Obama warnt USA vor dramatischen Krisenjahren
Kurz vor seiner Amtseinführung zeichnet der künftige US-Präsident Barack Obama ein düsteres Zukunftsbild für sein Land: Er warnt vor zweistelligen Arbeitslosenquoten und Verlusten für die Wirtschaft in Billionen-Dollar-Höhe.

Foto © ReutersObamas Kabinett ist komplett.
Zwischen ihrer Wahl und dem Einzug ins Weiße
Haus konzentrieren sich künftige US-Präsidenten traditionell auf die
Vorstellung ihrer Regierungsmannschaft. Sonst halten sie sich meist
dezent zurück. Im Angesicht von Finanzkrise und Rezession zeigt
Barack Obama aber deutlich Flagge und kündigt drastische Maßnahmen
zur Wiederankurbelung der Wirtschaft an.
Rezession kann noch Jahre dauern.
Die Rezession könnte noch Jahre dauern, wenn Washington die
Wirtschaft nicht massiv unterstütze, warnte Obama am Donnerstag in
einer Rede an der George-Mason-Universität von Fairfax in Virginia.
Er wandte sich damit auch an den Kongress, der dem Hunderte
Milliarden schweren Rettungspaket zustimmen muss. "In diesem Moment
kann nur die Regierung für die kurzfristige Ankurbelung sorgen, die
notwendig ist, um uns aus dieser tiefen und schweren Rezession zu
holen", sagte er laut im Voraus verbreiteten Textauszügen.
Kursänderung.
"Ich denke nicht, dass es zu spät ist, den Kurs zu ändern, aber es
wird zu spät sein, wenn wir nicht so schnell wie möglich drastische
Schritte unternehmen", betonte Obama. "Eine schlimme Situation könnte
sich noch dramatisch verschlechtern", malte er ein düsteres Bild -
mit Arbeitslosenquoten im zweistelligen Bereich und wirtschaftlichen
Ausfällen von einer Billion Dollar (734 Mrd. Euro) -, das an die
Große Depression der 1930er Jahre erinnerte.
Düsteres Bild.
Jeder Tag des Abwartens mache sich spürbar bemerkbar, warnte
Obama. "Weitere Amerikaner werden ihre Jobs verlieren", zählte er
auf. "Weitere Familien werden ihre Ersparnisse verlieren. Weitere
Träume werden verschoben oder verwehrt. Und unsere Nation wird tiefer
in eine Krise sinken, die wir irgendwann vielleicht nicht mehr
umkehren können."
Verständnis für die Skeptiker.
Mit Blick auf strenge Haushaltshüter in beiden großen Parteien
räumte der designierte Präsident ein, dass die neue Finanzspritze
"sicherlich zum Haushaltsdefizit beitragen" werde. Er zeigte
Verständnis für die Skeptiker, sicherte ihnen aber zu, die
Unterstützung nur dort zu gewähren, wo sie auch greife. Außerdem
solle eine stärkere Transparenz für die Verwendung des Geldes
geschaffen werden. Erst am Vortag hatte die Rechnungsbehörde im
Kongress (CBO) Schätzungen bekanntgegeben, wonach den USA im
laufenden Haushaltsjahr ein Rekorddefizit von 1,2 Bill. Dollar droht.
Hauptgründe sind ein drastischer Rückgang bei den Steuereinnahmen
angesichts der Finanzkrise sowie Ausgaben in Höhe von etwa 350 Mrd.
Dollar zur Rettung der angeschlagenen Wirtschaft.
Konjunkturpaket.
Der künftige Präsident plant ein Konjunkturpaket in Höhe von rund
775 Mrd. Dollar. Dieses ist in der Defizitschätzung ebenso wie die
gesamten Kosten des Rettungsplans für die Wall Street noch nicht
berücksichtigt. Obama hat zugesichert, abzuwägen zwischen den beiden
im Widerspruch stehenden Zielen, die Wirtschaft anzukurbeln und das
Defizit in den Griff zu bekommen. Dabei werde jedoch die Gesundung
der Wirtschaft Priorität haben.
Zeitpunkt verschoben.
Die ursprüngliche Hoffnung von Obamas Team, dass das geplante
Rettungspaket bereits bis zur Amtseinführung am 20. Jänner
unterschriftsreif ist, hat sich schon lange zerschlagen. Inzwischen
wird als Zeitpunkt frühestens Mitte Februar genannt. Vorgesehen sind
unter anderem Steuerkürzungen für Unternehmen und den Mittelstand,
Geld für Gesundheitsprogramme der einzelnen Staaten und große
Investitionen in die Infrastruktur. Bei diesem Paket fänden
"Paradoxon und Hoffnung" der derzeitigen Lage Berücksichtigung,
erklärte Obama, "die Tatsache, dass Millionen Amerikaner nach Arbeit
suchen, während es im ganzen Land so viel Arbeit zu erledigen gibt".













