Musharraf sah sich als auserkorener Retter Pakistans
Früherer Militärputschist kam Amtsenthebungsverfahren zuvor

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Pakistans Staatschef Pervez
Musharraf, der am Montag seinen Rücktritt erklärt hat, um einem
Amtsenthebungsverfahren zuvorzukommen, mangelte es nicht an
Selbstbewusstsein. In einem unüblichen Schritt legte der
Militärmachthaber im Vorjahr seine Autobiographie vor. "In the Line
of Fire" (In der Schusslinie) heißt das Werk des Generals, der als
Staatschef mehrere Mordanschläge überlebt hat. Der 65-Jährige, das
ist nicht nur seinem Buch zu entnehmen, hält sich für einen
natürlichen Anführer, den das Schicksal dazu auserkoren hat, die
Heimat zu retten.
Retter des Vaterlandes.
Musharraf sei besessen von dem Gedanken, er sei der Retter des
Vaterlandes, sagte ein westlicher Experte. Er sehe sich als eine Art
Atatürk, der in der Zwischenkriegszeit die Türkei modernisierte. Ein
Atatürk aber sei Musharraf nicht. Letztlich sei er ein guter
Mittelklasse-General, so das wenig schmeichelhafte Urteil. Das sieht
Musharraf freilich ganz anders. Geboren wurde er im August 1943 in
Britisch-Indien als zweiter von drei Söhnen einer muslimischen
Familie. Nach der Unabhängigkeit 1947 zog seine Familie in den neu
geschaffenen Staat Pakistan. Musharraf lebte danach sieben Jahre in
der Türkei, weil sein Vater nach Ankara versetzt worden war. 1956 zog
die Familie nach Karachi, wo Musharraf christliche Schulen besuchte.
Soldaten-Laufbahn.
Schon während seiner Schulzeit in Karachi stand fest, dass er
Soldat werden sollte. Er besuchte die pakistanische Militärakademie -
die "beste der Welt", wie er in seinem Buch meint. Der junge Soldat
legte trotz Schwierigkeiten mit der Disziplin eine steile Karriere
hin. "Ich wurde bekannt als guter Anführer", schreibt er. "Ich bin
stolz darauf zu sagen, dass ich von jeden unter meinem Kommando immer
geliebt wurde." Der begeisterte Sportler kämpfte 1965 im Krieg gegen
Indien und wurde dabei ausgezeichnet. Später diente Musharraf sieben
Jahre in einer Sondereinheit. Die Militärlaufbahn führte ihn ganz
nach oben: 1998 wurde Musharraf Armeechef.
Korruptionsvorwürfe.
Damals sah sich der konservative Premier Nawaz Sharif ständig mit
Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Viele Menschen hätten ihn damals
gebeten, die Macht zu übernehmen, schreibt Musharraf. Im Oktober 1999
war es soweit. Musharraf nennt seinen Putsch einen "Gegen-Coup".
Tatsächlich hatte Sharif seinen Generalstabschef in dessen
Abwesenheit des Amtes enthoben. Einem Linienflugzeug mit dem
ahnungslosen General an Bord ließ der Premier die Landeerlaubnis
verweigern. Die Piloten wurden angewiesen, Pakistans Luftraum zu
verlassen. Die Armee schritt ein, Sharif wurde ins Exil gezwungen.
Musharraf setzte die Verfassung außer Kraft und übernahm die Macht.
Präsident.
In einem Plebiszit, bei dem es 2002 nach einem späteren
Eingeständnis Musharrafs Unregelmäßigkeiten gab, ließ er sich für
fünf Jahre als Präsident bestätigen. Wenige Monate zuvor hatten die
Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001 die Welt
erschüttert. Nach Drohungen Washingtons entschloss sich Musharraf,
den (mit Hilfe der pakistanischen Geheimdienste an die Macht
gekommenen) Taliban in Afghanistan die Unterstützung zu entziehen und
sich an die Seite der USA im Kampf gegen den Terrorismus zu stellen.
Aus Sicht der mächtigen Islamisten im Land wurde Musharraf damit zum
Verräter - und zur Marionette Washingtons.
Anschläge.
Die Extremisten beließen es nicht bei verbalen Attacken. Im
Dezember 2003 wurde der Vater zweier erwachsener Kinder gleich
zweimal in nur elf Tagen Ziel von Anschlägen. Dass er alle Angriffe
auf sein Leben unbeschadet überstanden habe, gehöre eigentlich in das
"Guinness Buch der Rekorde", meint Musharraf. Doch der General machte
sich nicht nur die Islamisten zum Feind. Als er im März 2007 den
Obersten Richter Iftikhar Chaudhry suspendierte, kam es zu
Massenprotesten. Musharraf stand die Machtprobe nicht durch. Das
Oberste Gericht zwang ihn im Juli, Chaudhry wieder einzusetzen. Sein
Buch widmete Musharraf dem pakistanischen Volk, das "eine engagierte,
selbstlose Führung" verdienen würde. Keinen Zweifel ließ er daran,
dass er sich dafür am besten geeignet hält. Dass viele Landsleute ihn
nicht mehr an der Macht haben wollten, machten die Parlamentswahlen
vom Februar deutlich.













