Verbauung von Grünflächen hat ökologische Folgen
In Österreich werden täglich 15 Hektar Boden verbaut. Der Großteil davon in der Steiermark - das könnte schlimme ökologische Folgen haben. Boden ist als Wasser- und CO2-Speicher entscheidend für eine funktionierende Umwelt.

Foto © Markus Traussnig
Es ist ein Spiel um oft grünes, manchmal dunkelbraunes Gold. "Und um unsere ökologische Zukunft", wie Gerlind Weber bestimmt sagt. Sie lehrt an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien und spricht über den enormen Verschleiß von landwirtschaftlicher Fläche (Ackerland, Wiesen) durch Überbauung und Versiedelung. Politisch gibt es ein hehres Ziel, sieht doch der Raumordnungsplan 2001 vor, dass maximal ein Hektar (10.000 Quadratmeter) pro Tag verbaut wird. "Das ist im Moment nicht realistisch", sagt Weber. Bestätigung erfährt sie dabei von aktuellen Zahlen: 15 Hektar werden pro Tag in Österreich verbaut, unglaubliche sechs Hektar davon in der Steiermark - etwa für Siedlungs- und Verkehrszwecke. Innerhalb von 24 Stunden verbauen die Steirer also aufgrund ihrer weit gestreuten Siedlungskulturen (alleine die 25.000 Kilometer ländliche Wege machen ein Drittel des gesamten ländlichen Wegnetzes in Österreich aus) acht Fußballplätze.
Boden retten
"Wir brauchen diese Fläche aber, um die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten", sagt Gerhard Wlodkowski, Präsident der steirischen Landwirtschaftskammer. Er fordert einen Staatsvertrag zwischen Bund und Ländern zur Reduktion der Flächenverschwendung und will durch die Revitalisierung von Ortskernen Boden retten. Auch die Wiederverwertung von alten Industrie- und Gewerbeanlagen soll helfen. Wlodkowski: "Der Bestand an brachliegenden Industrie- und Gewerbeflächen könnte schon heute ein Drittel des jährlichen Flächenbedarfs abdecken."
Gerlind Weber ist froh, dass sich die Landwirtschaft nach "anfänglich ambivalentem Verhältnis" dem Thema jetzt so stark widmet. Boden sei als Wasser- und CO2-Speicher entscheidend für eine funktionierende Umwelt. Durch die zerschnittene Landschaft sind laut Weber schon jetzt große, ökologische Räume in der Steiermark "stark gestört."
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Fakten
6 Hektar (60.000 Quadratmeter) Boden (Acker, Wiesen, etc.) werden in der Steiermark pro Tag für Siedlungs- und Verkehrszwecke entzogen. Die Hälfte davon wird völlig versiegelt.
20.000 Hektar gingen in den letzten 20 Jahren alleine an steirischen Ackerböden verloren. Das entspricht der gesamten Landwirtschaftsfläche Voitsbergs.
110 Millionen Quadratmeter. Um diese Zahl stieg in der Steiermark die Zunahme der versiegelten Fläche in den letzten zehn Jahren. Das entspricht einer Steigerung von 14 Prozent.














