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Zuletzt aktualisiert: 09.03.2009 um 07:09 UhrKommentare

Unserem Bundesheer geht die Luft aus

Die Heeresreform droht zu scheitern - an Geldmangel und durch eigene Fehler. Die Liegenschaftsverkäufe verkommen zur Farce, dringende Investitionen werden aufgeschoben. Und die Stimmung in der Truppe ist am Boden.

Die Reform des Heeres droht zu scheitern

Foto © APADie Reform des Heeres droht zu scheitern

Im Jahr 2010 sollte die österreichische Armee erneuert, modern und schlank dastehen. Doch knapp vor dem magischen Zieldatum, mit dem die Bundesheer-Reform etikettiert worden war, liegt unser Heer am Boden. Und ist ergiebige Quelle für Negativmeldungen: Die tödliche Nebel-Panne an der A 22, interne Grabenkämpfe und Mobbingvorwürfe, bröckelnde Kasernen - und immer akuter Finanzmangel.

Frisches Budget. Daran haben auch die gerade abgeschlossenen Budgetverhandlungen nichts geändert. 2,25 Milliarden Euro hat Ressortchef Norbert Darabos für heuer dem Finanzminister angeblich entlockt - damit erzielte er zwar etwas mehr gegenüber dem Vorjahr, muss aber mit dem Sport auch ein zusätzliches Ressort abdecken. "Sparen und investieren mit Augenmaß", kündigte Darabos daher für die kommenden Jahre an.

Zu Tode gespart. Dabei ist das Heer praktisch schon zu Tode gespart worden. Das behaupten Kritiker wie der Salzburger Hofrat Eduard Paulus - als Präsident der Offiziersgesellschaft wortgewaltiges Sprachrohr eines vor allem von Milizionären getragenen Vereins. "Wir nähern uns einem Operettenheer", sagt Paulus. Seit Ende der 80er-Jahre, der Wende in Osteuropa, sei das Wehrbudget kontinuierlich gestutzt worden - zuletzt betrug es nur noch 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Mindestens ein Prozent müssten es aber gemäß des Reformziels sein. "Die Stimmung im Heer ist düster und resignativ, weil die Leute spüren, dass der Regierung das Bundesheer Wurscht ist", formuliert Paulus.

Altlasten. Dazu schleppt die Armee einen Rucksack an Altlasten mit sich: 75 Millionen Euro wurden in den 90ern etwa in Jaguar-Jagdpanzer und sündteure Munition gesteckt. Die Panzer rosten ungenutzt vor sich hin, auf der Munition ist man sitzen geblieben. Zu einer ähnlichen Farce artet auch die Verwertung von Heeresliegenschaften aus. Mit dem Verkauf von Kasernen und Attaché-Sitzen im Ausland wollte man ja jene Milliarde erlösen, mit der man die Reform "anschieben" wollte. "Das wäre auch möglich gewesen, es gab Angebote, alle Kasernen in Bausch und Bogen zu erwer ben", sagt ein mit der Materie Vertrauter. Jetzt sitzen Bedienstete noch immer in halb verwaisten Kasernen - wie in Bad Radkersburg oder der Grazer Hummelkaserne -, die schon längst hätten verkauft werden sollen.

1000 Leute zu viel. Manche Kasernengebäude finden um den erhofften Preis einfach keine Käufer, andere können nicht geräumt werden, weil für Mann und Material noch keine Ersatzbauten da sind. "Da beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz", raunt man beim Heer. Und so stehen statt der erhofften Milliarde gerade etwa 300.000 Euro auf der Habenseite - "und die wandern direkt ins Finanz- statt ins Verteidigungsministerium", weiß ein Personalvertreter.

Alte Strukturen. Auch die Personalstruktur hinkt der Zeit hinterher. Noch immer leistet sich das Bundesheer einen Überbau, der einer 100.000-Mann-Armee in Zeiten des Kalten Krieges entspricht. Mit 186 Offizieren im Generalsrang ist die Spitze mehr als breit. Auf 15 Offiziere kommt in Österreich ein General. Überzähliges Personal in den Bataillonen kann nur schleppend abgebaut werden, rund 1000 Beschäftigte sind so genannten "Projektaufträgen" zugeteilt. "Eigentlich müsste man sie heimschicken, das ist aber politisch nicht vertretbar", sagt ein Heeres-Gewerkschafter. Hingegen klaffen in der Truppe immer größere Lücken: Dem Kader geht der Nachwuchs aus, auf Gruppen- bis zur Zugsebene fehlt es an jungen Unteroffizieren.

WILFRIED ROMBOLD

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Stark kritisiert: Der Tschad-EinsatzFoto © APA

Fakten

Im Jahr 2004 legte die Bundesheerreformkommission ihren Bericht vor, dessen Realisierung bis 2010 geplant war.

Die Eckpfeiler: Reduktion der Mobilmachungsstärke von 110.000 auf 55.000 Soldaten, Reduktion der Brigaden (von 5 auf 4), der Bataillone (57 auf 39), Anpassung der Führungsstruktur, Verkürzung des Präsenzdienstes, Erhaltung der Miliz und Investitionen durch Verkauf von Liegenschaften.

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