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Zuletzt aktualisiert: 21.08.2012 um 17:07 UhrKommentare

"Zeit der billigen Agrarrohstoffe ist vorbei"

Die Rekord-Dürre in den USA lässt die Getreidepreise in die Höhe schießen. Spekulationen haben zwar laut Experten "messbaren Einfluss", Ursache sei neben den schlechten Ernten auch der Fleisch-Boom in den Schwellenländern.

Foto © Reuters

Die Rekord-Dürre in den USA hat die weltweiten Getreidepreise in den vergangen Wochen erneut in die Höhe schießen lassen. Der Nahrungsmittelpreisindex der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) legte allein im Juli um 6 Prozent zu. Dennoch lagen die Lebensmittelpreise damit im Durchschnitt noch deutlich unter den Rekordwerten vom Februar 2011. "Die Zeit der billigen Agrarrohstoffe ist vorbei", sagte Wifo-Experte Franz Sinabell im Gespräch mit der APA. Das Ende der Billig-Agrarpreise sei auch Konsens unter den Agrarökonomen.

Beim Getreidepreis ist der Anteil der "spekulativen Beiträge" für den Wifo-Ökonomen "durchaus messbar". Diese Frage sei aber noch nicht wissenschaftlich abschließend geklärt. Die Grundlage für die Preissprünge kommen von der Realwirtschaft, nämlich wegen eines knappen Angebots durch schlechte Ernten und eines höheren Fleischkonsums in den Schwellenländern. Die weltweiten Milch- und Fleischpreise seien derzeit hingegen rückläufig.

Versorgungsprobleme in 20 Jahren

Auch der heimische Bio-Pionier Werner Lampert rechnet mit stark steigenden Nahrungsmittelpreisen: "Lebensmittel werden in den nächsten 20 Jahren massiv teurer werden. In 20 bis 30 Jahren werden wir hier in Europa massive Probleme bei der Versorgung mit Lebensmitteln haben", sagte er kürzlich in einem Interview mit den "Salzburger Nachrichten".

Der langfristige Anstieg der Agrarpreise habe sich ab dem Jahr 2005 abgezeichnet, so der Agrarökonom. Die wesentliche Ursache sei die günstige wirtschaftliche Entwicklung in den Schwellenländern gewesen. Milliarden an Menschen würden ihre Konsumgewohnheiten ändern und durch den erhöhten Fleischkonsum sei die Nachfrage nach Getreide und Soja als Futtermittel gestiegen. Ein zweiter Aspekt ist laut dem Fachmann, dass die Produktivität der Landwirtschaft seit 2002 nicht mehr mit der Nachfrage mitgehalten habe.

Hohe Schwankungen erwartet

Sinabell erwartet in den kommenden Jahren weiterhin hohe Preisschwankungen bei den Agrarrohstoffen. Die Landwirte könnten mit einer breiteren Fruchtfolge ihr Preis- und Ertragsrisiko besser streuen. Zusätzlich sollten sie in den "guten Jahren" einen Eigenkapitalpolster aufbauen. "Die heimischen Betriebe kommen gut damit zurecht", zeigte er sich verhalten optimistisch. Entwarnung will der Agrarökonom aber nicht geben: Die Betriebsmittel (u.a Futtermittel, Treibstoff) steigen auch deutlich. Wegen ein paar Jahren mit hohen Agrarpreisen würden nicht weniger Betriebe zusperren und sich der Strukturwandel abschwächen, betonte Sinabell.

Von der Spekulation mit Agrarrohstoffen wollten auch heimische Banken profitieren. In der Vorwoche hat die teilstaatliche Volksbanken AG (ÖVAG) nach heftiger Kritik sämtliche Agrar-Spekulationsprodukte zurückgezogen. Die Raiffeisen Centrobank (RCB) "hat die Diskussion schon seit längerer Zeit berücksichtigt" und lässt alte Agrar-Spekulationsprodukte auslaufen. Neue werden "seit geraumer Zeit" nicht mehr begeben. Die beiden Banken reagieren damit auf die emotional geführte Debatte um die in die Höhe geschnellten Nahrungsmittelpreise infolge von Spekulationen auf den Rohstoffmärkten und Missernten. Bank Austria, Erste, die verstaatlichte Kärntner Hypo und BAWAG haben hingegen laut Eigenangaben keine derartigen Produkte im Portfolio.

Getreide und Zucker gestiegen

Nach drei Monaten des Rückgangs stieg der FAO-Nahrungsmittelpreisindex im Juli um sechs Prozent an, besonders betroffen waren Getreide und Zucker. Seit mehreren Wochen steigen die Preise für Getreide und Ölsaaten in Europa und an der US-Börse von Chicago vor allem wegen der US-Rekorddürre. Der FAO-Index für Getreide erreichte einen durchschnittlichen Wert von 260 Punkten und notierte damit um 38 Punkte höher als im Juni. Der Wert ist damit 14 Punkte von seinem bisherigen Rekord vom April 2008 entfernt, als es weltweit wegen der hohen Preise zu Hungerrevolten kam. Die Preise für Fleisch gingen hingegen im dritten Monat in Folge zurück. Die Milchpreisindex sinkt bereits seit März 2011.


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