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    Zuletzt aktualisiert: 18.08.2008 um 13:02 UhrKommentare

    Musharraf sah sich als auserkorener Retter Pakistans

    Früherer Militärputschist kam Amtsenthebungsverfahren zuvor

    Foto © Reuters

    Pakistans Staatschef Pervez Musharraf, der am Montag seinen Rücktritt erklärt hat, um einem Amtsenthebungsverfahren zuvorzukommen, mangelte es nicht an Selbstbewusstsein. In einem unüblichen Schritt legte der Militärmachthaber im Vorjahr seine Autobiographie vor. "In the Line of Fire" (In der Schusslinie) heißt das Werk des Generals, der als Staatschef mehrere Mordanschläge überlebt hat. Der 65-Jährige, das ist nicht nur seinem Buch zu entnehmen, hält sich für einen natürlichen Anführer, den das Schicksal dazu auserkoren hat, die Heimat zu retten.

    Retter des Vaterlandes. Musharraf sei besessen von dem Gedanken, er sei der Retter des Vaterlandes, sagte ein westlicher Experte. Er sehe sich als eine Art Atatürk, der in der Zwischenkriegszeit die Türkei modernisierte. Ein Atatürk aber sei Musharraf nicht. Letztlich sei er ein guter Mittelklasse-General, so das wenig schmeichelhafte Urteil. Das sieht Musharraf freilich ganz anders. Geboren wurde er im August 1943 in Britisch-Indien als zweiter von drei Söhnen einer muslimischen Familie. Nach der Unabhängigkeit 1947 zog seine Familie in den neu geschaffenen Staat Pakistan. Musharraf lebte danach sieben Jahre in der Türkei, weil sein Vater nach Ankara versetzt worden war. 1956 zog die Familie nach Karachi, wo Musharraf christliche Schulen besuchte.

    Soldaten-Laufbahn. Schon während seiner Schulzeit in Karachi stand fest, dass er Soldat werden sollte. Er besuchte die pakistanische Militärakademie - die "beste der Welt", wie er in seinem Buch meint. Der junge Soldat legte trotz Schwierigkeiten mit der Disziplin eine steile Karriere hin. "Ich wurde bekannt als guter Anführer", schreibt er. "Ich bin stolz darauf zu sagen, dass ich von jeden unter meinem Kommando immer geliebt wurde." Der begeisterte Sportler kämpfte 1965 im Krieg gegen Indien und wurde dabei ausgezeichnet. Später diente Musharraf sieben Jahre in einer Sondereinheit. Die Militärlaufbahn führte ihn ganz nach oben: 1998 wurde Musharraf Armeechef.

    Korruptionsvorwürfe. Damals sah sich der konservative Premier Nawaz Sharif ständig mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Viele Menschen hätten ihn damals gebeten, die Macht zu übernehmen, schreibt Musharraf. Im Oktober 1999 war es soweit. Musharraf nennt seinen Putsch einen "Gegen-Coup". Tatsächlich hatte Sharif seinen Generalstabschef in dessen Abwesenheit des Amtes enthoben. Einem Linienflugzeug mit dem ahnungslosen General an Bord ließ der Premier die Landeerlaubnis verweigern. Die Piloten wurden angewiesen, Pakistans Luftraum zu verlassen. Die Armee schritt ein, Sharif wurde ins Exil gezwungen. Musharraf setzte die Verfassung außer Kraft und übernahm die Macht.

    Präsident. In einem Plebiszit, bei dem es 2002 nach einem späteren Eingeständnis Musharrafs Unregelmäßigkeiten gab, ließ er sich für fünf Jahre als Präsident bestätigen. Wenige Monate zuvor hatten die Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001 die Welt erschüttert. Nach Drohungen Washingtons entschloss sich Musharraf, den (mit Hilfe der pakistanischen Geheimdienste an die Macht gekommenen) Taliban in Afghanistan die Unterstützung zu entziehen und sich an die Seite der USA im Kampf gegen den Terrorismus zu stellen. Aus Sicht der mächtigen Islamisten im Land wurde Musharraf damit zum Verräter - und zur Marionette Washingtons.

    Anschläge. Die Extremisten beließen es nicht bei verbalen Attacken. Im Dezember 2003 wurde der Vater zweier erwachsener Kinder gleich zweimal in nur elf Tagen Ziel von Anschlägen. Dass er alle Angriffe auf sein Leben unbeschadet überstanden habe, gehöre eigentlich in das "Guinness Buch der Rekorde", meint Musharraf. Doch der General machte sich nicht nur die Islamisten zum Feind. Als er im März 2007 den Obersten Richter Iftikhar Chaudhry suspendierte, kam es zu Massenprotesten. Musharraf stand die Machtprobe nicht durch. Das Oberste Gericht zwang ihn im Juli, Chaudhry wieder einzusetzen. Sein Buch widmete Musharraf dem pakistanischen Volk, das "eine engagierte, selbstlose Führung" verdienen würde. Keinen Zweifel ließ er daran, dass er sich dafür am besten geeignet hält. Dass viele Landsleute ihn nicht mehr an der Macht haben wollten, machten die Parlamentswahlen vom Februar deutlich.


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