Der verlorene Vertrag von St. Germain
Heute wird im Parlament die Schau zum 90-Jahr-Jubiläum der Republik Österreich eröffnet. Eines der wichtigsten Dokumente Österreichs ist aber verschwunden: der Originalvertrag von St. Germain.
Am 2. September 1919 wurde der Vertrag von St. Germain unterzeichnet, der die Auflösung der österreichischen Reichshälfte der Doppelmonarchie und die Bedingungen für die neue Republik Österreich regelte. Bei der Republik-Ausstellung hätte das Original erstmals in Österreich gezeigt werden sollen - doch der Vertrag ist verschwunden.
Franzosen stöberten in Archiven.
"Faktum ist, dass wir den Vertrag im Moment nicht finden können", sagte Historiker Stefan Karner im Ö1 Morgenjournal am Dienstag. Die Kollegen in Frankreich – wo der Vertrag nach der Unterzeichnung aufbewahrt wurde – hätten sämtliche Archive erfolglos durchforstet. "Wir haben gesucht, es haben die französischen Kollegen alles abgeklappert - bei sich, im Nationalarchiv, im Außenministerium. Wir haben auch in St. Germain geschaut, haben es nicht gefunden." weiß auch Lorenz Mikoletzky vom Staatsarchiv zu berichten.
Spurensuche.
Eine Spur führt nach Berlin. Dorthin wurde der Vertrag im Zweiten Weltkrieg gebracht - für einige Zeit soll er dort im Reichsaußenministerium ausgestellt gewesen sein. Eine weitere Spur führt auch nach Moskau, doch große Hoffnung besteht nicht, dass der Vertrag dort auftaucht. "In Moskau, nach meinem Wissensstand, kann der nicht sein. Denn ich glaube, dass die Russen diesen Vertrag (...) auch der deutschen Seite offeriert hätten. Das ist bisher nicht der Fall und daher nehme ich an, dass der Vertrag nicht in Moskau ist", ist sich Historiker Stefan Karner sicher.
Im Krieg zerstört.
Wahrscheinlichste Lösung laut Mikoletzky: Der Vertrag von St.Germain ist bei einer Bombardierung zerstört worden: "Man nimmt an, dass er im Bombenkrieg von Berlin zu Grunde gegangen ist."
Bei der Republik-Ausstellung ist nun jedenfalls eine Abschrift des Vertrages von St. Germain, die das österreichischen Staatsarchiv besitzt, zu sehen sein.












