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Zuletzt aktualisiert: 15.06.2008 um 21:55 UhrKommentare

Grillitsch: "Die Bauern haben nichts zu verbergen"

Präsident Fritz Grillitsch über Subventionsveröffentlichung, die Regierung und den Milchstreik.

Fritz Grillitsch

Foto © ReutersFritz Grillitsch

Demnächst wird man im Internet nachlesen können, wie hoch die EU-Förderung für jeden einzelnen österreichischen Bauern ist. Droht nach der Milch der nächste Bauernaufstand?
FRITZ GRILLITSCH: Wir haben nichts zu verbergen. Jeder Euro, den ein Bauer bekommt, hat er aufgrund seiner Leistungen verdient. Man sollte auch in anderen Bereichen die EU-Förderungen veröffentlichen. Wir sind die Schrittmacher bei der Transparenz.

Aber die Bauern haben sich doch lange vehement gegen die Veröffentlichung gewehrt?
GRILLITSCH: Ja, weil es zu Diskussionen führen kann, die durch Neid geprägt sind, wie wir es in Tirol erlebt haben. Dort haben verantwortungslose Populisten mit klassenkämpferischen Parolen gearbeitet. Zurück zur Veröffentlichung: Wir wollen nicht den Verdacht erwecken, dass wir was zu verbergen haben.

Wenn die SPÖ ihren Parteivorsitzenden und den Bundeskanzler wechselt, bedeutet dies das Ende der Koalition?
GRILLITSCH: Alfred Gusenbauer hat nicht die Kraft, die sozialen Sehnsüchte abzuholen. Sollte es zu personellen Veränderungen kommen, muss man sich das genau anschauen: Wer ist das? Ändert er das Programm? So einfach kann man den Vorsitzenden nicht auswechseln.

Gusenbauers Schwäche fällt aber auch auf die ÖVP zurück.
GRILLITSCH: Zynisch gesagt: Hoffentlich bleibt Gusenbauer im Amt. Jemand, der dreimal in der Länge umfällt, ist gut für uns. Wenn die Unruhe aber zu groß wird, läuft man Gefahr, als gesamte Bundesregierung negativ wahrgenommen zu werden.

Der Milchboykott hat auch zu Verwerfungen im Bauernbund geführt.
GRILLITSCH: Der Milchstreik hat große Unruhe in die Bauernschaft gebracht. Ich habe größtes Verständnis für die Anliegen der Milchbauern. Ich verstehen den Frust, ich verstehe den Zorn. Aber man muss sich die Frage stellen: Was hat das gebracht? Unter dem Strich hat es kein Ergebnis gebracht. Die Aktion war nicht durchdacht.

Vielleicht, weil der Bauernbund nicht mitgezogen hat?
GRILLITSCH: Ich habe stattdessen Gespräche mit dem Handel geführt. Es gibt jetzt Signale, die Hoffnung schöpfen lassen. Der Handel will von Lockartikeln Abstand nehmen. Im Herbst soll es außerdem Preisverbesserungen geben. Im Übrigen liegt der Milchpreis in Österreich sieben Cent über dem deutschen. Deshalb noch einmal: Die Aktion war nicht durchdacht.

INTERVIEW: MICHAEL JUNGWIRTH

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