Dienstwagen-Klau: Deutsche Ministerin in guter Gesellschaft
Manager, Bürgermeister und Polizeipräsident befinden sich unter den Opfern. Laut Polizei gehen Autodiebstähle insgesamt zurück.

Foto © APDieser Dienstwagen wurde im spanischen Alicante gestohlen.
Zumindest ein Trost bleibt Ulla Schmidt: Mit ihrer gestohlenen Dienstlimousine befindet sich die deutsche Gesundheitsministerin (SPD) in guter Gesellschaft. Top-Manager, Bürgermeister, NATO-Generäle und sogar Polizeipräsidenten mussten in den vergangenen Jahren ihre Luxuskarossen gestohlen melden. Insgesamt - so berichten Bundeskriminalamt (BKA) und europäische Polizeibehörde Europol - nehmen Autodiebstähle in Deutschland und der EU aber ab.
Im Jahr 2007 waren es nach BKA-Angaben 15.771 Pkw, die dauerhaft abhanden kamen. Knapp jedes achte Fahrzeug davon wurde im Ausland entwendet. Nach den Zahlen des BKA muss Ulla Schmidt ihren Mercedes, der nicht versichert war, noch nicht ganz verloren geben. Mehr als jedes zweite entwendete Fahrzeug wird wieder gefunden. So tauchte der gestohlene dunkelblaue Mercedes des früheren Berliner Polizeipräsidenten Hagen Saberschinsky im Raum Moskau auf - allerdings erst zwei Jahre nach dem Diebstahl. Zudem fehlten Schlösser, Funktelefon, Funkgerät und Autoradio.
Sieben Millarden Euro Gewinn für Diebe
Wie der Wagen des damaligen Polizeipräsidenten landen nach Angaben von Europol die meisten der in Europa gestohlenen Fahrzeuge außerhalb der EU - meistens in Russland. Spanien dagegen - wo der Dienstwagen der Ministerin gestohlen wurde - gilt als Umschlagplatz auch für afrikanische Länder. Auf rund sieben Milliarden Euro schätzt Europol die Gewinne, die Kriminelle im Jahr mit Autodiebstählen in der EU verdienen. In Spanien ist schon seit Jahren die Rede davon, dass bestens organisierte Banden insbesondere Luxus-Fahrzeuge ins Visier nehmen und sich diese ganz gezielt schnappen.
Dabei machen den Autoknackern zunehmend ausgefeilte Diebstahlsicherungen das Leben schwer. Bewaffnete Überfälle auf die Fahrer teurer Autos sind daher nach Europol-Angaben ein "besorgniserregender Trend" geworden. Wie im Fall Schmidt betätigen sich die Autodiebe zudem zunehmend als Einbrecher: Erst stehlen sie Schlüssel und Papiere aus Haus oder Wohnung, dann fahren sie bequem mit den Wagen davon. Im Falle des früheren Daimler-Chrysler-Chefs Jürgen Schrempp nutzte aber auch alle Technik nichts. Sein hunderttausende Euro teurer gepanzerter Mercedes wurde nach Zeitungsberichten mit einem Transporter weggeschafft. Weil die Diebe zudem das Ortungssystem ausbauten, fehlte von der Limousine danach jede Spur. Der schwarze 600er-S-Klasse-Mercedes der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) dagegen wurde - über das eingebaute GPS-System - schon kurz nach dem Diebstahl im Jahr 2004 in einem Parkhaus der Stadt wiedergefunden. Und selbst vor dem Militärbündnis der westlichen Welt schrecken Diebe nicht zurück: Auch dem damaligen NATO-Oberkommandierenden in Europa, General Wesley Clark, wurde der gepanzerte Dienstwagen gestohlen. Unterwegs damit war allerdings Clarks Frau - sie hatte den schwarzen Mercedes zur Fahrt in den Golfclub genutzt.












