"Hallo Barack, hier Nicolas": Hype um Sarkozys Telefonat mit Obama
"Endlich darf er mit Obama telefonieren": Ein geplantes Telefongespräch zwischen dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und seinem US-Amtskollegen Barack Obama hat in Frankreich für einen bemerkenswerten Medienrummel gesorgt.

Foto © AP"Nicolas who? " - Obama wich dem Gespräch lange aus
Die beiden Präsidenten wollten am Mittwochnachmittag zur
Vorbereitung des Londoner G-20-Weltfinanzgipfels miteinander
sprechen. Die regierungsnahe Zeitung "Le Figaro" hob die bloße
Ankündigung des Telefonats auf ihr Titelblatt und illustrierte sie
mit einer Fotomontage, die Obama mit einem traditionellen
Telefonhörer und Sarkozy mit einem Mobiltelefon am Ohr zeigt - obwohl
sie doch in einer Videokonferenz miteinander sprechen sollen.
"Sarkozy darf endlich mit Obama telefonieren", titelte die Website
"20minutes.fr".
Sarkozy beleidigt.
Im Grunde sei Sarkozy verärgert, dass Obama ihn im Unterschied zum
britischen Premierminister Gordon Brown noch nicht ins Weiße Haus
eingeladen habe, heißt es. Obama hatte zudem den Vorschlag abgewehrt,
mit Sarkozy am Rande des NATO-Gipfels Anfang April in Straßburg auch
die Normandie zu besuchen, um dort gemeinsam der Landung der
US-Alliierten zu gedenken. Kürzlich hat Sarkozy sich vor Journalisten
über die allgemeine "Obamanie" lustig gemacht und bissig hinzugefügt:
"Die Welt ist groß genug, dass es auch zwei oder mehr wichtige
politische Führer geben kann."
"Guter Kumpel".
Dabei hatte Sarkozy im vergangenen Sommer beim Paris-Besuch des
damaligen Präsidentschaftskandidaten laut getönt, dass sie "gute
Kumpel" seien. "Ich bin der einzige Franzose, der ihn persönlich
kennt", sagte er damals. Obama zeigte sich bei der gemeinsamen
Pressekonferenz ebenfalls freundlich und meinte, dass Sarkozy eine
gute Nase für politische Führer habe - schließlich habe er bei seinem
Washington-Besuch 2006 sowohl ihn als auch seinen späteren
Gegenspieler John McCain getroffen.
Brief an den Vorgänger.
Sarkozy dürfte sich auch nicht sonderlich gefreut haben, dass
Obama kürzlich seinem Amtsvorgänger Jacques Chirac einen freundlichen
Brief geschrieben hat, was der Adressat erfreut den französischen
Medien steckte. Darin schrieb Obama, dass er sich "in den kommenden
vier Jahren auf die gemeinsame Zusammenarbeit freut". Möglicherweise
habe Obama sich ja vertan und gehe davon aus, dass Chirac noch immer
im Amt und Sarkozy lediglich sein Vize sei, bemerkte das Satireblatt
"Le Canard Enchaine".
Features
Unterschiede
Das Telefonat dürfte die grundsätzlichen Meinungsverschieden-
heiten
auch nicht ausräumen, die Frankreich und die USA derzeit haben.
Während Sarkozy seit Monaten für eine schärfere Regulierung der
internationalen Finanzmärkte wirbt, legt Washington den Akzent eher
auf die Wiederankurbelung der nationalen Wirtschaft durch riesige
Konjunkturprogramme.
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