Kärnten: Wahl zwischen Buhmann und Umfaller
Vor Sportgipfel am Montag und Landesholding-Sitzung am Donnerstag steigt der Druck auf ÖVP-Obmann Martinz.
Seit 1. März läuft das Pilotprojekt Gratis-Kindergarten für Kinder ab drei Jahren. Nur zwei Monate später heißt es für das Hilfswerk, über das dieses Projekt abgewickelt wird, die Kindergartenträger und Eltern, bitte warten. Die Landes-Unterstützung von 75 Euro pro Kind für den Monat April wurde noch nicht ausbezahlt. "Werden Kärntens Familien von Haider in Geiselhaft genommen, um Martinz zu erpressen und die Förderung des Profifußballs durchzusetzen", fragt SPÖ-Abgeordnete Sieglinde Trannacher. Der Gratis-Kindergarten hängt tatsächlich in der Luft seit sich ÖVP-Obmann Josef Martinz in der Landesholding gegen das neun Millionen Euro schwere Fußball-Förderungspaket aus dem Hypo-Erlös-Zukunftsfonds quer gelegt hat. Auch der Gratis-Kindergarten soll aus dem Zukunftsfonds finanziert werden. Und das Hilfswerk ist eine ÖVP-Organisation.
Entscheidung.
Kommende Woche stehen die Stunden der Entscheidung und der Wahrheit an. Am Montag bittet Haider zum Runden Tisch, um eine Gesamtlösung für die Sportförderung zu finden. Eingeladen hat der Landeschef neben Martinz und Sportlandesrat Wolfgang Schantl die Präsidenten der drei Dachverbände, Anton Leikam (ASKÖ), Kurt Steiner (ASVÖ, Ulrich Zafoschnig (Union), Fußballverbandspräsident Thomas Partl und Landessportdirektor Reinhard Tellian. Am Donnerstag wird jene Aufsichtsratssitzung der Landesholding fortgesetzt, die vor Wochen wegen des Streites um das Fußballgeld unterbrochen wurde.
Fußballförderung.
Eine Vorentscheidung sollte gestern fallen. Da unternahm Martinz einen Versöhnungsversuch mit der Klagenfurter ÖVP. Bürgermeister Harald Scheucher und Stadtparteiobmann Peter Steinkellner verlangen von Martinz, mit Haider die Fußballförderung aus dem Zukunftsfonds zu beschließen. Die einstündige Unterredung der drei verlief ergebnislos. "Es war ein Grundsatzgespräch und dabei ist es geblieben", so Steinkellner. Den Boykott des Landesparteivorstandes wollen die Klagenfurter Schwarzen erst dann beenden, "wenn wir Resultate haben."
"Buhmann geworden".
Der ÖVP-Chef hat jedoch Schantl versprochen, alle Sportarten aus dem Zukunftsfonds zu bedenken. SPÖ-Chefin Gaby Schaunig überlässt das Verhandeln zwar ihren Landesräten Schantl und Reinhart Rohr. Über die "Nicht-Position" von Martinz ärgert sie sich aber. Zuerst hatte er einen Geldfluss über die Fußballakademie zum SK Austria Kärnten strikt abgelehnt, dann stellte er statt der von SK-Präsident Mario Canori geforderten 600.000 Euro "nur" 400.000 Euro in Aussicht. Während Schaunig darin "den ersten Schritt zum Umfaller" sieht, ist Martinz in den Augen von Haider "in der Fußballszene der Buhmann geworden." Mit 25.000 Aktiven sei das keine kleine Szene. Ob Rot, Orange oder Schwarz, was alle an Martinz ärgert ist seine lange Entscheidungsfindung.
"Gedrückt".
Als letzten Montag in Radio Kärnten über das Fußballgeld gestritten wurde, kam Rohr statt Schantl. Der Sportlandesrat habe sich "gedrückt", ätzte Haider. Das empfindet man in Schantls Umfeld als "extrem unfair." Der Landeshauptmann habe gewusst, dass Gallen-Probleme Schantl auf den Operationstisch gezwungen hatten. Mittlerweile konnte er das Krankenhaus schon wieder verlassen.
Trostpflaster.
Als Trostpflaster verspricht Haider, "die drei Millionen für Schantl werden beschlossen." Beim gemeinsamen Budgetbeschluss hatten SPÖ und BZÖ jeweils drei Millionen Euro aus dem Zukunftsfonds für Sportstätten und Landesstraßen vereinbart. Haider: "Was ausgemacht ist, halte ich ein."












