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    Zuletzt aktualisiert: 05.06.2012 um 10:10 UhrKommentare

    Der Wende geht die Energie aus

    Mangelhafte Stromnetze, Stromausfälle, Energieknappheit: Die Energiewende bringt Europa zunehmend in die Bredouille. Einiges droht schiefzulaufen, sinnvolle Lösungen sind indes kaum in Sicht.

    Foto ©

    Bei der Energiewende in Europa droht einiges schiefzulaufen, warnt Energie-Control-Vorstand Walter Boltz und mahnt eine bessere Koordination ein. Insbesondere zu den Kosten sei mehr Realismus nötig: So dürfe es etwa keine ungehemmte Ökostrom-Förderung geben, denn irgendwann stoße die Belastbarkeit der Verbraucher an Grenzen, warnte Boltz vor Journalisten. In Summe könnte Österreich die Energiewende "ein paar Milliarden" kosten, schätzt Boltz - inklusive der neu geplanten Energieeffizienzmaßnahmen und der von 300 auf 500 Mio. Euro im Jahr weiter steigenden Ökostrom-Förderung.

    Wirkliche Lösung fehlt

    Die seit gut einem Jahr in Deutschland laufende Debatte über die Energiewende habe exemplarisch eine Reihe von Problembereichen aufgezeigt, für die eine wirkliche Lösung fehle. Das gelte etwa für den fehlenden Stromnetzausbau, aber auch einen suboptimalen Kraftwerkseinsatz, bei dem im Süden Deutschlands zu viel abgeschaltet worden sei, während der Norden von Windkraft-Strom überschwemmt sei. Der Netzausbau könnte den Nachbarn 57 Mrd. Euro kosten, verweist Boltz auf jüngste Zahlen, mehr als die deutsche Griechenland-Hilfe. Das Stromnetz stehe schon ziemlich unter Druck: "Wir hoffen, dass es die nächsten zwei, drei Jahre zu keinen Stromausfällen kommt. Aber die Wahrscheinlichkeit ist deutlich gestiegen."

    Es gehe nicht an, Erneuerbare Energien ungehemmt zu fördern, denn dann werde die Stromerzeugung für andere Marktteilnehmer unattraktiver. Endlich werde darüber auch auf EU-Ebene diskutiert, dass man Elektrizität aus Renewables nicht um jeden Preis ins Netz einspeisen lassen könne, wenn kein Bedarf daran gegeben sei. In Deutschland seien die Ökostrom-Zuschläge mit 4,6 bis 5,3 Cent je kWh schon fast so hoch wie die eigentlichen Stromkosten von 5 bis 6 ct/kWh, in Österreich lägen sie bei einem Drittel. Schrittweise müssten die Erneuerbaren von der "Förder-Infusion" gelöst und in den Wettbewerb gebracht werden, also sich nach einer gewissen Phase einer Anschub-Investitionsförderung selbst finanzieren können.

    200 Millionen Euro Kosten

    Die deutsche Energiewende koste Österreich schon jetzt 200 Mio. Euro im Jahr, da durch die AKW-Abschaltungen die auch für uns relevanten Strom-Großhandelspreise nach oben getrieben worden seien. Die bisherigen preisdämpfenden Effekte im deutschen Strom-Großhandel für Österreich fielen damit weg. Abgesehen davon würden mittelfristig die vorübergehend durch Wirtschaftskrise und Wind- und PV-Strom-Überangebot gedämpften Großhandelspreise ohnedies steigen.

    Durch zu hohe ölpreisinduzierte Gaspreise drohe Europa im Standort-Wettbewerb den Anschluss an die USA zu verlieren, warnte Boltz am Montagabend. Durch zusätzliche Schiefergas-Förderung in den USA koste Erdgas dort nur ein Fünftel bis ein Drittel wie bei uns. Durch eine Umstellung der Kraftwerke von Öl auf Gas hätten die USA ihren CO2-Ausstoß senken können, während er in Österreich durch den Ersatz von - teuren - Gasanlagen durch kohlebefeuerte gestiegen sei. "Wir fördern mit wahnsinnigem finanziellen Aufwand die Erneuerbaren, während die USA locker ihre Klimaziele erreichen", so Boltz. Die Shale-Gas-Förderung in Europa sollte zumindest einmal versucht werden, ehe man sie gleich verbiete. Mittlerweile sei dies schon mit Methoden möglich, die für die Umwelt annehmbar seien.

    E-Mobilität im Visier

    Auch zum Thema E-Mobilität warnte der E-Control-Vorstand vor Illusionen. Elektroautos seien zu teuer, also für Privatkunden preislich nicht attraktiv. Das werde sich auch in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht ändern. Gegenüber Smart Meters, den intelligenten Stromzählern der Zukunft, sei eine positivere Haltung vonnöten. Und es müsse die Energieeffizienz verbessert werden: Zwar werde thermische Sanierung praktiziert, doch sei in manchen Fällen der Neubau eines Gebäudes zielführender als eine Sanierung.

    Über die Ökodesign-Richtlinie der EU sind auch für Elektrogeräte strengere Energieeffizienz-Vorgaben zu erwarten, ähnlich wie bereits bei Energiesparlampen. Zunächst sei hier an Pumpen zu denken, etwa Umwälzpumpen oder Industriepumpen. Letztlich könne das aber bis hin zu Haushaltsgeräten gehen. "Dazu sind auch regulatorische Maßnahmen sinnvoll, etwa das Verbot alter energiefressender Geräte", so Boltz. So könnte festgelegt werden, dass nur mehr Geräte der höchsten Effizienzklassen zulässig sind und andere verboten werden. Nur wenn konsequent Energie gespart werde, sei die Energiewende zu schaffen, betont der E-Control-Vorstand. In Österreich sei die Entwicklung in den letzten Jahren aber in die andere Richtung gegangen.


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