Mauthausen-Gedenkfeier im Zeichen des religiösen Widerstandes
Auch heuer wurde in Mauthausen wieder der Befreiung im Mai 1945 gedacht. In Ebensee störten Neonazis die Gedenk-Veranstaltung und beleidigten Überlebende des Nazi-Terrors.

Foto © Reuters
Repräsentanten von Kirchen und
Religionsgemeinschaften haben zusammen mit Vertretern der
Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen und vom Mauthausen
Komitee Österreich mit einem gemeinsamen Appell mit der Aufforderung
veröffentlicht, vehement gegen Rechtsextremismus, Rassismus,
Intoleranz und Diskriminierung aufzutreten.
Verfolgung aufgrund religiöser Überzeugung.
Rabbiner Schlomo Eliezer Hofmeister von der Israelitischen
Kultusgemeinde Wien, Karl Hubmann für die Zeugen Jehovas, der frühere
Linzer Diözesanbischof Maximilian Aichern, Erzbischof Michael Staikos
von der Griechisch-orthodoxen Kirche und Bischof Michael Bünker von
der Evangelischen Kirche AB wiesen in kurzen Statements auf die
Verfolgung von Menschen durch die Nationalsozialisten hin, die sich
aufgrund ihrer religiösen Überzeugung gegen das NS-Regime aufgelehnt
hatten. Aichern betonte den Widerstand von einzelnen Persönlichkeiten
der katholischen Kirche, Priestern wie Laien, gestand aber auch ein,
dass viel versäumt worden sei. Auch Bünker stellte fest, dass die
evangelische Kirche im Nationalsozialismus Schuld auf sich geladen
habe.
Neonazis in Ebensee.
Bei der Gedenkfeier im ehemaligen nationalsozialistischen Konzentrationslager Ebensee in Oberösterreich sind am Samstag Neonazis aufgetaucht.Sie beleidigten die Teilnehmer der Feier - unter ihnen zahlreiche Überlebende des Konzentrationslagers - mit Sieg-Heil-Rufen und Hitlergruß. Die Sicherheitsbehörden bestätigten am Sonntag auf Anfrage den Vorfall. Es werde ermittelt.
Beleidigung.Der Vorsitzende des Mauthausen Komitee, Willi Mernyi, berichtete, bei der Gedenkfeier sei eine Gruppe schwarzgekleideter und mit schwarzen Masken vermummten Personen aufgetaucht, die eine Attrappe eines Maschinengewehres bei sich gehabt hätten. Sie hätten die Teilnehmer der Feier - unter ihnen zahlreiche Überlebende des Konzentrationslagers - mit Sieg-Heil-Rufen und Hitlergruß beleidigt. Der oberösterreichische Sicherheitsdirektor Alois Lißl bestätigte auf Anfrage den Zwischenfall, nicht aber inzwischen auch aufgetauchte Gerüchte über Schlägereien oder Schüsse. Von Gewalttätigkeiten sei nichts bekannt.
Komitee entsetzt.Das Mauthausen Komitee zeigte sich von dem Vorfall entsetzt. Vorsitzender Willi Mernyi sprach von einem unglaublichen Tabubruch: "Vor wenigen Wochen die KZ-Gedenkstätte Mauthausen geschändet, gestern ehemalige Häftlinge mit Nazi-Parolen provoziert - was kommt als nächstes?" Die Grünen sehen nun Innenministerin Fekter gefordert: "Wir erwarten von der Ministerin nicht nur, dass sie endlich aktiv wird, sondern generell ein entschiedenes Vorgehen der Exekutive bei derartigen Vorfällen", sagte Sozialsprecher Öllinger gegenüber der APA.












