Fixies: Die neuen It-Bikes
Einst nur von Fahrradboten getreten, haben sich Fixie-Bikes zum Lifestyle-Objekt gemausert.

Foto © YouTubeOhne Bremse, ohne Klingel, ohne Licht: Fixies fahren ohne Ballast
"Die Ein-Gang-Gang." Titelte die "taz". "Diese Räder sind wilder als die Polizei erlaubt", bilanzierte die "Welt". Und der Vorspann einer "Arte"-Doku lautete: "Sie sind skrupellos, lebensmüde - und sie lieben ihre Räder." Viel böser Wind um zwei dünne Reifen. Halt! Die Rede ist nicht von einem gewöhnlichen Fahrrad, sondern von einem Fixie, dem derzeit wohl populärsten Bike auf urbanem Asphalt - und zwar von New York bis Tokyo. Die puristischen Gestelle werden nun auch immer öfter auf österreichischem Boden gesichtet. Also: Wer oder was ist ein Fixie?
Ohne jeden Schnickschnack.
Fixie steht als Abkürzung für "Fixed Gear Bikes", hat mit der
Windelmarke also nix am Hut. Fixies sind Räder, die ohne jeden Schnickschnack auskommen. Also ohne Freilauf, ohne Schaltung,
ohne Bremsen, ohne Federung, ohne Licht. Reduzierte Maschinen
mit maximaler Funktion.
Großstadt-Gefährten.
Ihr Ursprung liegt in den Bahnrädern der Kurierszene New Yorks in den 80ern. Heute sind Fixies darüber hinaus noch mehr:
Lifestyle-Objekte nämlich. Hübsche puristische Fortbewegungsmittel
für detailverliebte Großstadtmenschen, sowohl tauglich für ästhetische Bobos als auch für ökologisch korrekte Lohas und
sportliche Freaks. "Vor drei Jahren hat es in Wien insgesamt vielleicht 30 Fixie-Fahrer gegeben und heute? Sieht man alleine 20
irgendwo im Museumsquartier herumstehen. Fixies sind keine
Elite mehr", sagt Alec Hager, Fixie-Fahrer und "Radtheoretiker"
von der Zeitschrift "Velosophie".
Start-Vorteil.
Und die Boten? Die fahren sie nach wie vor. "Weil man damit einfach unglaublich schnell ist. Und im Straßenverkehr einen Startvorteil genießt." Sagen zwei, die's wissen müssen. Martin Puchberger und Benjamin Duh. Zwei Fahrradkuriere, die im Berufsleben auf die Codenamen Meister Propper und Zappa hören. Zwei Bengel, einer mit und einer ohne Bremsen. Puchbergers Fixie wurde unlängst geklaut,
ein Kollege, mit dessen Rad er fürs Foto posiert, hat eine winzige
Bremse. Sonst wären sie zwei Bengel ohne Bremsen. Bestimmt.
Tret-Esel.
Ihre eigenen Fixies sind selbst gebastelt - aus alten Puch-Rahmen.
Den beiden Boten geht es aber nicht unbedingt um die puristische
Optik. "Sondern um das Fahrgefühl." Das sei ein völlig anderes.
Ein Fixie fährt sich nämlich nicht wie ein normaler Drahtesel. "Pedale und Hinterrad sind über die Kette fest (fixed)
miteinander verbunden", sagt Puchberger. Das heißt: Man muss
ständig mittreten, sobald das Hinterrad rollt. Ständig bedeutet
hier wirklich ständig. Das erfordert ein wenig Übung und viel Balance. Duh fährt erst zum zweiten Mal Dienst mit dem
Fixie und ist "noch ein bisschen vorsichtig."
Schwierigkeiten.
Das Schwierigste am Fixiefahren ist nicht die Fortbewegung an sich (immerhin durchaus mit 45 km/h), sondern das Stehenbleiben ohne Bremsen. Wie? "Da haben sich in der Praxis einige Tricks bewährt", lassen die Boten ausrichten. "Skiddung" nennt sich zum Beispiel jene Version, bei der sich der Fahrer weit nach vorne beugt, so dass das Hinterrad beinahe den Kontakt zum Boden verliert. Möglich ist auch ein "Konter", ein Treten gegen die Kurbel. Das klingt akrobatisch.
Und will geübt sein. Das Üben mündet mittlerweile in eigenen
Shows und Wettkämpfen oder im Funsport Fixie-Polo (siehe rechts).
Fixie-Outfit.
Zum Fixie-Rad passt, wie es sich für einen Trend schickt, auch
das passende Fixie-Outfit. Demnächst soll in Wien der erste Fixie-Store eröffnen. Dann wird sich das Virus ausbreiten und es werden wohl noch mehr als 20 Fixies im Museumsquartier stehen.
Features
FIXIE & FERTIG

Wer selbst nicht bastelt, besorge sich ein Komplettrad – etwa unter singlespeedshop.deGrafik © singlespeedshop.de
Wer selbst nicht bastelt, besorge sich ein Komplettrad – etwa unter singlespeedshop.deGrafik © singlespeedshop.de
Rad-Polo
Wer sein Rad liebt, der schiebt – die Kugel, die schnelle wohlgemerkt. Rad-Polo ist die Draufgabe zum Fixie-Hype. In Österreich schwingen Fixie-, BMXoder Klappradfahrer gemeinsam die Schläger. Treffpunkt: Sonntag Nachmittag auf dem Messeplatz in Wien.






















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