Afghanistan: Wahlen zwischen Angst und Zuversicht
Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen haben in Afghanistan am Donnerstag die Präsidentschafts- und Provinzwahlen begonnen. Als Favorit geht Amtsinhaber Karzai ins Rennen. Die Taliban riefen zum Wahlboykott auf und drohten mit Anschlägen.

Foto © AP17 Millionen Afghanen haben sich für die Wahlen registrieren lassen
Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen haben in Afghanistan am Donnerstag die Präsidentschafts- und Provinzwahlen begonnen. Die Wahllokale sind von 07.00 Uhr (04.30 MESZ) bis 16.00 Uhr (13.30 MESZ) geöffnet. Um das Präsidentenamt kandidieren 36 Bewerber. Als Favorit geht Amtsinhaber Hamid Karzai ins Rennen. Sein wichtigster Herausforderer ist der frühere Außenminister Abdullah Abdullah. Die Taliban haben zu einem Boykott des Urnengangs aufgerufen und Wähler bedroht.
17 Millionen wollen wählen
Um einen weitgehend störungsfreien Verlauf der Abstimmung zu sichern, sind mehr als 300.000 Sicherheitskräfte im Einsatz, darunter etwa 100.000 ausländische Soldaten. Nach Angaben der Unabhängigen Wahlkommission haben sich 17 Millionen Afghanen als Wähler registrieren lassen. Wahlbeobachter halten diese Zahl aber für zu hoch. Sie befürchten Wahlmanipulationen. Erste inoffizielle Ergebnisse werden für das Wochenende erwartet.
Foto

Vierbeinige Wahlhelfer: Über 3000 Esel bringen die Urnen in die letzten Winkel des LandesFoto © AP
Vierbeinige Wahlhelfer: Über 3000 Esel bringen die Urnen in die letzten Winkel des LandesGrafik © AP
Auch die Provinzräte werden neu bestimmt. Dabei geht es um 420 Mandate in den 34 Provinzen des Landes. Darum bewerben sich 3.197 Kandidaten, darunter 328 Frauen. Rund 6.800 Wahllokale waren vorgesehen, doch können wegen der kritischen Sicherheitslage voraussichtlich nicht alle öffnen. In der umkämpften Provinz Helmand im Süden etwa sollten nach Behördenangaben 107 von 242 Wahllokale aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben. Die Taliban haben mit Anschlägen gedroht und zum Boykott der Abstimmung aufgerufen. In den Tagen vor der Präsidentenwahl war die Zahl der Anschläge massiv gestiegen - von durchschnittlich 32 auf 48 pro Tag, wie ein Sprecher der NATO-Schutztruppe sagte.
Die Regierung wandte sich daher mit einem höchst umstrittenen Appell an die Medien: Zwischen sechs Uhr und 17 Uhr solle am Wahltag möglichst nicht über Gewalttaten berichtet werden. In einer früheren Version in der afghanischen Sprache Dari hieß es, die Verbreitung von Nachrichten oder Videoaufnahmen von Terrorangriffen sei bis 20 Uhr "strikt verboten". Ausländischen Journalisten wurde mit Ausweisung gedroht. Die afghanischen Medien wiesen die Aufforderung prompt als Angriff auf die Pressefreiheit und Verstoß gegen die Verfassung zurück.
Features
Fakten
Die Stimmenauszählung beginnt am Tag nach der Wahl. Die Wahlkommission rechnet am 3. September mit vorläufigen Ergebnissen der Präsidentschafts-wahl. Am 17. September sollen Endergebnisse der Präsidenten - und der Provinzratswahlen vorliegen. Sollte keiner der Bewerber um das Präsidentenamt die absolute Mehrheit erzielen, kommt es nach derzeitiger Planung Anfang Oktober zu einer Stichwahl. Dann treten nur noch der Spitzenreiter und der Zweitplatzierte an.
Foto

Präsident Karzai bei der StimmabgabeFoto © Reuters












