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Zuletzt aktualisiert: 20.04.2009 um 14:17 UhrKommentare

Der Logo-Taschen-Index

Auch die Luxusgüter-Branche hat von der Krise Kratzer abbekommen. Spezial-Editionen von Luxus-Taschen und so genannte It-Bags sind scheinbar krisenresistent. In den Pariser Shopping-Meilen werden sie als Wertanlage betrachtet.

Foto © AP

Auf dem Kassendisplay erscheint die Summe von 5325 Euro. Ohne mit der Wimper zu zucken, zückt die elegante Pariserin ihre Kreditkarte. Dafür werden ihr von der Concierge drei dunkelbraune Tragtaschen mit den begehrten Initialien LV ausgehändigt. Sie zieht mit ihrer Beute hochzufrieden ab.

Umsatz. Fast zwölf Milliarden Euro Umsatz machte der weltgrößte Anbieter von Luxusgütern LVMH Moet-Hennessy Louis Vuitton SA. Die Bilanz stammt vom Oktober 2008. Da war die Welt für den Pariser Konzern, der die hübschen Marken Louis Vuitton, Dior, Gucci, Guerlain, Givenchy, Tag Heuer, Hublot, De Beers und Moet Chandon, Hennessy unter einem Dach vereint, noch schwer in Ordnung. Es schien, als würden die Luxusstücke von keiner noch so hässlichen Krise Kratzer abbekommen. Zum Jahresende gab es der Milliarden-Konzern schon billiger.

Verluste. "Binnen einem Jahr haben auch sehr solide Gruppen wie Richemont (Cartier, Montblanc) oder die LVHM Gruppe 40 Prozent ihres Börsenwertes verloren", klagt ein Analyst einer Pariser Bank. "Das hat es noch nie gegeben."

Weihnachtsgeschäft. Auch das Weihnachtsgeschäft hat die Branche nicht wirklich herausgerissen. Normalerweise tourten die Frauen russischer Oligarchen durch die europäischen Hauptstädte, um sich sündteure Kleinigkeiten schenken zu lassen. Dieses Jahr haben sie durch Abwesenheit geglänzt. Auch Japaner, die wie Termiten über alles herfallen, was ein Logo vor sich herträgt, verfielen in Selbst-Kasteiung. In Japan fielen die Umsätze der Gucci-Mutter um sieben Prozent, sodass die Franzosen sogar ihren Plan begraben haben, die größte Taschen-Boutique der Welt in Tokio zu eröffnen.

Neue Zeiten. So als würde es die negativen Meldungen untermauern wollen, trennte sich das Modehaus Chanel kürzlich von 200 seiner Mitarbeiter. Im siebenstöckigen Louis Vuitton-Store an der Champs Élysées trotzt man mit neonbunten Grafitti der Krise und streut den Kunden Rosen. Insider wissen, dass die neue Kollektion eine Hommage von Kreativdirektor Marc Jacobs an den verstorbenen Künstler Stephen Sprouse ist. "Speedy"- und "Never Full"- Taschen mit den Sprouse-Rosen gehen weg wie die warmen Semmeln. "Louis Vuitton hat am Höhepunkt der Krise eine völlig neue Linie lanciert. Wegen des auffallenden Designs und der limitierten Teile finden die Sprouse- Bags reißenden Absatz", ist Elisabeth Himmer Hirnigl, österreichische Kommunikations-Lady von LVMH überzeugt, dass kreative und anspruchsvolle Produkte zu allen Zeiten Abnehmer finden werden. "Die Kundin will nur selektiv entscheiden,wofür sie ihr Geld ausgibt."

Verkauf. Im Pariser Taschen-Palast kann man sich über Frequenz nicht beklagen. "Die Kunden greifen entweder zu ganz teuren oder zu preisgünstigeren Modellen, gekauft wird aber nicht weniger", gibt Verkäuferin Jeanne gerne Auskunft. Günstig heißt für eine Speedy 430 Euro, für einen Schlüsselanhänger 105 Euro. Für die Monogram Etoile muss man schon 2420 Euro lockermachen.

Zeitlos ist gefragt. Abteilungsleiterin Genevieve glaubt zu wissen, dass viele Damen die limitierten Luxusstücke als Wertanlage in der Krise betrachten. "Bevor sie mehrere billige Taschen kaufen, nehmen sie lieber eine, die nie aus der Mode kommt und die sie das ganze Jahr tragen können."

Ruhig. In der noblen Pariser Shopping-Meile, der Rue Faubourg St. Honore, ist es ruhiger als sonst. Über den cremefarbenen Teppichboden bei Chanel stöckeln nur wenige Kunden. Die Limited Editions der Chanel Parfums kosten hier immerhin 400 Euro, die begehrten Taschen mit der typischen Gliederkette bekommt man nicht unter 2000 Euro. Geht man ein paar Adressen weiter zur Nobelmanufaktur Hermes und verlangt nach einer Kelly- oder Birkin-Bag, vorzugweise aus Kroko, kann man schon 20.000 Euro hinblättern. Wartelisten der begehrten Tasche zeigen, dass es immer noch genug Nachfrage dafür gibt. Hochkonjunktur haben derzeit die zahlreichen Designer-Second- Hand-Shops in Paris. Dort findet man alles, von Chanel-Jacken und -Schuhen bis zu Hermès-Tüchern.

Bleibende Werte. Auch Kellys und Birkins – zwar ohne Warteliste und schon etwas patiniert - aber immer noch um 3500 Euro. Die Besitzerin eines Second-Hand- Ladens in der Innenstadt, Madame Geraud, hat trotz saftiger Preise keine Absatzprobleme. Nur jene, die die guten Stücke nach kurzer Tragezeit bei ihr abgeben, werden rar. "Die Damen tragen jetzt ihre Designerstücke länger und öfter als früher." So viel zur Krise.

ELISABETH TSCHERNITZ-BERGER

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