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Zuletzt aktualisiert: 03.01.2009 um 19:24 Uhr

Tausend Menschen demonstrieren gegen Neonazis in Passau

Im Zusammenhang mit dem durch eine Messerattacke verletzten Polizeichef Mannichl kommt es am Samstag in Passau zu einer Demonstration der Rechten-Szene. Rund 1.000 Menschen haben sich am Samstag versammelt, um gegen den geplanten Neonazi-Aufmarsch zu demonstrieren.

Die Passauer demonstrieren gegen den geplanten Nazi-Aufmarsch

Foto © EPADie Passauer demonstrieren gegen den geplanten Nazi-Aufmarsch

Mit zwei Demonstrationen haben mehr als 1.000 Menschen am Samstag friedlich gegen einen Neonazi-Aufmarsch vor der Passauer Polizeidirektion protestiert. Rund 200 Rechtsextreme aus dem Umfeld der NPD demonstrierten unter dem Motto "Gegen polizeiliche Willkür und Medienhetze" dagegen, dass seit dem Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl vor drei Wochen gezielt in der rechten Szene nach dem Täter gesucht wird. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit mehr als 1.000 Beamten im Einsatz.

Weitgehend friedlich. Alle Kundgebungen seien weitgehend friedlich verlaufen, bilanzierte ein Polizeisprecher. Allerdings seien bei Kontrollen vor den Demonstrationen mehrere Menschen vorübergehend festgenommen und verbotene Gegenstände sichergestellt worden. Die Justiz hatte die Neonazi-Demo am Freitag nur unter strengen Auflagen genehmigt.

200 Neonazis. Die rund 200 Neonazis versammelten sich am frühen Nachmittag vor der Passauer Polizeidirektion, wo Mannichl demnächst wieder seine Arbeit aufnehmen will. Auf Plakaten protestierten die überwiegend schwarz gekleideten Teilnehmer gegen "politische Willkür" und "volksfeindliche Medien". Auf der Strecke der Demonstration versammelten sich rund 100 Gegendemonstranten. Ursprünglich hatte eine Initiative angekündigt, den Neonazis den Weg zur Polizeidirektion versperren zu wollen. Dazu kam es aber nicht.

1.000 Gegendemonstanten. Rund 1.000 Gegendemonstranten. Bereits am Vormittag hatten rund 1.000 Menschen an einer Demonstration in der Innenstadt von Passau teilgenommen, zu der mehrere Organisationen aufgerufen hatten. Bei Minusgraden zogen sie friedlich durch die Innenstadt bis zu einem Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus. In einer Rede kritisierte der Passauer Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD), dass es nicht gelungen sei, den Neonazi-Aufmarsch zu verhindern.

Rückkehr Mannichls offen. Die bayerische Polizei dementierte unterdessen Medienberichte, wonach Mannichl bereits am morgigen Sonntag seinen Dienst wieder aufnehmen soll. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern/Oberpfalz in Regensburg erklärte, es sei noch offen, wann Mannichl wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehre.

Mit Messer niedergestochen. Mannichl war am 13. Dezember vergangenen Jahres beim Öffnen seiner Haustür in seinem Wohnort Fürstenzell von einem kahlköpfigen Mann mit einem Messer niedergestochen worden. Nach dem Attentat war in Deutschland die Debatte um ein Verbot der rechtsextremen NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands) neu entflammt. Die Region Passau ist immer wieder Ziel der NPD. Laut dem oberösterreichischen Sicherheitsdirektor Alois Lissl sind Rechtsextreme in der Grenzregion Bayern-Österreich-Tschechien in "ganz großen und starken Netzwerken" miteinander verwoben.


Aufmarsch

Um den Aufmarsch der Neonazis hatte es bis zuletzt ein juristisches Tauziehen gegeben. Nachdem die Stadt Passau die Neonazi-Versammlung wegen einer möglichen Verunglimpfung von Mannichl verboten hatte, ließen am Freitag das Verwaltungsgericht in Regensburg und danach auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in München die Versammlung zu.

Foto

Foto © AP

Der Aufmarsch der mutmaßlichen Neonazis wird ab Mittag erwartet.Foto © AP

Hintergrund

Der 52-jährige Mannichl ging besonders konsequent gegen Neonazi-Aufmärsche vor und gilt deswegen als Hassfigur in der Szene. Der Mannichl-Attentäter ist mutmaßlicher Rechtsextremist und noch immer auf der Flucht. Nach Angaben der Ermittler gibt es weiterhin keine konkrete Spur zu dem Unbekannten.

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