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Zuletzt aktualisiert: 23.11.2008 um 14:20 UhrKommentare

AK-Präsident: "Ungeheure Gefahren" für Arbeitsmarkt

Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel (S) hält ein vom Wifo entworfenes Krisenszenario, wonach die Anzahl der Arbeitslosen von derzeit rund 200.000 in den nächsten drei Jahren auf über 300.000 steigen könnte, für "durchaus realistisch".

Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel

Foto © APA/ ORF PressestundeArbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel

Um dies zu verhindern, müssten nun alle politisch Verantwortlichen "energisch dagegen steuern", sagte Tumpel am Sonntag in der Fernseh-"Pressestunde".

Zweistellige Arbeitslosenrate. Auch eine zweistellige Arbeitslosenrate könne man auf Grund der "ungeheuren Unsicherheiten" nicht ausschließen, "aber ich weiß, dass es Möglichkeiten gibt, dagegenzusteuern", sagte Tumpel. Ein wesentlicher Punkt sei die Stärkung der Massenkaufkraft. Dass es darüber bereits eine Übereinkunft zwischen den politischen Entscheidungsträgern gebe, sei ein entscheidender Fortschritt. Ob das Ausmaß der geplanten vorgezogenen Steuersenkung ausreichen werde, werde die Zukunft zeigen. Bis noch vor eineinhalb Wochen habe "ein Teil der Koalitionsverhandler" gemeint, man sollte die Steuerreform bis 2010 verschieben, so der AK-Präsident. Es sei jedoch wichtig, diese Maßnahme mit Wirkung des nächsten Jahres vorzuziehen.

Gehaltsverzicht "nicht akzeptabel". Der Vorschlag von IV-Präsident Veit Sorger, wonach die Beschäftigten auf bis zu ein Viertel ihres Gehalts verzichten sollten, ist für Tumpel "nicht akzeptabel". Mieten und Energie würden ja auch nicht um ein Viertel billiger. Es gebe andere Instrumente, etwa die Kurzarbeit. "Die Arbeitszeitverkürzung wäre eine mögliche Lösung, wenn sie damit verbunden ist, dass die Menschen weiterhin genügend Kaufkraft haben." Die Menschen sollten also weniger arbeiten, aber einen Lohnausgleich bekommen.

Öffentliche Aufträge. Auch öffentliche Aufträge könnten einen drohenden Nachfrageeinbruch zum Teil verhindern. In Einzelfällen müsse man sich ansehen, wie stark die Unterstützungsleistungen - auch für Kleinbetriebe - notwendig seien. Das könnten Haftungsübernahmen, Garantien oder auch gestützte Darlehen für Unternehmen sein. Hilfen müsse es auch für die reale Wirtschaft geben, nicht nur für die Banken. "Das Bankenpaket war richtig", betonte Tumpel. "Es ist aber kein Banken-Rettungspaket", sondern es sei darum gegangen, den Geldkreislaus aufrecht zu erhalten.

Gemeinsames Konjunkturprogramm. In jedem Fall sei es wichtig, dass in Europa ein gemeinsames Konjunkturprogramm gestartet werde, damit es zu einem ausreichenden Nachfrageimpuls komme. "Wenn alle dieses Programm fahren, sind die Chancen wesentlich besser." Die Frage sei aber, ob ein Prozent des BIP europaweit ausreichen wird. "Angesichts der ungeheuren Gefahren sollte man jetzt lieber klotzen statt kleckern."


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