweden herrscht derzeit dicke Luft wegen eines schwedischen Zeitungsartikels. Darin wird behauptet, israelische Soldaten hätten Organe toter Palästinenser entnommen. Der Bericht löste in der israelischen Öffentlichkeit eine Welle der Empörung aus. Nach israelischen Medienberichten gibt es Boykottaufrufe gegen den schwedischen Möbelhersteller Ikea. Die schwedische Regierung lehnte es unter Hinweis auf die Meinungsfreiheit ab, den umstrittenen Artikel offiziell zu verurteilen.
Am Sonntag attackierte Lieberman dann Norwegen. Er sei "erstaunt über die Entscheidung der norwegischen Regierung, den 150. Geburtstag von Knut Hamsun zu feiern, der die Nazis bewunderte", sagte der ultranationalistische Politiker im Ariel University Center. "Er hat den Literaturpreis, den er gewonnen hat, 1943 (Nazi-Propagandaminister) Josef Goebbels gegeben, und Hitler in einem Nachruf als Krieger für die Menschheit gepriesen".
Knut Hamsun (1859 bis 1952) gilt als einer der bedeutendsten norwegischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er erhielt 1920 den Literaturnobelpreis für sein Werk "Segen der Erde". Zur Nazi-Zeit bezog er öffentlich für Hitler Stellung. Hamsun griff auch den im KZ ermordeten Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky in Zeitungsartikeln scharf an. Nach dem Krieg kam er in psychiatrische Behandlung. Vor Gericht wurde Hamsun vom Vorwurf der Mitgliedschaft in einer NS-Organisation freigesprochen, jedoch zu einer hohen Geldstrafe wegen Schädigung des norwegischen Staates verurteilt.
Lieberman kritisierte Norwegen aber nicht nur wegen der Hamsun-Feiern. Er verwies auf die Durban-II-Konferenz, den wegen seiner Israel-kritischen Ausrichtung umstrittenen Anti-Rassismus-Gipfel der UNO im April. Die Vertreter Norwegens hätten als eine wenigen Delegationen den Sitzungssaal nicht verlassen. "Heute verstehe ich, dass das kein Zufall gewesen ist. Wie tief können Sie noch sinken", rief der israelische Außenminister.
Meinungsfreiheit als "Vorwand"
Bezüglich des umstrittenen schwedischen Artikels meinte Lieberman, dass Erschütterndste sei, dass die schwedische Botschaft in Israel von der Regierung in Stockholm gemaßregelt worden sei, weil sie die Behauptungen der Zeitung verurteilt habe. Der Botschafter dagegen stehe in der Tradition von Raoul Wallenberg, des schwedischen Diplomaten, der zahlreiche Juden im Zweiten Weltkrieg gerettet hatte.
Die schwedische Regierung verstecke sich unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung, so Lieberman. Im Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen habe der schwedische Außenminister seinerzeit aber ein Protestschreiben an die dänische Regierung wegen der Veröffentlichung der Zeichnungen geschickt.
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Israels Außenminister Lieberman attackiert NorwegenFoto © AP












