"Heute endet der Rassismus": Pressestimmen zu Obamas Amtsantritt
Es gibt im internationalen Blätterwald zur Angelobung von Barack Obama breite Zustimmung, allerdings auch durchaus kritische Stimmen: "Er hat bisher außer seiner Kampagne nichts gemanagt".

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"Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). "Obama beruft sich auf Abraham Lincoln, eine der großen Gestalten der amerikanischen Heilsgeschichte, den Mann, der die Sklaverei
(rechtlich) abgeschafft und versucht hat, die Amerikaner nach einem verheerenden Bürgerkrieg wieder zusammenzuführen. Obama hat auch, wie fast jeder Präsident vor ihm, das freiheitliche Erbe Amerikas beschworen. Der Grundton seiner Rede war dennoch von Nüchternheit
geprägt: Er hat die Herausforderungen, vor denen sein Land steht - im Inneren wie nach außen -, aufgezählt und kein Hehl daraus gemacht, wie groß sie sind und wie schwer es sein wird, sie zu überwinden. Diese Nüchternheit hat sicherlich auch den Sinn, die messianischen
Hoffnungen zu dämpfen, die sich an seine Amtsübernahme geheftet haben. Sie kennzeichnet gleichzeitig eine Abkehr von der ideologischen Polarisierung, die Bushs Regierungszeit in weiten Teilen bestimmt hat. Obama hat alle Amerikaner, gleichgültig welcher
Partei und Rasse, zur Mitarbeit an der Erneuerung aufgerufen. Jetzt beginnen die Mühen des Alltags".
"The Guardian" (London). "Obama übernimmt das Amt in Zeiten einer großen Krise für Amerika. Während das Land immer noch die entscheidende Macht in vielen
Konflikten dieser Erde ist, verschwindet die Macht Amerikas langsam und auf vielerlei Art. Aber genau deshalb ist Obama so wichtig: Er hat erkannt - im Gegensatz zu seinem Vorgänger George W. Bush -, dass es alte Antworten nicht mehr länger tun werden. Die Arbeit, die Dinge
anders anzupacken, beginnt. Heute wie gestern, die ganze Welt wird zusehen und hoffen".
"Le Monde" (Paris). "Obama wird ein amerikanischer Präsident sein, der die
wirtschaftlichen und strategischen Interessen seines Landes verteidigt. Kein internationaler Aktivist, der sich um die vielfachen Krankheiten der Welt dieses Anfangs des 21. Jahrhunderts kümmert. Doch schon seine Anwesenheit im Weißen Haus zieht Amerika hoch. (...)
Seine Geschichte - seine komplexe Herkunft, seine Jahre in Indonesien - haben seine Wahrnehmung der Welt geprägt. Er weiß, dass die Welt die USA nicht immer so sieht wie sie sich selbst. Das ist meilenweit entfernt von dem engstirnigen und ungebildeten Patriotismus der vorherigen Mannschaft. Obamas Wahlkampf hat einen vernünftigen Mann
offenbart, der zuhört, zweifelt, Vorsicht walten lässt und sich anderen öffnet. Wir sind fern von George Bush, der seine Unsicherheit hinter der Fassade manichäischer Sicherheiten verbarg. Kurz: Das fängt gut an".
"El Mundo" (Madrid). "Mit dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten schlägt die Stunde
einer 'sanften Macht' in einer harten Welt. Barack Obama bewies bisher, dass seine größte Qualität darin besteht, in schwierigen Zeiten Hoffnung und Optimismus zu verbreiten. Mit dieser Fähigkeit allein löst man noch keine Probleme, aber sie kann sich als ein
wichtigster Trumpf erweisen. Sie kann sehr nützlich sein bei der Bewältigung einer der vordringlichsten Aufgaben, nämlich der Aufbesserung des ramponierten Ansehens der USA. Acht Jahre lang hatten die USA die Welt in Gute und Böse aufgeteilt und waren
militärisch unilateral vorgegangen. Wenn sie weltweit eine Führungsmacht bleiben wollen, sollten sie der Macht der Diplomatie vertrauen".















