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Zuletzt aktualisiert: 19.12.2008 um 13:32 UhrKommentare

Christian Klar: Uneinsichtig, aber ungefährlich

Die zentrale Figur der zweiten RAF-Generation will nach wie vor die "Niederlage der Pläne des Kapitals vollenden".

Foto © APA

Im "Deutschen Herbst" vor gut 30 Jahren gehörte er zu den zentralen Figuren der zweiten RAF-Generation: Christian Klar war zwischen 1977 und seiner Verhaftung im November 1982 an fast allen Aktionen der Roten Armee Fraktion (RAF) beteiligt - meist an vorderster Front.

Erste Schritte. Klar wurde 1952 in Freiburg geboren. Den ersten Schritt zur Radikalisierung unternahm er 1974 mit der Besetzung des Büros von Amnesty International in Hamburg. Am 5. Jänner 1977 schoss er am Schweizer Grenzübergang Riehen zum ersten Mal auf einen Polizisten. Er verfehlte ihn, doch damit hatte er sich in die erste Reihe der RAF katapultiert.

Spektakuläre Mordanschläge. Es folgten die spektakulären Mordanschläge auf den deutschen Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto sowie die Entführung und Ermordung des deutschen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Klar war immer dabei, ebenso wie beim fehlgeschlagenen Attentat mit einem Raketenwerfer auf die deutsche Bundesanwaltschaft in Karlsruhe.

"Zutiefst lebensbejahenden Haltung" Seinen gescheiterten Antrag auf Verweigerung des Militärdienstes hatte Klar einst mit seiner "zutiefst lebensbejahenden Haltung" begründet - doch mit der Waffe war er skrupellos. Bei einem Banküberfall in Zürich im Jahr 1979 zerrte er auf der Flucht eine hilflose Frau aus dem Auto und schoss ihr in die Brust. Sie überlebte mit viel Glück.

Lebenslange Haftstrafe. 1985 verhängte das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart eine lebenslange Haftstrafe, unter anderem wegen neunfachen Mordes. 1992 folgte eine weitere Verurteilung. 1998 legte das OLG die Mindesthaftzeit auf 26 Jahre fest - wegen "besonderer Schwere der Schuld".

Irritierende Äußerungen. Klars Äußerungen aus dem Gefängnis nahm die Öffentlichkeit irritiert, mitunter auch empört zur Kenntnis. In einer Grußbotschaft an das linke Spektrum äußerte er Anfang 2007 die Hoffnung, "die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden". Schon 2001 hatte er in einem Fernseh-Interview gesagt, er wolle den "Aufbruch, den auch eben die RAF dargestellt hat", weitertragen. Reuegefühle, sagte er damals, seien im "politischen Raum, vor dem Hintergrund von unserem Kampf", keine Begriffe.

Keine Gefahr mehr. Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler lehnte Klars Gnadengesuch 2007 ab. Der 56-jährige frühere Terrorist gilt heute aber nicht mehr als gefährlich. Das bescheinigten ihm zwei Gutachter und selbst die Bundesanwaltschaft.


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