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Zuletzt aktualisiert: 10.08.2008 um 21:00 Uhr

Russen greifen internationalen Flughafen von Tiflis an

Das georgische Ministerium meldete den Angriff russischer Kampfflugzeuge auf den internationalen Flughafen in Tiflis. Das Fluzeugwerk sollte getroffen werden.

Im bewaffneten Konflikt zwischen Georgien und Russland um die Provinz Südossetien haben sich die Ereignisse am Sonntag überschlagen: Russische Kampfflugzeuge bombardierten im Laufe des Tages mehrfach den internationalen Flughafen und einen Militärflughafen der georgischen Hauptstadt Tiflis. Die Angriffe wurden fortgesetzt, nachdem Georgien am Nachmittag einen einseitigen Waffenstillstand ausgerufen hatte. Russland übernahm nach übereinstimmenden Angaben die Kontrolle über die südossetische Hauptstadt Zchinwali. Im UNO-Sicherheitsrat wurde die Bemühungen um eine Resolution fortgesetzt. EU und OSZE entsandten hochrangige Vertreter in die Krisenregion.

"Legitim". Die russische Luftwaffe warf nach Angaben des georgischen Innenministeriums rund 200 Meter neben der Startbahn des internationalen Flughafens von Tiflis eine Bombe ab, weitere Bomben galten offenbar einer benachbarten Flugzeugfabrik. Ein russischer Diplomat in den USA rechtfertigte die Angriffe, nachdem sie zuvor in Moskau dementiert worden waren. Die Bombardements seien "legitim", denn "es gibt dort einen Militärflughafen". Im Tagesverlauf hatten russische Flugzeuge laut Tiflis mehrmals Ziele in Georgien angegriffen. Das Innenministerium berichtete von Angriffen auf die westgeorgische Region Sugdidi sowie auf die Kodori-Schlucht - das einzige Gebiet der abtrünnigen Provinz Abchasien, das von Georgien kontrolliert wird.

Hafen unter Beschuss. Russische Kampfflugzeuge bombardierten auch den Schwarzmeer-Hafen Poti und Ziele in der Nähe der Ölpipeline Baku-Tiflis-Ceyhan, die für die Versorgung von Westeuropa wichtig ist. Bei einem Angriff auf die Stadt Gori nahe der Grenze zu Südossetien wurden zahlreiche Einwohner getötet. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP sah zerstörte Häuser und viele Leichen, darunter auch von Frauen und Kindern. Der russische Vize-Außenminister Karasin nannte die Zahl von mehr als 2.000 Toten in Südossetien seit Freitag. Flüchtlinge aus Zchinwali sagten, mehrere hundert Menschen seien ums Leben gekommen.

Georgien fordert Verhandlungen. Auf Befehl von Präsident Michail Saakaschwili hätten die georgischen Truppen Sonntag Früh das Feuer in der Region um die südossetische Hauptstadt Zchinwali eingestellt, teilte das Außenministerium in Tiflis mit. Eine entsprechende Mitteilung sei an Russland gesandt worden. Georgien zeige mit dem Schritt seine Bereitschaft, "unverzüglich Verhandlungen mit der Russischen Föderation über eine Waffenruhe und ein Ende der Feindseligkeiten" aufzunehmen, hieß es in der Erklärung weiter. Russischen Diplomatenangaben zufolge setzten georgische Soldaten die Kämpfe hingegen fort.

Deutschland vermittelt. Außenminister Sergej Lawrow sagte laut seinem Ministerium in einem Telefongespräch mit der georgischen Außenministerin Eka Tkeschelaschwili, das der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier vermittelt hatte, dass es in einigen Stadtteilen von Zchinwali immer noch georgische Truppen gebe. Laut russischem Militärkommando verfügte Georgien am Nachmittag noch über mehr als 7.400 georgische Soldaten und 100 Panzer in der Region. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin traf nach seiner Rückkehr von den Olympischen Spielen in Peking mit Flüchtlingen aus Südossetien zusammen. In Wladikawkas bezeichnete Putin das georgische Vorgehen als Völkermord. Putin sagte, Georgien habe das Recht auf die Regierung von Südossetien verloren.

Abchasien. An der Grenze zu Abchasien zog Tiflis nach Angaben eines Vertreters des selbsternannten Präsidenten Abchasiens, Sergej Bagapsch, mehr als 4000 Soldaten zusammen, wie Interfax berichtete. In Abchasien soll nach russischen Medienberichten ab Mitternacht der Kriegszustand gelten. Bagapsch habe ein entsprechendes Dekret erlassen.

Soldaten aus Irak. Die US-Streitkräfte halfen unterdessen nach Aussage eines ranghohen Militärs, im Irak stationierte georgische Truppen zurück in deren Heimatland zu fliegen. Georgien habe um Transporthilfe ersucht, hieß es am Sonntag in Bagdad. Tiflis rief seine 2.000 Soldaten im Irak zurück, weil sie dringend an der Heimatfront gebraucht würden. Georgien stellt nach den US-Truppen und den britischen Streitkräften das drittstärkste Kontingent unter den ausländischen Truppen im Irak.


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