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Zuletzt aktualisiert: 07.09.2008 um 18:37 UhrKommentare

Der SPD-Vorsitz als Feuerstuhl

Seit Willy Brandt häufen sich die Rücktritte der Parteichefs: Von Engholm über Scharping und Lafontaine bis Beck.

Der Vorsitz der ältesten Volkspartei Deutschlands erweist sich immer mehr als Feuerstuhl. Kurt Beck ist wahrlich nicht der erste SPD-Chef, der zurücktritt. Seit Willy Brandt häufen sich die Fälle einer vorzeitigen Aufgabe dieser Position in auffälliger Weise. Von den bisher elf SPD-Vorsitzenden in der Nachkriegsgeschichte traten mit Brandt, Björn Engholm, Rudolf Scharping, Oskar Lafontaine, Gerhard Schröder, Franz Müntefering, Matthias Platzeck und jetzt Beck acht vorzeitig oder unfreiwillig ab. Zwei weitere starben in dem Amt.

Verstorben. Erster Vorsitzender der SPD nach dem Krieg wurde 1946 der in der Nazi-Zeit verfolgte frühere Reichstagsabgeordnete Kurt Schumacher. Er starb am 20. August 1952 im Alter von 56 Jahren. Sein Nachfolger wurde der aus Magdeburg stammende Erich Ollenhauer, der ebenfalls noch während seiner Amtszeit am 14. Dezember 1963 nach langer schwerer Krankheit starb.

Rücktritt. Der dritte und wohl bedeutendste SPD-Vorsitzende in der Geschichte der Bundesrepublik war auch der mit der längsten Amtszeit: Willy Brandt stand von 1964 bis 1987 an der Spitze der Sozialdemokraten. 1974 trat er wegen der Affäre um den DDR-Spion Günter Guillaume als Kanzler zurück, blieb aber Parteichef. Am 23. Mai 1987 trat er dann aber vom Parteivorsitz zurück, nachdem die von ihm betriebene Berufung der parteilosen Journalistin Margarita Mathiopoulos zur Pressesprecherin gescheitert war.

Regulär. Seine Nachfolge trat der frühere Münchner und Berliner Bürgermeister Hans-Jochen Vogel an. Er war der einzige, der seine Amtszeit ganz regulär und auch ohne Abwahl zu Ende brachte. Vogel kandidierte nach der SPD-Niederlage bei der Bundestagswahl Ende 1990 nicht mehr erneut für dieses Amt. Neuer Parteivorsitzender wurde im Mai 1991 der damalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Björn Engholm. Doch er trat am 3. Mai 1993 spektakulär von allen politischen Ämtern zurück, nachdem ihm in der Affäre um den CDU-Politiker Uwe Barschel eine Falschaussage vor dem Untersuchungsausschuss des Landtages vorgeworfen worden war.

Geschlagen geben. Im Juni wählte ein SPD-Parteitag den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Rudolf Scharping zum neuen Vorsitzenden. Er hatte sich zuvor im ersten Mitgliederentscheid zu dieser Frage gegen Gerhard Schröder und die Parteilinke Heidemarie Wieczorek-Zeul durchgesetzt. Im November 1995 musste sich Scharping auf dem SPD-Bundesparteitag in Mannheim aber dem überraschend als Gegenkandidat angetretenen Oskar Lafontaine geschlagen geben.


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