Ökogruppen empört: "Gipfel der Schande"
Die Nicht-Ergebnisse des UNO-Umweltgipfels in Rio ernüchtern alle Beobachter. Sie befürchten, dass sich die Welt unserer Kinder auf diese Weise zum Schlechteren entwickelt.

Foto © APAUmweltorganisationen zeigen sich enttäuscht
Es war ein Gipfel der Schande für kommende Generationen", lautet das Resumme des World Wide Fund For Nature(WWF) zum UN-Umweltgipfel in Rio de Janeiro. Die Teilnehmerstaaten hätten weder eine konkrete Vision verabschiedet, noch klare Ziele mit einem Zeitplan für deren Durchführung formuliert.
"Brasilien hat einen Minimalkonsens durchgepeitscht, um das Land nicht vor der Welt zu blamieren", sagte WWF-Experte Alois Vedder.
"Die Chance für nachhaltige Entwicklungsziele, für eine grüne Wirtschaft und den Schutz der Meere wurde vertan, die Staaten haben den Ernst der Lage zwar erkannt, aber nicht nach ihrem besten Wissen und Gewissen gehandelt", so Vedder.
Dennoch sei der Erdgipfel "nicht ganz umsonst" gewesen, hieß es in einer Aussendung. Als Erfolg wertete der WWF die Ankündigung der britischen Regierung, als erstes Land der Welt mehr als tausend Unternehmen des Landes zu einer Messung ihres ökologischen Fußabdrucks zu verpflichten.
Überdies habe die brasilianische Umweltministerin Izabella Teixeira eine Initiative zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes angekündigt.
Lippenbekenntnisse
Kritik übte der WWF an der EU. Besonders sie habe bei den internationalen Verhandlungen immer mehr an Bedeutung verloren und müsse sich wegen des veränderten globalen Machtgefüges strategisch neu orientieren. So hätten die Europäer in den Vorverhandlungen noch einige positive Akzente eingebracht. Im Abschlussdokument wäre davon aber kaum etwas übrig geblieben.
"Der Bedeutungsverlust ist auch auf einen Mangel an Glaubwürdigkeit zurückzuführen", analysierte Vedder. "Solange es bei Lippenbekenntnissen zu Nachhaltigkeit bleibt, während bei der Agrarreform oder bei einer Reform der europäischen Fischerei entgegengesetzte Tatsachen geschaffen werden, wird man international nicht ernst genommen, wenn man eine grüne Wirtschaftsweise einfordert.
Für den weiteren Prozess internationaler Verhandlungen erwarte sich der WWF "klare und messbare Nachhaltigkeitsziele" für Wasser, Ernährung und Energie. Die Finanzierung dafür müsse sichergestellt werden. Umwelt, Ökosysteme, die Artenvielfalt und soziale Kosten müssten in die ökonomische Rechnung der Staaten und Unternehmen einbezogen werden.










