Wir hätten viel zu verschenken
Es ist die Wegwerfgesellschaft auf die Spitze getrieben: Jährlich wirft ein österreichischer Haushalt genießbare Lebensmittel im Wert von 300 Euro in die Mülltonne. Eine Kampagne soll die Österreicher zum langfristigen Umdenken bewegen.

Foto © Sujet/Kleine Zeitung/Erwin Scheriau
Es sind Zahlen, die nicht auf der Zunge zergehen, sondern wohl eher die Haare zu Berge stehen lassen: Nach Angaben des EU-Parlaments landet fast die Hälfte aller essbaren Lebensmittel in Haushalten, Supermärkten und Restaurants im Abfall. Jeder EU-Bürger wirft laut diesen Schätzungen der EU-Kommission pro Jahr 179 Kilo Lebensmittel weg, in Summe ergibt das 89 Millionen Tonnen. 42 Prozent davon werden in Haushalten entsorgt, 39 Prozent beim Hersteller. Zugleich würden 79 Millionen EU-Bürger unter der Armutsgrenze leben und 16 Millionen Menschen seien von Lebensmittelhilfe abhängig. Ohne Gegenstrategie werde die Lebensmittelverschwendung nach Studien der EU-Kommission bis 2020 um 40 Prozent zunehmen.
300 Euro landen jährlich am Müll
Heruntergebrochen auf Österreich werden die Zahlen nicht weniger dramatisch: Im Durchschnitt wirft jeder Haushalt im Jahr Lebensmittel im Wert von 300 Euro weg, insgesamt landen derzeit jährlich 96.000 Tonnen Lebensmittel im Restmüll. Das heimische Landwirtschaftsministerium macht sich jetzt für einen sorgsamen Umgang von Lebensmitteln stark und will mit der Initiative "Lebensmittel sind kost-bar!" die Österreicher zum Umdenken bewegen. In die Initiative eingebunden werden Unternehmen, Konsumenten, Gemeinden und sozialen Einrichtungen.
"Ethische Verpflichtung"
Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich traf am Samstag in München mit seiner deutschen Amtskollegin Ilse Aigner zusammen. Die beiden Minister betonten, dass angesichts der hohen Nachfrage nach Lebensmitteln in Schwellenländern die Sicherung der Ernährungsvorsorge oberste Priorität in der EU-Agrarpolitik haben müsse. "Es gilt, nicht nur ausreichende und leistbare Lebensmittel für die EU-Bevölkerung sicher zu stellen, sondern auch eine ethische Verpflichtung zur Unterstützung der Ernährungssicherheit im globalen Kontext." Dafür seien auch Investitionen in landwirtschaftliche Forschung erforderlich, vor allem aber Verbesserungen bei der Verwaltung natürlicher Ressourcen.
Bereits Anfang des Jahres hat das Europaparlament Schritte gegen die Verschwendung von Lebensmitteln gefordert. In einer Resolution verlangten die Abgeordneten, den Anteil von Nahrungsmitteln, die in der EU auf dem Müll landen, bis 2025 zu halbieren. Gleichzeitig sollte Bedürftigen der Zugang zu Lebensmitteln erleichtert werden.















