Irak: Höchste Alarmbereitschaft vor US-Abzug
Die US-Streitkräfte stehen unmittelbar vor dem Abzug aus allen irakischen Städten. In letzter Zeit hat sich die Zahl der Anschläge wieder erhöht.
Unmittelbar vor Abzug der US-Kampftruppen
aus den irakischen Städten ist der Polizei der Urlaub gestrichen
worden. "Sie sind im ganzen Land im voller Stärke präsent, zu hundert
Prozent", sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Bagdad. Vor dem
Hintergrund der zwei schwersten Bombenanschläge seit über einem Jahr
in den vergangenen Tagen wurden die Polizisten in die höchste
Alarmstufe versetzt. In der Hauptstadt riegelten Polizei und Militär
am Sonntag Straßen ab und kontrollierten Fahrzeuge.
Meilenstein.
Sechs Jahre nach dem Einmarsch der US-Armee gilt der Rückzug der
amerikanischen Kampftruppen aus den Städten und Dörfern Ende Juni als
ein Meilenstein auf dem Weg des Irak zurück zur Eigenständigkeit. Die
zwei Anschläge in den jüngsten Tagen mit über 150 Toten nährten
jedoch Zweifel, ob die einheimischen Sicherheitskräfte der Lage ohne
Unterstützung Herr werden können. Vertreter der USA und des Irak
haben vor einer Zunahme der Gewalt im Vorfeld des 30. Juni sowie der
Parlamentswahl im Jänner gewarnt.
Ausbildung.
Einige wenige US-Einheiten werden auch über den Juni hinaus in
städtischen Zentren bleiben, um die irakischen Truppen auszubilden
und zu beraten. Darunter befinden sich Spezialkräfte und Einheiten
zur Steuerung von Aufklärungsflugzeugen. Außerhalb der Städte können
die amerikanischen Kampftruppen weiter agieren. Die Einsätze sollen
aber mit den irakischen Behörden abgesprochen werden.
Obama kritisiert.
US-Präsident Barack Obama hatte am Freitag seine Kritik an der
irakischen Regierung bekräftigt, dass der politische Fortschritt im
Land zu wünschen übriglasse. Die größte Herausforderung im Irak sei,
die Kluft zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu
überwinden. Beobachter befürchten, dass die schiitisch geprägten
Sicherheitskräfte ihre Macht missbrauchen und mit übertriebener Härte
gegen die Sunniten vorgehen könnten.
Interna.
Die sunnitische Minderheit hatte viele Jahre die Macht im Irak
inne. Seit dem Sturz des Machthabers Saddam Hussein haben die
Schiiten die Oberhand. Auch der Regierungschef Nuri al-Maliki ist ein
Schiit. In einigen unruhigen Städten mit gemischter Bevölkerung wie
Kirkuk und Mossul wurden die US-Truppen bisher als einzige neutrale
Gruppe gesehen.
2012.
Die USA haben derzeit rund 130.000 Soldaten im Irak stationiert.
Bis August 2010 sollen die Kampftruppen aus dem Golf-Staat in die
Heimat zurückkehren, bis 2012 die übrigen Soldaten folgen.












