Die Windsors: Zwischen Pein und Peinlichkeit
Die Windsors sind der Queen schrecklich nette Familie. Viele Ehen scheiterten, Elizabeth II. war nicht nur einmal "not amused". Aber es gibt und gab auch Glücksmomente im Leben von Großbritanniens Königsfamilie.

Foto © APDiana und Charles: Weltberühmter Kuss am Beginn einer verhängnisvollen Ehe
Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich", schrieb Leo N. Tolstoi. Aber der Russe kannte die Windsors nicht. Sie sind anders. In Glück und Unglück, die bei ihnen oft sehr nahe beieinanderliegen.
Wie etwa bei Edward VIII., der 1936 auf den britischen Thron verzichtet hat, weil ihm die Liebe zur geschiedenen Wallis Simpson wichtiger war. Dass die Ehe, die er mit ihr schloss, glücklich blieb, bezweifeln Historiker.
Jetzt ist Elizabeth II. die Chefin im britischen Königshaus. Seit Jahrzehnten, in denen ihr nicht nur ihr Enkel Party-Prinz Harry Grund gab, "not amused" zu sein. Sie lächelte dennoch, wenn auch manchmal verkrampft.
Rekorde über Rekorde
Es regnete in Strömen, als sie, 27 Jahre alt, am 2. Juni 1953 gekrönt wurde. Eineinhalb Jahre zuvor, seit dem Tod ihres Vaters George VI., hatte sie das Zepter übernommen. Sie könnte einst Ururgroßmutter Queen Victoria den Rang ablaufen: Sie prägte ein Zeitalter und saß 64 Jahre lang auf dem englischen Thron.
59 Jahre und 13 Tage lang musste Edward VII. damals ausharren, ehe er kurz König sein durfte. Sein Ururenkel Prinz Charles hat ihm vor wenigen Tagen den Rang abgelaufen: Der 62-Jährige hält jetzt den Thronanwärter-Rekord.
Sollte Elizabeth II. die Veranlagung ihrer Mutter geerbt haben - die Queen Mum, Lieblingsgroßmutter vieler Nationen, war 104, als sie starb -, so dürfte Charles noch lang abwarten und Tee trinken, ehe man ihm die Krone aufsetzt. Aber der royale Biobauer und Schirmherr zahlloser Wohltätigkeitsorganisationen, dem man zugleich vorwirft, zu luxuriös zu leben, hatte es nie leicht.
Er habe eine "elende Kindheit" gehabt, verriet er. Schon als der älteste Sohn der Queen drei Jahre alt war, hatte sie täglich nur eine halbe Stunde Zeit für ihn: von 9 Uhr bis 9.30 Uhr. Während sich bürgerliche Kinder königlich amüsierten, schickte man ihn auf Eliteschulen. Dann ging's ab an die Uni - und zur Air Force.
Richtig unglücklich machte er sich und Lady Diana Spencer mit der Hochzeit 1981. Es war eine Ehe zu dritt. Details sind bekannt. Palastmauern sind zu dick, um etwas nach außen dringen zu lassen. Aber sie haben Ohren.
Alle Welt hörte daher mit beim Liebesgeflüster mit Camilla und hatte teil am Rosenkrieg mit Diana. Bis zur Scheidung 1996, die die Königin gar nicht amüsierte. So wenig wie der Unfalltod, der Diana 1997 unsterblich machte und die Queen als hartherzig erscheinen ließ. Zu lange dauerte es, ehe Buckingham Palace die Fahne auf Halbmast setzte.
Glück nach all dem Unglück: Nach Jahrzehnten schaffte es Prinz Charles doch noch, seine Langzeitgeliebte Camilla zur Ehefrau zu machen. Ihr Zähneknirschen hörte man nicht, aber man sah es der Queen an.
Troubles hatte die jetzt 85-Jährige aber auch - oder vor allem - mit ihrem zweitältesten Sohn Prinz Andrew und dessen (mittlerweile Ex-)Frau Sarah Ferguson. "Randy Andy" hat den Ruf eines Playboys. "Fergie", die zu Prinz Williams Hochzeit nicht eingeladen ist, machte vor der Scheidung 1992 mit Oben-ohne-Fotos und anderen Skandalen Schlagzeilen. Jüngst fiel die hoch Verschuldete auf Reporter hinein, die vorgaben, als Geschäftsleute für die Vermittlung eines Termins mit Prinz Andrew ein Vermögen zahlen zu wollen.
Lust und Frust
Auch Prinzessin Margaret, verstorbene Schwester der Queen, zählte zu den lustigen wie frustigen Weibern von Windsor: Den geschiedenen Peter Townsend durfte sie zuerst nicht heiraten. Später wollte sie das nicht mehr. Ihre Ehe mit Antony Armstrong-Jones, den die Königin zum Earl of Snowdon erhob, war unglücklich. Ihre Urlaube hatte sie schon zuvor meist ohne Ehemann in der Karibik verbracht. Mit Rolling Stone Mick Jagger und Konsorten, mit Alkohol & Co.
Pech in der Liebe hatte auch Prinzessin Anne, einzige Tochter der Queen. Vom ersten Ehemann Mark Phillips, mit dem sie zwei Kinder hat, ließ sie sich 1992 scheiden, nahm aber gleich noch einen Anlauf: Im selben Jahr ehelichte sie Timothy Laurence.
Prinz Philip sagt über seine Tochter: "Was nicht furzt und kein Gras frisst, interessiert sie nicht." Das ist bei Weitem nicht die deftigste Aussage des "Königs der Fettnäpfchen", der im Juni 90 wird. In den sich die Queen verliebte, als sie 13 war. Mit 21 gab sie ihm das Jawort. Dazu stand sie stets. Auch zu seinen einst angeblich nicht nur verbalen Ausritten.
Zur Frage, ob sie glücklich sei, schweigt sie majestätisch.



















