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Zuletzt aktualisiert: 15.08.2009 um 05:35 UhrKommentare

Die Kärntner Politik gleicht Freistilringen

Dörfler beflegelt Gäste und Koalitionspartner. Dafür nimmt ein Roter schwarzen Chef vor Orange in Schutz.

Strache erlebte in Kärnten sein "blaues Wunder"

Foto © ReutersStrache erlebte in Kärnten sein "blaues Wunder"

Warum kommentieren sie die peinlichen Auftritte von Landeshauptmann Gerhard Dörfler vor den ATV-Kameras nicht, fragten Leser an. Eben, weil sie urpeinlich waren. Wer die Rempeleien mit "Hi Society"-Reporter Dominic Heinzl und die Beflegelung von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sah, konnte sich selbst ein Bild machen. Alle anderen wollte man nicht aufmerksam machen. Zumal Dörflers Ausfälligkeiten eher nach den Graden weißer Spritzer als nach politischen Kriterien zu beurteilen waren. Ist es schon seltsam, wenn ein Oranger eine Wahlempfehlung für den roten Wiener Bürgermeister Michael Häupl abgibt, so war es einfach unhöflich, dass der Landeshauptmann einen Gast in Kärnten beschimpft, auch wenn er Strache heißt und politisch umstritten ist.

Dörfler mag es lustig gefunden und genossen haben, endlich zu überregionalen Fernsehauftritten gekommen zu sein. Weniger lustig für ihn und Kärnten ist der vom "Falter" aufgedeckte Justiz-Skandal. Wird doch in den Akten des Justizministeriums über die Einstellung eines Verfahrens wegen des Ortstafelverrückens dem Landeshauptmann bescheinigt, "die Tragweite seiner Handlungen nicht einschätzen" zu können. Von der Kleinen Zeitung dazu befragt, wurde Dörfler auch sofort ausfällig. Der jungen Kollegin, die um eine Stellungnahme anfragte, prophezeite er eine "kurze journalistische Karriere". Ein weiterer plumper Einschüchterungsversuch eines BZÖ-Politikers, der nichts bringt außer schlechten Nachreden!

Brachial-Stil

Dörflers Brachial-Stil sorgt für Verstimmung innerhalb der ÖVP. In doppelseitigen Anzeigen in den Regionalmedien, die als Interview getarnt waren, griff er Wirtschaftskammer-Präsident Franz Pacher wüst an, stellte ihn als nichtsnutzen ewigen Golfspieler hin und sprach ihm jedes Recht ab, wirtschaftspolitische Forderungen an die Regierung zu richten. Pacher ist nicht nur der höchste Interessensvertreter der Kärntner Wirtschaft. Es ist auch einer der zehn Unterzeichner der Koalitionsvereinbarung mit dem BZÖ und des gemeinsamen Regierungsprogrammes.

Warum, fragen und ärgern sich jetzt etliche ÖVP-Funktionäre, hat die Parteispitze diese Beflegelungen stillschweigend hingenommen? Weder Parteiobmann Josef Martinz noch Landesparteisekretär Achill Rumpold reagierten. Das Mindeste wäre gewesen, sagen die parteiinternen Kritiker, den Koalitionsausschuss einzuberufen. Manche hätten sogar Grund genug gesehen, die Koalitionsfrage zu stellen. Pacher selbst reagierte kühl. Er forderte von Dörfler, die Inserate müssten aus der BZÖ-Parteikasse und dürften nicht aus der Landeskasse gezahlt werden.

Das BZÖ dankt Martinz die Ergebenheit mit Kritik an seiner Arbeit. "Wo schläft der neue Tourismusreferent des Landes", fragt der orange Tourismussprecher Hannes Anton. "Martinz soll sich endlich mit seinem Referat befassen", durch ein "Dreivierteljahr Nichtstun wird der mühsame Aufbau der letzten Jahre zunichte gemacht", heißt es in Presseaussendungen. Schon vor Wochen wurde BZÖ-intern geschimpft, dass Martinz die gesamte Gemeindepolitik seinem Sekretär Rumpold überlasse und sich zu fein sei, mit Bürgermeistern selbst zu verhandeln. Wahrlich ein nettes Koalitionsklima!

Drohende Tourismuseinbrüche habe das BZÖ mit Dörfler und seinem politischen Erfüllungsgehilfen Werner Bilgram zu verantworten, konterte SPÖ-Tourismussprecher Jakob Strauß. Warum ein roter Abgeordneter für den schwarzen Martinz in die Bresche springt, ist eines der Mysterien der Kärntner Politik.


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