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    Zuletzt aktualisiert: 28.01.2012 um 21:16 UhrKommentare

    Energieautarkie in Güssing: Mehr Schein als Sein?

    "Die Welt soll Güssing werden", forderte Arnold Schwarzenegger nach seinem Besuch in der südburgenländischen Stadt. Doch das Mekka der Ökoenergie hat starke Schlagseite bekommen.

    Zu Besuch: Arnold Schwarzenegger bei Güssings Bürgermeister Peter Vadasz

    Foto © APA/PESSLEHNER Zu Besuch: Arnold Schwarzenegger bei Güssings Bürgermeister Peter Vadasz

    Es war ein hoher Gast, den Güssing Anfang der Woche begrüßte. Arnold Schwarzenegger hatte es sich nach dem Kitzbühel-Wochenende nicht nehmen lassen, die 4000-Einwohner-Stadt im Südburgenland zu besuchen. Und der Ex-Gouverneur und Öko-Fan war restlos begeistert. In Güssing werde keine Kilowattstunde Energie mehr importiert, schwärmte er wenige Stunden später - und gab die Parole aus: "Die ganze Welt soll Güssing werden."

    Tatsächlich hat die Stadt am Fuße einer hochmittelalterlichen Burganlage in den vergangenen zwei Jahrzehnten viel erreicht. Sechs Biomassewerke versorgen die Güssinger heute mit Strom und Wärme; Fotovoltaik- und Biogasanlagen speisen in die Netze ein. Die Stadt vermarktet sich als energieautark, als "unabhängig bei Strom, Wärme und Kraftstoffen von allen Energieversorgern". So erfolgreich, dass Güssing mehrere Großbetriebe und unzählige Öko-Touristen angelockt hat. Umweltminister Nikolaus Berlakovich versäumt kaum eine Gelegenheit, die Stadt in seinem Heimatbundesland als Vorbild für ganz Österreich zu loben.

    Klingt nach einem realen Märchen, wäre da nicht ein Haken: Güssing steht heute nicht annähernd dort, wo es angeblich sein soll. 2008 lag der Grad an energetischer Eigenversorgung bei 51 Prozent, neuere Zahlen veröffentlicht die Stadt nicht mehr.

    Wie kommt es, dass Schein und Sein so weit auseinanderklaffen? Nachdem der Güssinger Gemeinderat unter Bürgermeister Peter Vadasz 1990 den Beschluss gefasst hatte, die Energieversorgung der Stadt unabhängig zu machen, und fünf Jahre später mit dem EU-Beitritt Österreichs beträchtliche Fördermittel zu fließen begannen, herrschte in der strukturschwachen Region Aufbruchstimmung. Nah- und Fernwärmenetze wuchsen, rasch war das "Modell Güssing" geboren. Die gut vernetzten Marketingstrategen lockten in den Folgejahren teils mehrere Hundert Besucher pro Woche ins neue Öko-Mekka, um ihnen die "Zauberformel der energetischen Unabhängigkeit" näherzubringen. Güssing boomte, Hotels sperrten auf - und die Pläne gediehen.

    Pleite beim Biosprit

    2007 verkündete die Stadt, binnen drei Jahren den gesamten Bezirk energieautark machen zu wollen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt allerdings konnte von einer Energieunabhängigkeit Güssings keine Rede mehr sein. Bereits 2006 war das Güssinger Biodieselwerk in die Insolvenz geschlittert, womit der Traum vom eigenen Sprit vorerst vorbei war. Der Eigenversorgungsgrad der Stadt sackte ab. Bei der Elektrizitätsversorgung war die Unabhängigkeit von Beginn an nur eine rechnerische gewesen. Von den Stromnetzen der großen Versorger konnte sich Güssing freilich nie abkoppeln.

    Auch beim Energieverbrauch und beim Kohlendioxidausstoß gehen die Kurven seit Jahren wieder nach oben. Hauptverantwortlich dafür sind ironischerweise die vielen Betriebe, die sich aufgrund des Öko-Aufschwungs in der Stadt ansiedelten. "Wir haben jetzt Parkettfirmen, Solarhersteller und viele mehr. Da kommt es vor, dass ein einziger Großbetrieb mehr Energie braucht als die gesamte Stadt", sagt Reinhard Koch, Geschäftsführer des Zentrums für Erneuerbare Energie und neben Bürgermeister Vadasz der Ideengeber hinter der Öko-Stadt.

    Während Strom-, Wärme-, und Treibstoffverbrauch weiter nach oben kletterten, lag auch der CO2-Ausstoß der Stadt 2008 immer noch bei 25.000 Tonnen. Zwar kein ganz schlechter Wert. Allerdings hätte die Stadt dem Plan nach schon 2006 um 90 Prozent darunter liegen sollen.

    Rund 60 Millionen Euro hat Güssing laut Koch bislang in den Ausbau der Öko-Energien fließen lassen. Der Jahresumsatz liegt bei 15 Millionen Euro, womit sich die Investitionen auf direktem Weg nicht so bald rechnen werden. Das liegt mitunter daran, dass nicht alle Anlagen Geld abwerfen. Das Herzstück der Güssinger Energieversorgung etwa, ein Biomassekraftwerk mit Wirbelschichtholzvergasung, läuft seit seinem Bau 2001 als Forschungsprojekt und produziert jährlich Abgänge. Mehr Profit brachten die indirekten Folgen des Güssinger Wegs in Form von Kommunalsteuern und Arbeitsplätzen.

    Von "Energieautarkie" spricht Bürgermeister Vadasz heute nur noch ungern. Entscheidend sei ein "hoher Anteil an Eigenversorgung". Zumindest den hat Güssing - bei allen Vorbehalten - zweifellos erreicht.


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