Parteienförderung: Kärnten neuer Spitzenreiter
Wie der Politikwissenschafter Hubert Sickinger errechnet hat, liegt Kärnten mit 30,5 Euro pro Wahlberechtigtem heuer sogar vor Wien.
Mit der von BZÖ, SPÖ, ÖVP und Grünen in ungewohnter
Einigkeit beschlossenen Anhebung der Parteienförderung um rund fünf
Mio. Euro ist Kärnten mittlerweile zum Spitzenreiter unter den neun
Bundesländern aufgestiegen. In Wien fließen heuer insgesamt "nur" 27,3 Euro pro
Stimmbürger an die Rathausparteien. Im Durchschnitt aller neun Länder
sind es rund 20 Euro.
Keine Überraschung. Überraschend kommt die kräftige Anhebung der Kärntner
Parteienförderung für Sickinger angesichts des teuren
Landtagswahlkampfs nicht, wie er im Gespräch mit der APA betont:
"Mich wundert es nicht, so viel Geld wie die verbrannt haben." Laut
einer bereits im April veröffentlichten Aufstellung des
Marktforschungsunternehmens Fokus Media Research haben die fünf
Kärntner Parteien im Wahlkampf allein 1,89 Mio. Euro für Inserate
ausgegeben - um 70 Prozent mehr als 2004.
Kärnten-Wahl. Für die FPÖ hat es trotzdem nicht für den Einzug in den Landtag
gereicht, die Partei muss nun auch bei der Parteienförderung durch
die Finger schauen und protestiert nun als einzige gegen die
Anhebung. Freilich profitiert auch die Wiener FPÖ seit Jahren von der
besonders großzügigen Parteienförderung in der Bundeshauptstadt: Dort
liegen die Ausgaben pro Wähler laut Sickinger heuer bei 27,3 Euro.
Das nächst-teuerste Land nach Kärnten und Wien ist die Steiermark mit
heuer 20 Euro Parteienförderung pro Bürger.
Doppelrolle. Sickinger betont allerdings, dass Wien wegen seiner Doppelrolle
als Gemeinde und Bundesland "von Haus aus teurer" sei als die anderen
Länder. Würde man die Parteienförderung der Kärntner Städte noch
einbeziehen, dann würden die dortigen 30,5 Euro pro Stimmbürger noch
ansteigen.
Gründe. Mit ausschlaggebend für die Spitzenposition Kärntens ist laut
Sickinger auch die Wahlkampfkostenrückerstattung für die Landtagswahl
von rund 3,6 Mio. Euro, die in Nicht-Wahljahren nicht gewährt wird.
Aber, so der auf Parteienfinanzierung spezialisierte
Politikwissenschafter: "Kärnten ist eindeutig in jedem normalen Jahr
mittlerweile zweithöchster - inklusive kommunaler Förderungen
jedenfalls gleich hoch wie Wien." In den Ländern Vorarlberg und
Oberösterreich, die im Herbst wählen, gibt es übrigens keine
Wahlkampfkostenrückerstattung.












