Gewaltausbruch auf Guadeloupe
Gut vier Wochen nach Beginn eines Generalstreiks auf der französischen Karibikinsel Guadeloupe ist es in der Nacht auf Mittwoch zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Dabei wurde auch ein Mann von einer Jugendbande erschossen. Mindestens sechs Polizisten wurden durch Schüsse verletzt. Mehrere Geschäfte wurden geplündert und in Brand gesetzt. Demonstranten errichteten zahlreiche Straßensperren.
Bei dem Erschossenen handelte es sich nach Behördenangaben um einen Gewerkschafter. Dieser sei nach einer Kundgebung in seinem Auto tödlich getroffen worden, als zahlreiche Jugendliche auf Polizisten feuerten.
Die Bevölkerung fühle sich im Stich gelassen, sagte der Bürgermeister von Pointe-a-Pitre, Jacques Bangou. Er habe die ganze Nacht "zugeschaut, wie die Stadt in Schutt und Asche gelegt wird". In mindestens neun Fällen sei die Polizei nicht eingeschritten, als Jugendbanden Autos oder Geschäfte in Brand gesetzt hätten. Er warf der französischen Regierung vor, zu langsam zu handeln.
Auslöser der sozialen Unruhen waren die hohen Lebenshaltungskosten auf der Inselgruppe. Die französischen Überseegebiete werden vom Festland subventioniert. Die eigene Wirtschaft ist kaum entwickelt, der Tourismus ist die Haupteinnahmequelle. Zahlreiche Produkte werden importiert. Die Proteste richten sich zunehmend auch gegen die ungleiche Verteilung der Reichtümer zwischen der überwiegend weißen Oberschicht und der mehrheitlich dunkelhäutigen Bevölkerung.
Auch auf der Nachbarinsel Martinique steht das öffentliche Leben praktisch still, weil die Menschen gegen die teuren Lebenshaltungskosten protestieren. Schulen, Ämter, Banken und Geschäfte sind auf beiden Inseln größtenteils geschlossen, die Müllabfuhr hat ihre Arbeit eingestellt, an den Tankstellen gibt es kaum noch Benzin. 10.000 Touristen stornierten bereits ihre Urlaubsbuchungen auf beiden Inseln.












