AK-Präsident: "Ungeheure Gefahren" für Arbeitsmarkt
Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel (S) hält ein vom Wifo entworfenes Krisenszenario, wonach die Anzahl der Arbeitslosen von derzeit rund 200.000 in den nächsten drei Jahren auf über 300.000 steigen könnte, für "durchaus realistisch".

Foto © APA/ ORF PressestundeArbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel
Um dies zu
verhindern, müssten nun alle politisch Verantwortlichen "energisch
dagegen steuern", sagte Tumpel am Sonntag in der
Fernseh-"Pressestunde".
Zweistellige Arbeitslosenrate.
Auch eine zweistellige Arbeitslosenrate könne man auf Grund der
"ungeheuren Unsicherheiten" nicht ausschließen, "aber ich weiß, dass
es Möglichkeiten gibt, dagegenzusteuern", sagte Tumpel. Ein
wesentlicher Punkt sei die Stärkung der Massenkaufkraft. Dass es
darüber bereits eine Übereinkunft zwischen den politischen
Entscheidungsträgern gebe, sei ein entscheidender Fortschritt. Ob das
Ausmaß der geplanten vorgezogenen Steuersenkung ausreichen werde,
werde die Zukunft zeigen. Bis noch vor eineinhalb Wochen habe "ein
Teil der Koalitionsverhandler" gemeint, man sollte die Steuerreform
bis 2010 verschieben, so der AK-Präsident. Es sei jedoch wichtig,
diese Maßnahme mit Wirkung des nächsten Jahres vorzuziehen.
Gehaltsverzicht "nicht akzeptabel".
Der Vorschlag von IV-Präsident Veit Sorger, wonach die
Beschäftigten auf bis zu ein Viertel ihres Gehalts verzichten
sollten, ist für Tumpel "nicht akzeptabel". Mieten und Energie würden
ja auch nicht um ein Viertel billiger. Es gebe andere Instrumente,
etwa die Kurzarbeit. "Die Arbeitszeitverkürzung wäre eine mögliche
Lösung, wenn sie damit verbunden ist, dass die Menschen weiterhin
genügend Kaufkraft haben." Die Menschen sollten also weniger
arbeiten, aber einen Lohnausgleich bekommen.
Öffentliche Aufträge.
Auch öffentliche Aufträge könnten einen drohenden
Nachfrageeinbruch zum Teil verhindern. In Einzelfällen müsse man sich
ansehen, wie stark die Unterstützungsleistungen - auch für
Kleinbetriebe - notwendig seien. Das könnten Haftungsübernahmen,
Garantien oder auch gestützte Darlehen für Unternehmen sein. Hilfen
müsse es auch für die reale Wirtschaft geben, nicht nur für die
Banken. "Das Bankenpaket war richtig", betonte Tumpel. "Es ist aber
kein Banken-Rettungspaket", sondern es sei darum gegangen, den
Geldkreislaus aufrecht zu erhalten.
Gemeinsames Konjunkturprogramm.
In jedem Fall sei es wichtig, dass in Europa ein gemeinsames
Konjunkturprogramm gestartet werde, damit es zu einem ausreichenden
Nachfrageimpuls komme. "Wenn alle dieses Programm fahren, sind die
Chancen wesentlich besser." Die Frage sei aber, ob ein Prozent des
BIP europaweit ausreichen wird. "Angesichts der ungeheuren Gefahren
sollte man jetzt lieber klotzen statt kleckern."














