Pensionen: SPÖ nimmt Abschied von der "zweiten Säule"
Hundstorfer: "Nur staatlich garantiertes Pensionssystem ist wirklich vernünftig". Blecha: Keine staatliche Förderung bei Pensionsvorsorge mit Aktienanlage.

Foto © APAPVÖ-Präsident Karl Blecha
Weniger privat, mehr Staat - unter diesem Motto
standen die Reden bei einer Großveranstaltung des
SPÖ-Pensionistenverbandes (PVÖ) im Wiener Messezentrum am
Dienstagnachmittag. "Im Pensionssystem gibt es nur die erste Säule.
Alles andere sind nur Staberl, die beim ersten Sturm umknicken",
betonte PVÖ-Präsident Karl Blecha. Sozialminister Rudolf Hundstorfer
(S), der anstelle des verhinderten Kanzlers Werner Faymann zu den gut
1.000 PVÖ-Delegierten sprach, schlug in dieselbe Kerbe und legte
überdies ein Bekenntnis zu einem staatlich finanzierten
Gesundheitssystem ab. Die Auswirkungen der Finanzkrise nahm er als
Zeichen, "dass der Neoliberalismus endlich abgeschafft werden muss".
Enttäuschung.
Die Veranstaltung hatte mit einer Enttäuschung für die Gäste
begonnen. Zu den Tönen der Blaskapelle, begleitet von zunächst
enthusiastischem Klatschen, war zwar wie erwartet Blecha
einmarschiert, der angekündigte Kanzler blieb jedoch aus - was vom
Publikum mit unzufriedenem Murmeln und vereinzelten Buh-Rufen und
Pfiffen quittiert wurde. Die rot-weiß-roten Fahnen, die ein Grüppchen
weißhaariger Männer mitgebracht hatte, kamen nicht zum Einsatz.
Bekenntnis zu ersten Säule.
So wollte auch nicht so recht Stimmung aufkommen, als
Ex-Finanzminister Rudolf Edlinger (S) in seiner Rede der neuen
Regierung ausführlich dankte. Sie habe in den vergangenen drei
Monaten "gezeigt, dass sie die ältere Generation nicht vergisst". Sie
habe in Bezug auf die Wirtschaftskrise gehandelt, indem sie etwa "das
sauer verdiente Geld der älteren Leute sichert". Überhaupt stehe die
neue Regierung hinter den Anliegen der Pensionisten. In den
vergangenen ÖVP-geführten Regierungen hätten die Pensionisten 30
Milliarden Euro Kaufkraft verloren. "Diese Zeit ist nun vorbei. Im
Regierungsprogramm steht ein ganz klares Bekenntnis zu ersten Säule
des Pensionssystems, dem staatlichen Umlagesystem."
Beispiel USA.
Auch Hundstorfer betonte, dass für ihn nur das staatlich
garantierte Pensionssystem ein "wirklich vernünftiges" Pensionssystem
sei. In den USA hätten viele Menschen über das Wochenende ihre
gesamte Pensionsvorsorge verloren. "Das ist ein mahnendes Zeichen
dafür, dass der Neoliberalismus endlich abgeschafft werden muss." Er
legte außerdem ein "klares Bekenntnis zum staatlich finanzierten
Gesundheitssystem ab: "So wie heute zahlen Arbeitgeber, Arbeitnehmer
und der Staat gemeinsam." Hundstorfer bekannte ein
Finanzierungsproblem im Gesundheitssystem ein, dennoch werde es
"keine weitere Ausdehnung von Selbstbehalten geben". Das soziale
Netz, versprach Hundstofer, werde auch im kommenden Jahr "nicht
größer, wo notwendig wird es sogar enger."
Features
Blecha attackiert
Tausende Pensionisten seien durch die Finanzkrise plötzlich davon betroffen, dass ihre staatlich geförderte Pensionsvorsorge plötzlich an Wert verloren habe, "weil das Genie (Ex-Finanzminister Karlheinz; Anm.) Grasser" bestimmt habe, dass 40 Prozent der veranlagten Gelder in Aktien fließen müssten.












