USA verabschiedet Klimaschutzgesetz
Die von US-Präsident Barack Obama versprochene Wende in der US-Klimapolitik nimmt Gestalt an: Das US-Repräsentantenhaus verabschiedete am Freitagabend (Ortszeit) nach heftigen Auseinandersetzungen ein als historisch eingestuftes Klimaschutzgesetz.

Foto © APHält Wort: Barack Obama
Mit knappen 219 gegen 212 Stimmen wurde ein
Gesetzespaket beschlossen, das erstmals in den USA bindende
Obergrenzen für den Ausstoß von Kohlendioxid festlegt. CO2 gilt als
Hauptverursacher des Klimawandels. Über das Gesetz, das von Obama
massiv unterstützt wurde, muss noch der Senat - vermutlich im Herbst
- abstimmen.
Historisch.
Kern des Klimaschutzgesetzes ist eine Reduzierung der Emissionen
bis zum Jahr 2020 um 17 Prozent unter das Niveau von 2005. Dazu soll
ein System eingeführt werden, das dem innerhalb der Europäischen
Union ähnelt. Mit einem sogenannten "cap and trade" können
Unternehmen mit höherem und niedrigerem Schadstoff-Ausstoß
untereinander mit Emissionsrechten handeln. Das Gesetz markiere einen
"fundamentalen Wandel" in der amerikanischen Klima- und
Energiepolitik sei das "wichtigste Umweltschutzgesetz" in der US-
Geschichte, meinte der demokratische Abgeordnete Ed Markey
(Massachusetts), einer der Autoren des Gesetzes.
Appell.
Obama hatte die Abgeordneten am Donnerstag noch einmal
eindringlich dazu aufgerufen, die Vorlage zu verabschieden. Noch
während der Debatte am Freitag hatte Obama mit Abgeordneten
telefoniert, um sie für das Gesetz zu gewinnen. Schließlich stimmten
43 Demokraten gegen das Gesetz, acht Republikaner allerdings dafür.
Unmittelbar nach dem historischen Votum sprach Obama anerkennend von
einem "gewichtigen und notwendigen Schritt" und forderte den US-Senat
auf, bald zu handeln.
Warnung.
Die meisten Republikaner und einige Demokraten fürchten gravierend
negative Auswirkungen des Gesetzes auf die Wirtschaft und
insbesondere auf die Preise für Benzin und Elektrizität. Der Führer
der Republikaner im Abgeordnetenhaus, John Boehner (Ohio), warnte vor
einem "bürokratischen Alptraum"; Energie werde teurer, aber die
Energieprobleme des Landes würden nicht gelöst. Das Gesetz werde
letztendlich 2,5 Millionen amerikanischer Arbeitsplätze gefährden.
Das Gesetz gefährde "Lebensstandard und Lebensqualität" der
Amerikaner, meinte der republikanische Frank Lucas (Oklahoma).
Alternativen.
Die Demokraten glauben dagegen, dass mit der Kehrtwende in der
Klimapolitik "Millionen grüner Arbeitsplätze" vor allem in der
alternativen Energiebranche entstehen werden. "Es geht um Jobs, Jobs,
Jobs", betonte die demokratische Präsidentin des Abgeordnetenhauses,
Nancy Pelosi, kurz vor der entscheidenden Abstimmung.
Feilschen.
Erst nach zähem Ringen und Kompromissen war es der demokratischen
Führung in der Kongresskammer gelungen, genügend Parteifreunde auf
ihre Seite zu ziehen. Im Zuge der Auseinandersetzungen und des
Feilschens war der zur Abstimmung vorliegende Entwurf auf 1.200
Seiten angeschwollen.
Verantwortung.
"Wir haben erlebt, dass unsere Abhängigkeit von fossilen
Brennstoffen unsere nationale Sicherheit aufs Spiel setzt. Wir haben
erlebt, dass sie die Luft, die wir atmen, verschmutzt und unseren
Planeten gefährdet", sagte Obama. "Nun ist es Zeit für uns, die
Führung zu übernehmen."












