"Erde auf ihren Sarg": Amerika senkt Daumen über Hillary Clinton
Nach Edwards Unterstützung für Obama im Rahmen der US-Vorwahlen der Demokraten sehen Kommentatoren das Ende für Clintons Kandidatur als ziemlich fix an.

Foto © ReutersHillary Clinton vor dem Ende?
Noch verbreitet Hillary Clintons Wahlkampflager Durchhalteparolen, doch Amerika senkt den Daumen über die Ambitionen der früheren First Lady auf das Weiße Haus. Spätestens seit der unterlegene Bewerber John Edwards am Mittwoch - grandios inszeniert - seine Unterstützung für den schwarzen Senator erklärte, zweifelt kaum noch jemand daran, dass es für die Senatorin aus New York nun nur noch um einen würdevollen Abgang aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten geht. "Das war nicht nur der letzte Sargnagel für sie", urteilte Roy Sekoff von der populären US-Internetzeitung "Huffington Post". "Das war, als ob man Erde auf einen Sarg wirft, der schon in der Grube ist."
"Entschlossener denn je".
"Diese Sache ist bei weitem noch nicht vorbei", verkündete unterdessen noch wacker Clintons Wahlkampfmanager Terry McAuliffe nach Edwards' Entscheidung und meinte damit das Duell mit dem schwarzen Senator. Auch die Senatorin aus New York zeigte sich nach ihrem Vorwahl-Triumph im relativ unbedeutenden US-Staat West Virginia vom Dienstag "entschlossener denn je", ihren Kampf bis zum Ende der demokratischen Kandidatenkür am 3. Juni fortzusetzen. Jedoch mehren sich die Zeichen, dass sie sich in das offenbar Unvermeidliche fügt.
"Schwerer Fehler".
Für nicht wenige klang es beinahe wie Wahlwerbung für Obama, als sie in einem Fernsehinterview vom Mittwoch ihren Anhängern entschieden abriet, für den republikanischen Kandidaten John McCain zu stimmen, sollte sie nicht mehr im Rennen sein. Das wäre "ein schwerer Fehler", warnte sie. Schon in ihrer Siegesrede nach der Abstimmung in West Virginia fiel auf, dass die Angriffe gegen den schwarzen Senator, die noch vor wenigen Wochen immer heftiger geworden waren, völlig fehlten. "Sie hat aufgehört zu kämpfen", befand ein CNN-Kommentator. "Diese Nominierung ist zu Ende."
Geldmangel.
Nicht nur der schier uneinholbare Vorsprung Obamas bei den Delegiertenstimmen haben Clinton, die im Jänner noch als klare Favoritin galt, in Bedrängnis gebracht. Ihr fehlt auch schlicht das Geld. Mit 20 Millionen Dollar (12,92 Millionen Euro) steht ihr Wahlkampf bereits in der Kreide. "Nach den jüngsten Ereignissen fließt das Geld nicht eben", berichtete der Fernsehsender NBC. Schon wird darüber spekuliert, ob Obama mit einer übervollen Kriegskasse zu Hilfe eilt - und im Gegenzug für ihren Abgang die Schulden zahlt.
John Edwards als Unterstützer.
Der schwarze Senator indes hat - in Erwartung der Nominierung - seinen Wahlkampf bereits neu ausgerichtet und schießt sich zunehmend auf McCain ein. Nicht nur tourt er durch die Staaten, in denen noch Vorwahlen stattfinden wie Oregon und Kentucky am kommenden Dienstag. Auf seinem Reiseplan finden sich immer häufiger Bundesstaaten, die bei der Präsidentenwahl am 4. November entscheidend sein könnten. Obama hat allen Grund zur Zuversicht: John Edwards Unterstützung für den 46-Jährigen könnte zum Zünglein an der Waage werden, sollten sich dessen Stammwähler aus der Arbeiterschaft nun stärker als bisher für den Senator aus Illinois erwärmen, der vielen noch als elitär gilt.
Aufgabe in Kürze?
Alle Spekulationen drehen sich nun noch darum, wann Hillary Clinton endgültig das Handtuch wirft. Kommentatoren, die noch einen langen Marsch bis zum Nominierungsparteitag im Spätsommer in Denver (US-Staat Colorado) erwarten, sind rar geworden. Nach der teils heftigen Schlammschlacht mit Obama gehe es ihr jetzt vor allem darum, ihr Image zu reparieren, befindet NBC-Kommentator John Harwood. Doch bis zum Ende des Vorwahlkampfes am 3. Juni in Montana und South Dakota werde sie wohl noch im Rennen bleiben. "Sie vertritt das Prinzip, dass jeder noch Gelegenheit haben sollte, seine Stimme abzugeben."
Features
Hillary Clinton
Sie wurde am 26. Oktober 1947 in Chicago, Illinois als Hillary Diane Rodham geboren. Sie ist eine US-amerikanische Juristin und Politikerin (Demokraten).
Tätigkeit
Seit 2001 ist Clinton Senatorin für den US-Bundesstaat New York im Senat der Vereinigten Staaten. Derzeit ist sie (noch) neben Barack Obama Anwärterin für die Nominierung als Kandidatin der Demokraten in der Präsidentschaftswahl 2008.












