Der Fisch ist aus - bald für immer...
Der neue Greenpeace-"Fisch-Ratgeber" spült bedenkliche Fakten an: Die Bestände von beliebten Speisefischen sind mittlerweile um bis zu 90 Prozent geschrumpft. Dazu kommt der ökologische Wahnwitz, Pangasisus und Co. um die Welt zum Konsumenten fliegen zu lassen. Was tun also? Von Thomas Golser.

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Sie essen gerne Fisch und sind dabei nicht unbedingt wählerisch? Dann sollten Sie sich den Geschmack gewisser Sorten gut merken, weil es sie in einigen Jahren wohl nicht mehr geben wird: Während diverse an der Börse gut dotierte Ölmultis damit beschäftigt sind, die Spuren der gerade aktuellen Ölpest bzw. ihre Lecks an und unter Förder-Plattformen verschwinden zu lassen, werden die Meere leergefischt, als gäbe es keine Lehren von gestern oder heute - und schon gar kein Morgen. Auf diese Missstände macht der neueste Fisch-Ratgeber von Greenpeace aufmerksam: Dem Fisch steht das Wasser tatsächlich bis zur allerletzten Kieme, wie Zahlen, Fakten und Namen beweisen.
Bald nur noch in Lehrbüchern
Tunfisch, Schwertfisch, Dorsch, Heilbutt und andere in die Tiefkühlregale der Supermarkt-Welt geschlichtete Arten: Ihr Bestände sind bereits um 90 Prozent geschrumpft - sie könnten also schon sehr bald der zoologischen Vergangenheit angehören. So wie Snapper, Viktoriabarsch, Zackenbarsch, Papageifisch, Seeteufel oder Schwertfische. Drei von vier Fischbeständen sind massiv überfischt, gibt Greenpeace-Meeresexpertin Antje Helms zu Protokoll. Wer sich z.B. gerne einen exotischen Tiefseefisch wie den neuseeländischen Sankt Petersfisch bestellt, sollte daran denken, dass dieser 100 Jahre alt wird und erst mit 20 Jahren Nachkommen produziert: So wenige Nachkommen, dass das, was um den Globus geflogen wird und dann am Teller liegt, selbst 100 Jahre alt sein könnte: Eine den Appetit eher wenig anregende Vorstellung - und industrielle Befischung kann hier klarerweise schnell den gesamten Bestand auslöschen.
Greenpeace-Interview
"Falls es mit der Überfischung so weitergeht, wird es bald keinen Fisch, aber viele arbeitslose Fischer geben", so die Warnung von Greenpeace. Dass die Bestände schwinden, spürt die gesamte Fischfang-Industrie schon seit längerem - die "Lösung" sind immer rücksichtslosere Fangmethoden. Heute wird nicht mehr gefischt, sondern mit Super-Trawlern und Schleppnetzen am Grund "abgezogen". "Wer Scholle oder Seezunge isst, muss sich bewusst sein, dass in den Netzen ein Vielfaches an anderen Meerestieren verendet", warnt Axel Hein vom World Wide Fund For Nature (WWF): Pro Kilo Scholle fallen laut Experten bis zu 15 Kilo Beifang als "Müll" an, um danach tot wieder über Bord gekippt zu werden. Ganz zu schweigen von der Klima-Bilanz und dem ökologischen Wahnsinn dahinter: Ware mit schillerndem Namen, über Tausende Kilometer herangeschafft.
Konsumenten-Tipps
Ende 2011 haben sich EU-Mitgliedstaaten und EU-Kommission nach langem Ringen auf offizielle Fischfangquoten für 2012 geeinigt. Dabei stand - wie so oft zuvor - das Feilschen zwischen den Ländern um jeden Bestand in den verschiedenen Fanggebieten im Mitttelpunkt. In einigen Fanggebieten wurden die Quoten gesenkt - in anderen dürfen die Fischer aber fast doppelt soviel fischen wie im vergangenen Jahr. Ein neues Fischereiabkommen soll bis Ende des Jahres stehen, dürfte aber ein schwieriges Unterfangen werden - ebenso schwierig bis unmöglich wie die tatsächliche Überprüfung der Fangquoten. Gefragt ist also vor allem der Konsument, der sich informieren kann - zu oft aber von der Produkt-Politik des Handels davon abgehalten wird: Doch Nachfrage regelt noch immer das Angebot - was nicht nachgefragt wird, ist eines Tages auch nicht mehr attraktiv gefangen zu werden.
Fisch statt "Klimakiller Fleisch"
Der WWF weist mit einem Rechenbeispiel auf einen weiteren Aspekt hin: "Jeder Österreicher isst durchschnittlich knapp acht Kilo Fisch im Jahr. Der Fleischkonsum der Österreicher liegt hingegen bei 67 Kilo pro Jahr. Um ein Kilo Rindfleisch zu produzieren, werden ca. zehn Kilo Getreide benötigt. Ein Kilo Rindfleisch erzeugt 6,5 Kilogramm an Kohlendioxid, Gemüse beispielsweise durchschnittlich nur 150 Gramm". Nachhaltiger Fisch sollte statt bzw. vor dem "Klimakiller Fleisch" auf den Teller kommen: So der dringende Appell an jenen rar gewordenen Typus von Mensch, der noch in den Dimensionen Nachhaltigkeit und Bescheidenheit zu denken in der Lage ist.
Oder ist womöglich auch er längst eine akut vom Aussterben bedrohte Spezies?


















