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Zuletzt aktualisiert: 20.06.2012 um 14:18 UhrKommentare

Berlakovich: "Gipfel der vergebenen Chancen"

Der österreichische Umweltminister Berlakovich hat seinen Flug zum Erdgipfel nach Rio storniert. Die Konferenz sei zu Ende, bevor sie begonnen habe. Greenpeace ortet einen "Gipfel des Versagens".

Foto ©

Umweltminister Nikolaus Berlakovich (V) hat am Mittwoch überraschend seine Teilnahme am UN-Umweltgipfel "Rio+20" in Rio de Janeiro absagt. In einem Gespräch mit der APA sagte ein enttäuschter Berlakovich: "Brasilien hat ein Abschlussdokument vorgelegt, es gibt keine weiteren Verhandlungen mehr - und zum Jubeln und Feiern fliege ich nicht hin. Die Konferenz ist zu Ende, bevor sie begonnen hat."

Es sei ein Gipfel der "vergebenen Chancen", betonte der Minister. Vor allem Gastgeberland Brasilien habe seine Möglichkeiten nicht genützt. Berlakovich verwies dabei auf die vorangegangene UN-Konferenz im südafrikanischen Durban, bei der nächtelang verhandelt und der Gipfel deswegen sogar um eineinhalb Tage verlängert worden war.

Berlakovich fordert nun einen "Neustart". Mit den bisherigen Verläufen der Umweltgipfel, bei denen die Verhandlungen meist sehr zäh und die Resultate dürftig waren, könne man nicht zufrieden sein. "Die Menschen erwarten sich ja Ergebnisse", so der Minister.

Auch dieses Mal seien in Vorbereitungsverhandlungen viele Probleme aufgetaucht. "China und Indien wollten sich nicht einbinden lassen in internationale Regeln, und andere Industrieländer müssen selber sparen. Konkrete Ziele und Zeitpläne fehlen in dem Dokument. Für Österreich war wichtig, dass Nachhaltigkeitsziele formuliert werden - jetzt steht in dem Papier lediglich, dass es Ziele geben soll. Da wäre mehr drinnen gewesen. Die EU wollte den Prozess, die Dynamik retten", sagte Berlakovich. Doch das Abschlussdokument sei "eine Richtschnur, die stellenweise sehr dünn ist".

Bei der nächsten EU-Umweltministerkonferenz, die voraussichtlich im Juli stattfinden werde, will sich Berlakovich für einen Neustart einsetzen. "Wir beginnen jetzt mit dem Brainstorming. Aber so wie die Konferenzen bisher verlaufen sind, ist es einfach unbefriedigend."

"Gipfel des Versagens"

Auch manch andere Kritiker sprechen bereits jetzt von einem Scheitern der Konferenz. Der Deklarationstext sei weit hinter den ohnehin geringen Erwartungen zurückgeblieben, sagte Greenpeace-Geschäftsführer Alexander Egit. Er bezeichnet die Veranstaltung als "Gipfel des Versagens".

"Unser Planet ist in einer schweren Umweltkrise, die Ozeane werden rücksichtslos ausgebeutet, alle drei Sekunden verhungert ein Mensch. Es ist erbärmlich, dass die Staatengemeinschaft darauf keine Antworten findet", bemängelte Egit fehlenden Willen und mangelnde Ambition. Er wies auch darauf hin, dass "die Konsequenzen einer eskalierenden weltweiten Umweltkrise auch ökonomisch die derzeitige Finanzkrise bei weitem in den Schatten stellen würde".

Der Graben zwischen Regierungen, die Probleme nicht lösen können, und der Bevölkerung werde sich laut Egit noch weiter vertiefen. Als Reaktion wolle Greenpeace den Kampf zum Schutz des Klimas, gegen Atomgefahren und für die Artenvielfalt weiter verschärfen.

Egit erwartet keine Änderungen mehr an der Beschlusstext-Vorlage. "Die Staats- und Regierungschefs werden in den kommenden drei Tagen versuchen, den Text 'grün zu waschen'. Außerdem werden einige Staaten versuchen, mit bilateralen Vereinbarungen über das Scheitern hinweg zu täuschen."


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