Neues afghanisches Ehegesetz stößt auf internationale Empörung
Ein neues afghanisches Gesetz, das offenbar Vergewaltigung in der Ehe erlaubt und das Recht von Frauen, das Haus zu verlassen, einschränkt, stößt im Westen auf Empörung.

Foto © ReutersHamid Karzai
Mit deutlicher Kritik haben vor allem Deutschland, Frankreich, aber auch die USA, Kanada, Großbritannien und die NATO reagiert. Der afghanische Präsident Hamid Karzai verteidigte das Gesetz und sprach von Missverständnissen. Gleichzeitig stimmte er aber nach dem lautstarken internationalem Protest zu, das umstrittene Gesetz noch einmal überprüfen zu lassen.
Fakten
Die deutsche Bundesregierung intervenierte in Kabul, da das Gesetz Menschenrechte außer Kraft setze und die Vergewaltigung von Frauen durch ihren Ehemann rechtfertige.
Zum Sex gezwungen.
Das fragliche Gesetz zur Regelung des Familienlebens unter den
Schiiten in Afghanistan, etwa zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung,
zwingt Frauen, wenn ihr Mann nicht auf Reisen ist, mindestens alle
vier Tage mit ihm zu schlafen. Der UN-Entwicklungsfonds für Frauen
(UNIFEM) warf der Regierung vor, die Vergewaltigung in der Ehe zu
legalisieren. Daneben erlaubt es Ehemännern, ihren Frauen
Arbeitstätigkeit, Bildung und das Verlassen des Hauses ohne
"legitimen Gründe" verbieten zu können. "Spiegel Online" zitierte
Passagen aus dem Gesetzestext, denenzufolge eine Ehefrau verpflichtet
ist, "den sexuellen Bedürfnissen ihres Mannes jederzeit
nachzukommen".
Vernünftige Gründe...
Kritikerinnen des neuen Familiengesetzes für die schiitische
Minderheit wie die Abgeordnete Shinkai Karochaid warnen vor
ernsthaften Rückschritten. So würden Verheiratungen neunjähriger
Mädchen möglich gemacht. Karzai habe das Gesetz nur unterschrieben,
um die Schiiten im Vorfeld der im August geplanten Präsidentenwahl zu
besänftigen. Er habe deshalb die Forderungen der schiitischen
Kleriker akzeptiert. Die Vertreter der schiitischen Hazara-Minderheit
hatten ein eigens auf sie zugeschnittenes Familienrecht gefordert.
Ein hoher schiitischer Kleriker, Hayatullah Scheich Mohammad Asif
Mohsini, verteidigte das Gesetz. "Die Medien kritisieren, dass ein
Frau sich nicht gegen Sex wehren darf. Das ist nicht wahr. Bei klaren
und vernünftigen Gründen oder indem sie ihren Ehemann um Erlaubnis
fragt, kann sie dies durchaus."
"Kein Problem".
Karzai erklärte, er habe das Gesetz gelesen und sehe keine
Probleme. Die Vorlage sei von westlichen Medien falsch übersetzt
worden. Auf einer Pressekonferenz las der Präsident einen Artikel des
Gesetzes vor, der offenbar das Recht schiitischer Frauen, das Haus zu
verlassen, einschränkt. Karzai erklärte jedoch der Artikel 130 des
Gesetzentwurfs sage klar, dass Frauen das Haus bei berechtigten
Anlässen durchaus verlassen dürften.
Features
Prüfung
Er habe die Vorlage zur Klärung an das Justizministerium gegeben, sagte Karzai am Samstag in Kabul. Sollte der Gesetzestext der Verfassung oder der Scharia widersprechen, würden "Maßnahmen ergriffen".
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Fakten
Auch Paris hatte sich über das neue afghanische Ehegesetz schockiert gezeigt. "Dieses Gesetz enthält eindeutig diskriminierende Elemente für afghanische Frauen", betonte die französische Staatssekretärin für Menschenrechte, Rama Yade, am Freitag.











