"Der ist ein Beiwagerl, kein Kanzler"
Die Basis der SPÖ geht mit Alfred Gusenbauer hart ins Gericht. Ein Lokalaugenschein bei den Getreuesten der steirischen Sozialdemokratie.

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Viel ist zusammen gekommen für die echten "Roten" in diesen Tagen. Sie haben zwar seit gut einem Jahr einen Bundeskanzler, die von Alfred Gusenbauer geführte Regierung droht aber immer mehr im Chaos zu versinken. Noch nie hatte ein SPÖ-Kanzler so schlechte Werte, noch nie war es in der disziplinierten Partei vorgekommen, dass ein Landesparteichef oder ein Bürgermeister offen Kritik am Bundesvorsitzenden übte. Und noch nie war ein Chef bei der Parteibasis so unten durch wie jetzt Gusenbauer.
Schwächster Bundeskanzler.
"Das ist der schwächste Bundeskanzler, den wir gehabt haben", sagt einer im Grazer Arbeiterbezirk Gösting, der einst noch Bruno Kreisky die Hand geschüttelt hat. Was ist denn seine Schwäche? "Er sagt überall ja, er lasst sich von der ÖVP alles diktieren, er traut sich nicht dagegen reden", fügt er hinzu und die Umstehenden nicken. "Er wollte nur Bundeskanzler werden, und jetzt ist er nur ein Beiwagerl", ruft einer von hinten in die Runde.
Zusammenkommen.
Vor den Feiertagen kommen sie öfter als sonst zusammen, die Frauen und Männer, die sich selber als "Parteibasis der SPÖ" sehen. Man trifft sich in den Kaffee- und Wirtshäusern, in den Supermärkten und Einkaufszentren, manche auch in den Parteihäusern oder Volksheimen, beim Schachspiel, beim Schnapsen oder einfach beim Plausch.
Es gibt keine Genossen mehr.
Es wird mehr politisiert in diesen Tagen, bestätigt ein Wirt in Donawitz, wo die Gesinnung vieler Menschen noch röter ist als der Eisenstaub vom Stahlwerk. "Ich war immer erzrot, aber die kann ich nicht mehr wählen", bedauert einer den Niedergang seiner Gesinnungsgemeinschaft. Er war früher beim Konsum angestellt, der roten Handelskette, die 1999 in Konkurs ging: "Da siehst', wie das läuft". Der Nachbar ist ebenso entäuscht: "Es gibt heute keine Genossen mehr, es ist vorbei. Wo ist den die Jugendarbeit? Wo ist die Parteiarbeit?" Er hat sogar sein Parteibuch dabei, die Monatsmarken fein säuberlich hinein geklebt. Fünf Euro sind es schon seit etlichen Jahren.
Nie beliebt.
Gusenbauer war offenbar nie ein beliebter Parteivorsitzender. Als die SPÖ 2000 nach 30 Jahren Kanzlerschaft von Wolfgang Schüssel aus der Regierung gedrängt wurde, kam der Niederösterreicher an die Parteispitze. Wie das geschah und warum, daran kann sich an der steirischen SPÖ-Basis kaum einer erinnern.
Auch Gusenbauers Wandertour durch Österreich vor der Wahl, als er angeblich 100.000 Hände schüttelte, hinterließ an der Basis keine Spuren. "I brauch' des Händeschütteln eh net", hat eine Frau andere Vorstellungen von Bürgernähe. Ihr Lebenspartner, seit vielen Jahren Parteimitglied, präzisiert: "Ich vermisse die SPÖ als Partei die hilft". Gusenbauers Nachhilfestunden sind kein Thema für einen Kapfenberger, der die dunklen Jahre der Stahlkrise überstanden hat.
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Rote in Nöten
42.000 Parteimitglieder habe die steirische SPÖ, so Landesgeschäftsführer Toni Vukan. Das ist ein gewaltiger Absturz. 1963 hatte es den Höchststand von 108.550 Mitgliedern gegeben. Seit der Ära Kreisky, die vor 25 Jahren zu Ende ging, ist die Talfahrt rasant.













