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Zuletzt aktualisiert: 02.12.2011 um 08:42 UhrKommentare

"Wir folgen keinen Trends, wir machen Trends"

Von vielen anfangs belächelt, feiert das Grazer Brillen-Label Andy Wolf heute international Erfolge - nicht zuletzt dank der eigenwilligen Designs von Kreativ-Kopf Katharina Plattner.

Katharina Plattner inmitten ihrer Models

Foto © Gernot EderKatharina Plattner inmitten ihrer Models

Katharina Plattner hat es geschafft, würde man wohl landläufig behaupten. Die gebürtige Grazerin feiert als kreativer Kopf des Brillenlabels Andy Wolf internationale Erfolge, ihre Kollektionen werden auf den Laufstegen von Mailand bis Paris bejubelt und blicken uns auf den Nasen von Eric Clapton und Elton John aus der Vogue entgegen. "Das macht uns natürlich stolz", erzählt Plattner, "vor allem weil sich das am Anfang niemand gedacht hätte". Gemeinsam mit Geschäftspartner Wolfgang Scheucher hat sie das Label 2006 gegründet, "ganz ohne Startkapital, mit nichts als unseren Ideen" wie sie betont. Während Scheucher sich um die Vermarktung kümmert, zeichnet Plattner für den so typischen "Retro-Chic" des Labels verantwortlich.

Dabei hatte die heute 36-Jährige mit Mode anfangs wenig am Hut. Ins Designgeschäft sei sie "einfach so reingerutscht", wie sie freimütig zugibt. Aus dem einfachen Grund, weil sie es "selber machen, besser machen" wollte. "Und wenn ich was will, dann zieh ich das auch durch", erzählt sie lächelnd. Dass sie ursprünglich einen wirtschaftlichen Hintergrund hat, erst die HAK absolviert und später einige Semester BWL studiert hat, sieht sie heute als Vorteil: "Immerhin kann ich Bilanzen lesen und Businesspläne machen. Vielleicht funktioniert ja deswegen unsere Firma auch so gut", lacht sie.

Einblicke

Ihre Inspiration entspringt Plattners Liebe zu alten Filmen, wie sie erzählt. Zu Heimatfilmen aus der Nachkriegszeit im Allgemeinen und zu Miss Marple im Besonderen. Zu schönen Frauen und zuvorkommenden Männern. Ein verstaubtes Bild, das heute den Nerv der Zeit zu treffen scheint. "Vieles kam sicher durch die Wirtschaftskrise. Die Leute wollen sich einfach wieder zurückbesinnen auf alte Werte", wagt Plattner einen Erklärungsversuch. Je unsicherer die Zeiten desto retrolastiger die Mode? Der Erfolg scheint dem Label recht zu geben - "wobei es freilich nicht reicht, einfach eine Brille von vor 40 Jahren aufzusetzen, das würde nicht gut aussehen" betont Plattner: "Retro nimmt Anleihe an vergangene Zeiten, die aber natürlich im Hier und Jetzt interpretiert werden müssen". Daneben setzt man im Hause Andy Wolf auf ein Konzept der Exklusivität - nur 500 Stück pro Farbe werden in der Manufaktur in Hartberg produziert.

Seit Herbst 2010 bietet das Label zudem Sonnenbrillen an - "da kann man sowieso ein bisschen mutiger sein", erzählt die Designerin. Obwohl sich mittlerweile auch bei den optischen Brillen einiges getan hat, "die sind ja heute schon eher modisches Accessoire als optischer Sehbehelf", weiß Plattner. Immer mehr Kunden gebe es, die sich gar Fensterglas-Brillen bestellen. Vergessen die Zeiten, als die eigene Kreation als "Krankenkassenmodell" belächelt wurde: "Wir waren damals einfach zu früh dran", erinnert sich Plattner - und setzt schmunzelnd nach: "Wir folgen eben keinen Trends, wir machen Trends".

Mehr modisches Bewusstsein würde sie sich allerdings von den heimischen Optikern, über die Andy-Wolf-Brillen neben ein paar Modeshops vertrieben werden, wünschen: "Viele übersehen einfach, dass sie auch Mode verkaufen", so die Designerin. Umso größer ist dafür der Erfolg im Ausland. 90 Prozent der Kollektion werden exportiert, "aber", betont Plattner "zu 100 Prozent in der Steiermark produziert".

Nachhaltigkeit und "Social Responsibility", das sind Themen die Andy Wolf am Herzen liegen. "Das leben wir selbst und das setzen wir auch in unserer Firma um", erklärt Plattner. Die Produktion ins billige Ausland auszulagern sei nie Thema gewesen. "Reich werden wir damit natürlich nicht", räumt sie ein, "aber dafür stehe ich jeden Tag mit einem guten Gewissen auf".

Ausblicke

Auch an neuen Visionen mangelt es der Powerfrau nicht. Neben einer neuen Kollektion bleibt Nachhaltigkeit das große Thema - künftig sollen nämlich auch die Verpackungen des Labels "made in Austria" sein, ein entsprechendes Projekt gibt es bereits. Und auch die Arbeiten an einer neuen Werbelinie laufen bereits auf Hochtouren. Nach Kochbuch und Krimi als kreativem Lookbook liegen die Erwartungen entsprechend hoch, doch Plattner will noch nicht viel verraten - außer, "dass es um Musik gehen wird. Und dass es lustig wird. Das sowieso", erzählt sie lachend. Fans und Kunden müssen sich aber noch bis Sommer 2012 gedulden. Was sie jungen Designern rät, um es ihrem Erfolg gleich zu tun? "Einfach sein Ding durchziehen. Und auch dran glauben. Rückschläge gibt's immer, aber man muss einfach durchbeißen". Für Katharina Plattner hat es sich gelohnt. Und für Andy Wolf Eyewear sowieso.

CHRISTINA MAIER

Fakten

Katharina Plattner wurde 1975 in Graz geboren. Sie ist geschäftsführende Gesellschafterin und Creative Director der Andy Wolf Fashion GmbH (2006 gegründet). In der Manufaktur werden Brillen von Hand gefertigt und weltweit Optiker beliefert.



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