Sudanesischer Islamistenführer Tourabi inhaftiert
Der sudanesische Islamistenführer und ehemalige Chefideologe des Regimes in Khartum, Hassan al-Tourabi, ist nach einem Aufruf an Staatschef Al-Bashir, sich dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) zu stellen, neuerlich festgenommen worden. Sein Sohn sagte dem britischen Rundfunksender BBC am Donnerstag, der 76-jährige sei am späten Mittwochabend in seiner Wohnung in Khartum abgeholt worden.
Der frühere Parlamentspräsident Tourabi hat als erster prominenter Vertreter des politischen Lebens im Sudan Stellung zu den laufenden Ermittlungen des Haager Gerichts gegen Bashir bezogen. IStGH-Chefankläger Moreno-Ocampo hat gegen den sudanesischen Machthaber Haftbefehl wegen Völkermordes in der Krisenregion Darfur beantragt. Bashir sieht darin eine "politische Kampagne" der westlichen Länder. In Darfur sind seit 2003 nach UNO-Schätzungen etwa 300.000 Menschen gewaltsam umgekommen. Dort terrorisieren regimetreue arabische Janjaweed-Reitermilizen die ansässige Bevölkerung. 2,5 Millionen Menschen wurden vertrieben, eine Viertelmillion flüchtete über die Grenze in das Nachbarland Tschad.
Tourabi hatte der sudanesischen Regierung mehrfach vorgeworfen, die Stämme in Darfur gegeneinander aufzuwiegeln, und erklärt, der Präsident solle "die Verantwortung für all das übernehmen, was in Darfur vorgeht - die Vertreibungen, die niedergebrannten Dörfer, die weitverbreiteten und systematischen Vergewaltigungen". Wenn Bashir sich dem Haager Gericht stelle, könne er mögliche UNO-Sanktionen gegen den Sudan vermeiden.
Tourabi war 2001 inhaftiert worden, als Bashir eine Annäherung an die USA suchte. 2004 wurde er nach einem Hungerstreik, mit dem er gegen seine Festsetzung ohne Anklage protestierte, freigelassen. Der deklarierte Feind der USA galt als Mentor und Graue Eminenz des seit 1989 herrschenden Bashir-Regimes.













