Herwig Haidinger - Den sich das Ministerium weit weg wünscht
Suspendierung nach einer Bilderbuchkarriere und Turbulenzen.

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Ginge es nach dem Innenministerium, wäre Herwig
Haidinger längst weit weg - als Verbindungsbeamter in Washington.
Diesen Posten, den man für ihn geschaffen hätte, lehnte der Jurist
nach der Nicht-Verlängerung seines Vertrags als Direktor des
Bundeskriminalamts allerdings ab und führte familiäre Gründen ins
Treffen. Stattdessen war der gebürtige Oberösterreicher an der
Sicherheitsakademie tätig, ehe er heute, Dienstag, vorläufig
suspendiert wurde.
Turbulenzen.
Vorangegangen war eine Zeit voller von Haidinger ausgelöster
Turbulenzen: Der Jurist (54) warf dem Kabinett vor, auf ihn Druck
ausgeübt zu haben mit dem Ziel, die BAWAG-Ermittlungen als
Wahlkampfmunition gegen die SPÖ zu verwenden. Ermittlungen nach dem
Verschwinden von Natascha Kampusch im Jahr 1998 seien schlampig
geführt worden, eine Evaluierung der damaligen Schritte sei vom
Ministerium verhindert worden. Die Haidinger-Vorwürfe führten zur
Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der im
Juli nach fast einem halben Jahr Arbeit ohne substanzielle Ergebnisse
zu Ende ging.
Schlagzeilen.
Im September sorgte Haidinger erneut für Schlagzeilen - als er von
einer manipulierten Kriminalstatistik sprach und bei einer
Pressekonferenz mit zwei pensionierten früheren Spitzenbeamten
heftige Kritik an den Polizeireformen übte. In der jüngsten Ausgabe
des "profil" erneuerte der 54-Jährige seine Vorwürfe gegen das
Ministerium: Das Bundeskriminalamt sei zu einer "Außenstelle der ÖVP
verkommen", im Kabinett seien nur noch "Parteisoldaten und
Politoffiziere gefragt". Außerdem sei die Zusammenlegung von
Gendarmerie und Polizei verfassungswidrig. In einem Brief an
Innenministerin Maria Fekter (V) habe er die gröbsten Fehler der
Polizeireform aufgelistet, zur Antwort sei er bedroht worden. Wenn er
nicht den Mund halte, werde weiter gegen ihn vorgegangen.
Werdegang.
Der gelernte Kfz-Mechaniker aus Oberösterreich war zunächst
Sicherheitswachebeamter, machte nebenher die Matura, wurde
Kriminalbeamter und studierte Jus. Er leitete das Bundesasylamt in
Oberösterreich und leitete die Staatspolizei des Bundeslandes (heute
Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung), ehe der
damalige Innenminister Ernst Strasser (V) ihn im Jahr 2000 in sein
Kabinett holte. Zwei Jahre später wurde Haidinger erster Direktor des
von ihm konzipierten Bundeskriminalamts. Sein auf fünf Jahre
befristeter Vertrag wurde nicht verlängert.
Features
Unbeliebt
Freunde hat Haidinger sich während seiner Zeit in Wien kaum gemacht. Insider sprechen von einer "komplizierten Persönlichkeitsstruktur", er sei pedantisch im Umgang mit Mitarbeitern und sperrig gegenüber Vorgesetzten. Kompromissbereitschaft und Diplomatie seien für Haidinger offenbar Fremdwörter.












