Obama auch im letzten TV-Duell gegen McCain ungefährdet
Ein angriffiger Republikaner, der in der dritten und letzten TV-Debatte der beiden US-Präsidentschaftskandidaten vor allem über Steuerpolitik und negative Fernsehspots streiten wollte, konnte den Demokraten nicht erschüttern.

Foto © ReutersObama Matchball bereits verwertet?
Drei Wochen vor der US-Wahl hat Barack Obama in der letzten und zugleich hitzigsten Fernsehdebatte der Präsidentschaftsbewerber weitere Punkte gesammelt. Wie bereits bei
den ersten beiden Streitgesprächen hält eine Mehrheit der Amerikaner den Demokraten für den Sieger vom Mittwoch. Obama gab sich eher ruhig, während der Republikaner John McCain unter dem Druck schlechter Umfragewerte die Konfrontation verschärfte.
"Klassenkampf angeheizt". McCain warf seinem demokratischen Rivalen in der 90-minütigen Debatte vor, mit seinen Steuerplänen einen Klassenkampf anzuheizen
und stellte ihn in die Nähe radikaler Kräfte. So verlangte der Vietnamkriegsveteran McCain von Obama, er solle endlich seine Beziehungen zu dem militanten Vietnamkriegsgegner William Ayers erklären. Als Antwort sagte Obama, er sei acht Jahre alt gewesen, als
Ayers seine Untergrundaktionen geführt habe. Er zeigte sich weniger bissig, griff McCain aber ebenfalls an. Er warf dem Republikaner vor, einen zunehmend konfrontativen Wahlkampf zu führen. Obwohl sich das amerikanischen Volk nicht darum kümmere, seien 100 Prozent seiner
Fernsehspots negativ.
"Verwechsle manchmal". Keiner der beiden Kandidaten konnte in der Hofstra-Universität bei New York neue Wege zur Überwindung der schweren Finanz- und
Wirtschaftskrise aufzeigen. Stattdessen stritten sie über den richtigen Kurs in der Steuer- und Finanzpolitik. McCain wehrte sich gegen den Vorwurf Obamas, er wolle die Politik seines Parteifreundes, des unpopulären Amtsinhabers George W. Bush, fortsetzen. "Senator
Obama, ich bin nicht Präsident Bush", sagte McCain: "Wenn Sie gegen Präsident Bush antreten wollen, hätten Sie vor vier Jahren kandidieren müssen." Obama konterte gelassen: "Ich verwechsle Ihre Politik manchmal mit der von Präsident Bush, weil Sie in Kernfragen
der Wirtschaftspolitik ein glühender Unterstützer von Präsident Bush waren".
Überschuldete Hausbesitzer. Der 72-Jährige warb erneut für eine umfassende Entlastung der überschuldeten Hausbesitzer. Er warf Obama vor, mit der von ihm geplanten Erhöhung von Steuern für Reiche einen Klassenkampf für die Umverteilung des Wohlstands zu führen. Obama wies das zurück und sagte: "Niemand mag Steuern". Für die wichtigen Investitionen in die Wirtschaft müsse aber Geld zur Verfügung gestellt werden. Er trete für Steuerkürzungen zugunsten von 95 Prozent der Bevölkerung ein, wolle aber die Amerikaner mit einem Jahreseinkommen von mehr als 250.000 Dollar (183.486 Euro) stärker zur Kasse bitten. Zur Eindämmung des wachsenden Haushaltsdefizits schlug Obama Kürzungen im Etat des Pentagons vor.
Features
Fakten
56,5 Millionen sahen die TV-Debatte, meldete Nielsen Media Research. Das entspricht 35 Prozent aller amerikanischen Haushalte.
Faktencheck
Analyse
Die Körpersprache von McCain, der mehrmals verärgert und empört wirkte, habe laut Experten Verzweiflung und Hilflosigkeit ausgedrückt - kein gutes Signal für unentschlossene Wähler.
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So manche Geste McCains bleibt schwer zu deutenFoto © Reuters
Entscheidung?
Sollte nicht noch etwas Außergewöhnliches bis zum Wahltag am 4. November geschehen, ein großer Skandal im Obama-Lager oder ein Terroranschlag, rechnen nun die meisten Kommentatoren bereits mit einem Sieg Obamas.













