Dalai Lama fordert China zu Zurückhaltung in Uiguren-Provinz auf
Diee Polizei kontrolliert Xinjiang mit eiserner Hand.

Foto © APMassives Polizeiaufgebot in der Provinz
In Sorge über die extrem angespannte Lage in der chinesischen Uiguren-Provinz Xinjiang hat der Dalai Lama die Führung in Peking zu Zurückhaltung aufgefordert. Obwohl die Behörden der Provinzhauptstadt Urumqi die Lage am Mittwoch nach eigenen Angaben unter Kontrolle hatten, berichteten Reporter der Nachrichtenagentur AFP von erneuten Übergriffen auf Uiguren. Präsident Hu Jintao sagte wegen der Unruhen seine Teilnahme am G-8-Gipfel ab.
"Verständnis und Weitsicht". Peking müsse in einem "Geist von Verständnis und Weitsicht" mit der Situation in Xinjiang umgehen, hieß es in einer Erklärung des Dalai Lama, die sein Büro im indischen Neu Delhi veröffentlichte. "Ich bin zutiefst betrübt und besorgt über die sich verschlechternde Lage in Xinjiang, besonders über den tragischen Verlust von Menschenleben", erklärte das Oberhaupt der Tibeter. Die Tibeter hatten vor rund einem Jahr ähnlich wie die Uiguren heute gegen die Unterdrückung durch Peking aufbegehrt.
Lage unter Kontrolle. In Urumqi erklärte Bürgermeister Jerla Isamudin, die Lage sei unter Kontrolle. Zehntausende schwer bewaffnete Sicherheitskräfte bezogen auf einer Hauptverkehrsader Stellung und teilten die Stadt faktisch zwischen Han-Chinesen und Uiguren auf.
Weiterhin Übergriffe auf Uiguren. Entgegen den offiziellen Verlautbarungen berichteten Reporter erneut von Übergriffen auf Uiguren in der Provinzhauptstadt. Sicherheitskräfte kontrollierten die Lage mit eiserner Hand, hieß es. Ein Gruppe von rund 20 Han-Chinesen habe einen uigurischen Mann mit Holzstöcken und anderen Gegenständen angegriffen. Obwohl die Sicherheitskräfte einschritten, konnten sie demnach nicht verhindern, dass ein weiterer Angegriffener Wunden im Gesicht erlitt.
Härteste Bestrafung. Derweil kündigten die Behörden an, die Brutalsten unter den Unruhestiftern auf das Härteste zu bestrafen. Die Schlüsselfiguren der Ausschreitungen könnten sogar zum Tode verurteilt werden, sagte der Führer der Kommunistischen Partei in Ürümqi, Li Zhi. Er sprach von "mörderischen Elementen".
"Belehrungs- und Erziehungsmaßnahmen". Auch "Belehrungs- und Erziehungsmaßnahmen" seien als Strafen vorgesehen, sagte der Staatsminister für öffentliche Sicherheit, Meng Jianzhu. Die Polizei in Xinjiang hat bisher fast 1400 Menschen festgenommen. Bei den blutigen Zusammenstößen sind seit Sonntag nach offiziellen Angaben mehr als 150 Menschen getötet und rund 800 weitere verletzt worden. Exil-Uiguren gehen sogar von mehreren hundert Toten aus. Die Behörden sprechen inzwischen von den blutigsten Unruhen seit der Gründung der Volksrepublik 1949.
1000 Polizisten im Einsatz. Nach einer nächtlichen Ausgangssperre kam das Alltagsleben am Mittwoch unter der massiven Polizeipräsenz nur stockend in Gang. Eine Angestellte eines Hotels direkt im Zentrum der Provinzhauptstadt Ürümqi schilderte der Deutschen Presse-Agentur dpa, allein um das Gebäude herum seien rund 1000 Polizisten im Einsatz. Ein westlicher Journalist sprach am frühen Morgen am Telefon von einer "aggressiven Stimmung".
Chinesen stürmen Schulen. Eine uigurische Grundschullehrerin in Ürümqi schilderte der dpa am Telefon, sie habe gehört, dass Banden von Chinesen mehrere Schulen gestürmt hätten, darunter ihre eigene. "Sie schlugen jeden, den sie auf der Straße sahen, solange es nur ein Uigure war", berichtete sie. Staatsmedien sprachen von "kleineren Zusammenstößen". Ein BBC- Reporter hatte dagegen den Eindruck, dass die Bevölkerung sich offenkundig sicherer fühle. Auf den Straßen trügen nur noch wenige Menschen Stöcke zu ihrer Verteidigung bei sich.
Geschäfte geschlossen. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, dass viele Geschäfte geschlossen hätten. Vielerorts seien Nahrungs- und Wasservorräte knapp. Gemüse koste zwei- oder dreimal so viel wie vor den Unruhen. Die meisten Menschen seien zu Hause geblieben, Arbeitgeber hätten ihren Mitarbeitern freigegeben. Das Staatsfernsehen hatte zuvor berichtet, viele Geschäfte und Märkte hätten wieder geöffnet.















