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Zuletzt aktualisiert: 04.11.2008 um 12:14 UhrKommentare

Herwig Haidinger - Den sich das Ministerium weit weg wünscht

Suspendierung nach einer Bilderbuchkarriere und Turbulenzen.

Foto © APA

Ginge es nach dem Innenministerium, wäre Herwig Haidinger längst weit weg - als Verbindungsbeamter in Washington. Diesen Posten, den man für ihn geschaffen hätte, lehnte der Jurist nach der Nicht-Verlängerung seines Vertrags als Direktor des Bundeskriminalamts allerdings ab und führte familiäre Gründen ins Treffen. Stattdessen war der gebürtige Oberösterreicher an der Sicherheitsakademie tätig, ehe er heute, Dienstag, vorläufig suspendiert wurde.

Turbulenzen. Vorangegangen war eine Zeit voller von Haidinger ausgelöster Turbulenzen: Der Jurist (54) warf dem Kabinett vor, auf ihn Druck ausgeübt zu haben mit dem Ziel, die BAWAG-Ermittlungen als Wahlkampfmunition gegen die SPÖ zu verwenden. Ermittlungen nach dem Verschwinden von Natascha Kampusch im Jahr 1998 seien schlampig geführt worden, eine Evaluierung der damaligen Schritte sei vom Ministerium verhindert worden. Die Haidinger-Vorwürfe führten zur Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der im Juli nach fast einem halben Jahr Arbeit ohne substanzielle Ergebnisse zu Ende ging.

Schlagzeilen. Im September sorgte Haidinger erneut für Schlagzeilen - als er von einer manipulierten Kriminalstatistik sprach und bei einer Pressekonferenz mit zwei pensionierten früheren Spitzenbeamten heftige Kritik an den Polizeireformen übte. In der jüngsten Ausgabe des "profil" erneuerte der 54-Jährige seine Vorwürfe gegen das Ministerium: Das Bundeskriminalamt sei zu einer "Außenstelle der ÖVP verkommen", im Kabinett seien nur noch "Parteisoldaten und Politoffiziere gefragt". Außerdem sei die Zusammenlegung von Gendarmerie und Polizei verfassungswidrig. In einem Brief an Innenministerin Maria Fekter (V) habe er die gröbsten Fehler der Polizeireform aufgelistet, zur Antwort sei er bedroht worden. Wenn er nicht den Mund halte, werde weiter gegen ihn vorgegangen.

Werdegang. Der gelernte Kfz-Mechaniker aus Oberösterreich war zunächst Sicherheitswachebeamter, machte nebenher die Matura, wurde Kriminalbeamter und studierte Jus. Er leitete das Bundesasylamt in Oberösterreich und leitete die Staatspolizei des Bundeslandes (heute Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung), ehe der damalige Innenminister Ernst Strasser (V) ihn im Jahr 2000 in sein Kabinett holte. Zwei Jahre später wurde Haidinger erster Direktor des von ihm konzipierten Bundeskriminalamts. Sein auf fünf Jahre befristeter Vertrag wurde nicht verlängert.


Unbeliebt

Freunde hat Haidinger sich während seiner Zeit in Wien kaum gemacht. Insider sprechen von einer "komplizierten Persönlichkeitsstruktur", er sei pedantisch im Umgang mit Mitarbeitern und sperrig gegenüber Vorgesetzten. Kompromissbereitschaft und Diplomatie seien für Haidinger offenbar Fremdwörter.

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