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    Zuletzt aktualisiert: 10.03.2012 um 22:24 UhrKommentare

    Autor Salcher plädiert für die Selbstverbesserung

    Beststeller-Autor Andreas Salcher plädiert in seinem neuen Buch "Ich habe es nicht gewusst" für mehr Zivilcourage, Tatendrang und weniger Egoismus - vor allem beim Umweltschutz.

    Bestseller-Autor Andreas Salcher

    Foto © ORF/Günther PichlkostnerBestseller-Autor Andreas Salcher

    Herr Salcher, auf dem Umschlag Ihres neuen Buches hält einem ein Mädchen den Spiegel vor. Was sehen Sie, wenn Sie in den Spiegel schauen?

    ANDREAS SALCHER: Meistens schaue ich gar nicht so genau hin. Das ist es, was ich mit dieser Metapher ausdrücken will: Wir müssen uns trauen, uns selbst genauer anzuschauen. Es ist leicht, mit dem Finger auf die peinlichen Parteien oder den bösen Finanzkapitalismus zu zeigen. Es ist härter, mit dem Finger auf sich im Spiegel zu zeigen: Hast du im Rahmen deiner Möglichkeiten zumindest versucht, etwas zu verändern? Irgendwann einmal wird dir ein Kind diese Frage stellen. Willst du dann behaupten, du hättest von Hunger, Ausbeutung, Klimawandel, Menschenrechtsverletzungen nichts gewusst?

    Warum zerstören wir den Planeten wider besseres Wissen dennoch, lassen Ungerechtigkeit zu?

    SALCHER: Aus Torheit, Ignoranz und vor allem aus Angst. Es ist wie bei unserem Körper: Wenn wir die ersten Symptome spüren, machen wir einen noch größeren Bogen um den Arzt. Es könnte ja eine schlimme Krankheit sein. Es geht in meinem Buch aber nicht darum: Wie werde ich ein Heiliger? Sondern: Wo kann ich anfangen? Du alleine kannst die Welt nicht retten, aber suche dir ein, zwei Verbündete und macht im Kleinen, was euch möglich ist. Es ist vielleicht schon zwei vor zwölf, aber es ist noch nicht zu spät.

    Wir führen dieses Gespräch ein Jahr nach Fukushima: Braucht es solche Katastrophen, damit wir umdenken?

    SALCHER: Lernt der Mensch nur durch Schmerz? Es spricht vieles dafür, ich hoffe trotzdem, dass es nicht so ist. Manch einer hört erst zu rauchen auf, wenn er Lungenkrebs hat; andere früher, etwa aus Rücksicht auf ihre Kinder.

    Aber was kann ich tun, dass sich eine Kernschmelze wie in Fukushima nicht wiederholt?

    SALCHER: Den Mut zu haben, immer wieder Dinge infrage zu stellen. In Summe werden diese Fragen dann so mächtig, dass die Wirtschaftspartei CDU eine Totalwende ihrer Atompolitik einleiten musste. Mir persönlich war Umweltschutz früher kein inneres Anliegen. Ich dachte, ich werde den Klimawandel nicht aufhalten. Dann hat mich mein spiritueller Mentor, Benediktinerpater David Steindl-Rast, darauf aufmerksam gemacht, dass ich doch das Licht abdrehen könnte, wenn ich aus dem Zimmer gehe. Seitdem tue ich das - hält den Klimawandel auch nicht auf, aber es erinnert mich an meine Möglichkeiten in den kleinsten Dingen, zum Beispiel im Supermarkt darüber nachzudenken, was ich mit jeder Kaufentscheidung bewirke.

    Sie haben also wenigstens ein schlechtes Gewissen, wenn Sie im Winter Erdbeeren kaufen? Das hilft der Umwelt doch auch nicht.

    SALCHER: Ich würde es nicht schlechtes Gewissen, sondern ein anderes Bewusstsein nennen. Auf den ersten Schritt folgt der zweite. Man bewegt sich unweigerlich in diese Richtung weiter. Dann verändern sich die Synapsen im Gehirn, es gibt kein Zurück mehr in die Ignoranz. Ich zitiere eine Studie, die untersucht hat, warum Menschen in einem totalitären Regime zu Widerstandskämpfern werden: Die meisten entschließen sich nicht von heute auf morgen dazu, Helden zu werden. Sie lassen sich einmal dazu hinreißen, einen Verfolgten zu verköstigen oder einen Brief weiterzuleiten und geraten Stück um Stück in den Widerstand. Das will ich mit meinem Buch erreichen: die Leser in ein neues Bewusstsein hineinziehen - es geht um Selbst-, nicht um Weltverbesserung.

    Trotzdem fahren Sie einen BMW. Ich wiederum verzichte, weil ich in Wien keines brauche, zwar auf ein Auto, aber ich habe für dieses Interview hemmungslos per Google recherchiert, obwohl ich nicht erst seit der Lektüre Ihres Buches weiß, wie viel Energie das verbraucht. Was nützt der eine Verzicht, wenn ich mir dafür umso mehr erlaube?

    SALCHER: Das ist die zentrale Frage, die jeder jeden Tag für sich beantworten muss: Rechtfertigt die Wirkung, die wir mit diesem Interview hoffentlich erzielen, die verbrauchte Energie? Ich bin für dieses Buch auch in die USA geflogen, um namhafte Wissenschaftler zu interviewen - guten Gewissens. Aber ich nutze mein Auto in der Stadt kaum noch und Sie werden vielleicht privat nicht mehr so viel googeln, jetzt nachdem wir darüber geredet haben. Und dann werden Sie in Ihrem Freundeskreis darüber diskutieren und andere damit anstecken, die dann wieder bewusstere Konsumentscheidungen treffen.

    Viele können sich Biofleisch und fair produzierte Kleidung aber einfach nicht leisten.

    SALCHER: Nehmen wir eine Alleinerzieherin, die fulltime arbeitet und trotzdem wenig verdient. Sie serviert ihren Kindern dann vielleicht noch die teurere Tiefkühlkost, weil sie keine Zeit zum Kochen hat. Trotzdem hat sie die Chance, sich zu engagieren - auf einem anderen Feld: Wenn sie den einen Lehrer, der sich um ihr Kind bemüht, bestärkt, pflanzt sich diese positive Energie weiter. Mein Vorschlag: Suche dir zwei, drei Bereiche heraus, die dir wichtig sind, und versuche drei, vier Dinge auf diesem Gebiet zu ändern. Wer gleich 17 Vorsätze fasst, gibt nach zwei Wochen auf. Ich zum Beispiel war seit der Schülervertretung immer ganz gut im gesellschaftlichen Engagement . . .

    Nimmt der Umweltschutz deshalb den meisten Raum in dem Buch ein, weil Ihnen das Thema das fernste war?

    SALCHER: Ich war vor einem Jahr tatsächlich geistig noch ganz woanders. Ich durchlaufe bei meinen Büchern selbst den Prozess der Bewusstseinsbildung, den ich meinen Lesern dann anbiete. Wäre ich Klimaexperte, hätte ich ein anderes Buch geschrieben.

    Sie waren viele Jahre lang Landtagsabgeordneter in Wien. In welcher Rolle haben Sie mehr bewirkt: Politiker oder Autor?

    SALCHER: Unbestreitbar als Autor. Ich habe mit meinem Buch "Der talentierte Schüler und seine Feinde" in wenigen Tagen mehr bewirkt als in 25 Jahren in der Politik. Ich hätte das Buch aber ohne die Erfahrungen aus der Politik, ohne dass ich die Popper-Schule für Hochbegabte auf den Weg gebracht hätte, nicht geschrieben.

    Was halten Sie denn von den Wut- und Mutbürgern?

    SALCHER: "Wutbürger" halte ich für das Unwort des letzten Jahres, es kommt in meinem Buch kein einziges Mal vor. Versuchen Sie körpersprachlich "Wut" auszudrücken: Sie ballen die Fäuste, ziehen alles zusammen. Und jetzt "Empörung": Sie richten sich auf. Ich finde Stéphane Hessels Essay "Empört euch!" den spannendsten Ansatz zu diesem Thema.

    Sie haben Bestseller über die Schule, verletzte Seelen, das Leben im Bewusstsein des Todes verfasst. Das "profil" hat Sie deshalb unlängst in einem Artikel über "die neuen Gurus" als Privatgelehrten für eh alles beschrieben. Es wäre nett, wie Sie sich einmischten, Sie würden aber esoterische Banalitäten verbreiten. Kränkt Sie das?

    SALCHER: Im Gegenteil, für den Artikel hätte ich sogar bezahlt. Mich, als einzigen Österreicher, in eine Reihe mit Paulo Coelho und George Soros zu stellen - damit kann ich gut leben. Guru heißt erleuchteter Lehrer und das bin ich sicher nicht. Sie sind mein Zeuge.

    Zum Schluss möchte ich Ihnen eine Frage von Max Frisch stellen, die Sie selbst in Ihrem Buch zitieren: Hoffen Sie angesichts der Weltlage a) auf Vernunft? b) auf ein Wunder? c) darauf, dass es weitergeht wie bisher?

    SALCHER: Ich setze auf die Vernunft - und das Herz. Alle großen Leute, die ich in meinem Leben kennenlernen durfte, - Coelho, Isabel Allende, den Dalai Lama - haben einen scharfen Verstand und sehr viel Mitgefühl. Das Herz braucht man, damit man spürt, dass es einen betrifft, und den Verstand, um die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen und gute Entscheidungen zu treffen.

    INTERVIEW: EVA WEISSENBERGER

    Fakten

    Karriere: Salcher studierte Betriebswirtschaft in Wien und besuchte einen Managementlehrgang in Harvard. Mit 27 Jahren zog er für die ÖVP in den Wiener Landtag ein, dem er in Folge 12 Jahre lang angehörte. Salcher initiierte die Popper-Schule für Hochbegabte in Wien und organisierte die Denkwerkstatt "Waldzell". Sein 2008 veröffentlichtes Buch "Der talentierte Schüler und seine Feinde" wurde zum Bestseller. Seitdem widmete er sich jedes Jahr einem neuen Thema, alle drei Bücher waren erfolgreich.

    Foto

    Foto © Ecowin Verlag

    "Ich habe es nicht gewusst", das neue Buch von Andreas SalcherFoto © Ecowin Verlag

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