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Zuletzt aktualisiert: 11.05.2009 um 20:37 UhrKommentare

Cern-Austritt: Mögliches Schlupfloch

Wissenschaftsminister Hahn führte ein "konstruktives Gespräch" mit Cern-Chef.

Foto © APA

Erstaunt zeigte sich Rolf-Dieter Heuer, Chef der Kernforschungsanlage Cern, nach einem Gespräch mit Wissenschaftsminister Johannes Hahn: "Ich bin doch etwas überrascht über diesen Austritt, weil gerade im Moment viele Länder ihr Interesse bekunden, beizutreten." Wie berichtet, hat Hahn angekündigt, dass Österreich sich mit Ende 2010 aus dem Forschungskonsortium mit Sitz in Genf zurückzieht. Gestern traf man in Wien zusammen, das Gespräch wurde immerhin als "konstruktiv" bezeichnet. Mit dabei war auch die "Außenministerin" des Cern, die Österreicherin Felicitas Pauss.

Stärkung des Forschungsfonds. Das änderte aber in der Sache zunächst nichts. Hahn will die 20 Millionen Euro, die Österreich jährlich in das Cern einzahlt, für andere Forschungsvorhaben und zur Stärkung des Forschungsfonds FWF verwenden. Es ist mit Abstand der größte Einzelbetrag, der an eine internationale Forschungsorganisation bezahlt wird; Nutznießer bisher waren im wesentlichen Physiker des Instituts für Hochenergiephysik in Wien, andere Projekte konnten nicht verfolgt werden.

Schlupfloch. Überlegungen Österreichs, als eine Art "assoziiertes Mitglied" ein Schlupfloch zu finden und so billiger davonzukommen, beurteilte der Cern-Chef zurückhaltend: "Da weiß ich nicht, wie das aussehen könnte." Vereinbart wurde, dass auf Expertenebene Gespräche geführt werden, "die legitimen Interessen seitens Österreichs, aber auch seitens des Cern zu wahren", hieß es aus dem Wissenschaftsministeriums. Ende Juni sollen Diskussionsvorschläge vorliegen.

Historische Fehlentscheidung. Unterdessen machen die Wissenschaftler mobil. Der Fachausschuss für Kern- und Teilchenphysik der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft veröffentlichte eine Petition, in der von einer "historischer Fehlentscheidung" gesprochen wird. Unterstützer sind heimische Forschergrößen aus diesem Bereich und einige Nobelpreisträger. Der Fachausschuss appelliert an das Parlament, dem Vorhaben von Minister Hahn nicht zuzustimmen.

NORBERT SWOBODA

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