Südossetien - Chronologie eines Konflikts
Die Spannungen zwischen Georgien und Russland um Südossetien haben zu einem gefährlichen bewaffneten Konflikt geführt. Im Folgenden eine Chronologie:
1198 - Der ossetische Herrscher David Soslan heiratet die
georgische Königin Tamara. Die beiden Länder werden vereinigt. Nach
unterschiedlichen Angaben wandern Osseten danach in das heutige
Gebiet Südossetiens ein bzw. waren dort schon Jahrhunderte zuvor
angesiedelt.
1774 - Die Osseten schließen sich dem Zarenreich an.
1801 - Georgien wird nach einem Schutzvertrag von Russland
annektiert, sein Königshaus Bagration entthront.
26. Mai 1918 - Nach der Oktober-Revolution erklärt Georgien seine
Unabhängigkeit.
1920 - Das zu Georgien gehörende Gebiet Südossetien erklärt seine
Unabhängigkeit als Sowjet-Republik. Tiflis schlägt den "Aufstand"
militärisch nieder.
1921 - Die Rote Armee marschiert in Georgien ein und annektiert
es. Der Autonome Verwaltungsbezirk Südossetien mit Hauptort Zchinwali
wird geschaffen.
1936 - Unter dem Georgier Josef W. Dschugaschwili (Stalin) wird
Georgien Teilrepublik der UdSSR, die Georgische SSR.
1989 - Nationalistische Unabhängigkeitsbestrebungen Georgiens von
der Sowjetunion, und wiederum Südossetiens von Georgien. Erste
gewaltsame Zusammenstöße.
Eine Volkszählung kommt zu folgenden Ergebnissen: In Südossetien
leben rund 98.000 Menschen, 66,6 Prozent sind Osseten, knapp 30
Prozent Georgier. In Georgien leben 164.000 Osseten (drei Prozent der
Gesamtbevölkerung), 65.000 leben im Autonomen Verwaltungsbezirk
Südossetien, 99.000 in anderen Teilen Georgiens.
1990 - Vor den georgischen Parlamentswahlen wird ein Gesetz
erlassen, das Parteien, die nur in Teilen des Landes aktiv sind
ausschließt. Der Autonome Verwaltungsbezirk Südossetien erklärt am
20. September daraufhin seine Unabhängigkeit als "Südossetische
Demokratische Sowjet-Republik" und ersucht um Anerkennung durch
Moskau.
Die Wahl einer Volksvertretung in Südossetien wird von Georgien
nicht anerkannt. Tiflis schafft den Autonomen Verwaltungsbezirk
Südossetein als eigene administrative Einheit Georgiens ab. Kämpfe
brechen aus. Russland und Georgien schicken Truppen ihrer
Innenministerien nach Südossetien.
1991 - Georgien schickt seine mehrere Tausend Mann starke
Nationalgarde nach Südossetien. Nach Kämpfen und Brandschatzungen
setzen sie sich rund um Zchinwali fest und belagern es. Beide Seiten
bezichtigen sich bis heute gegenseitig, Gräueltaten verübt zu haben.
Der Nationalist und spätere Präsident Swiad Gamsachurdia führt
Georgien im April in die Unabhängigkeit. Nach dem gescheiterten
Putsch gegen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow im August
zerfällt die UdSSR. Die Truppen des russischen Innenministeriums
ziehen sich zurück. Laut unabhängigen Beobachtern kommt weiter
russische Unterstützung für die südossetische Seite unter unklaren
Kommandoverhältnissen.
1992 - Interne Machtkämpfe in Tiflis: Nach Kämpfen wird
Gamsachurdia aus dem Amt gejagt, der sowjetische Ex-Außenminister
Eduard Schewardnadse folgt ihm als Präsident nach. Er einigt sich mit
dem russischen Präsidenten Boris Jelzin auf einen Waffenstillstand in
Südossetien, eine gemeinsame russisch-georgisch-ossetische
Friedenstruppe und einen gemischten Kontrollrat. Der Konflikt hatte
zuvor mehr als 1.000 Tote gefordert; Zehntausende waren geflüchtet.
1993 - Georgien tritt der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS)
bei.
2004 - Nach von Unregelmäßigkeiten geprägten Parlamentswahlen
"Rosenrevolution" in Tiflis: Schewardnadse wird durch Massenproteste
aus dem Amt gedrängt. Nachfolger Michail Saakaschwili will die
Einheit des Landes wiederherstellen und nicht nur den
Territorialkonflikt mit Südossetien, sondern auch mit den abtrünnigen
Regionen Abchasien und Adscharien lösen. Er verfolgt einen
pro-westlichen Kurs, der den Unmut Moskaus erregt.
Schwere Kämpfe bei Zchinwali im August. Saakaschwili ordnet danach
einen Rückzug der georgischen Soldaten an, die nicht zur gemeinsamen
Friedenstruppe gehören. Einigung zwischen Georgien und Südossetien,
die Region zu entmilitarisieren.
2005 - Saakaschwili präsentiert vor dem Europarat einen Plan für
die friedliche Lösung des Südossetien-Konflikts. Er sieht eine
größere Autonomie sowie eine eigene Exekutive und Legislative für
Südossetien vor. Der "Präsident" der international nicht anerkannten
"Republik Südossetien", Eduard Kokoity, lehnt den Plan ab und beharrt
auf einem Anschluss an die russische Teilrepublik Nordossetien
(Alanien).
2006 - Das georgische Parlament fordert Russland auf, seinen Teil
der Friedenstruppe aus Südossetien abzuziehen. Nachdem Russland
Wirtschaftssanktionen verhängt hatte, eskalieren die Spannungen
zwischen Moskau und Tiflis, als Georgien im Land stationierte
russische Offiziere unter Spionageverdacht festnimmt und ausweist.
2008: In Südossetien spitzt sich die Lage zu. Es kommt zu den
seit Jahren schwersten Feuergefechten. Der deutsche Außenminister
Frank-Walter Steinmeier reist ohne Erfolg nach Georgien und Russland,
um für eine Friedensinitiative zu werben. Georgische
Militäroffensive.













