Traumhochzeit zwischen Etikette und Hofzeremoniell
Er wird von vielen beneidet. Der Botschafter Österreichs, Emil Brix, ist als einziger Vertreter der Republik zur Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton eingeladen. Seine Garderobe: der klassische "Morning Coat".

Foto © Christina MaierDer Botschafter Österreichs, Emil Brix.
Beim ersten Mal gab Emil Brix der Königin einen Handkuss. Das war 1999, als er noch nicht Botschafter, sondern Direktor des Österreichischen Kulturinstitutes in London war. Die Queen war not amused. "Sie sind wohl noch nicht lange hier bei uns", hätte sie gemeint, erzählt der Diplomat lächelnd bei seiner Erinnerung daran. Wir befinden uns in der österreichischen Botschaft in der Belgrave Mews, einem imposanten Gebäude noch aus der k.& k. Zeit, nur wenige Gehminuten vom Buckingham Palace entfernt. Von dort aus wird sich Kate Middleton in zwei Tagen auf den Weg machen, um ihrem Prinzen in der Westminster Abbey das lang ersehnte Jawort entgegen zu hauchen. Als einziger Österreicher wird Emil Brix bei der Zeremonie dabei sein: "Ich freue mich schon sehr auf dieses Ereignis, weil es so etwas nur einmal im Leben gibt", gesteht er lächelnd.
Dass ihm ein Etikettenfehler wie anno 1999 passiert, davor hat der studierte Historiker keine Angst: "Man lernt das hier mit der Zeit". Will er auf Nummer sicher gehen, genügt ein Blick auf die Einladung. Die enthält nämlich seitenweise Details zum Ablauf und zur Etikette. Erst heute Morgen kamen neue Anweisungen zum Protokoll aus dem Buckingham Palace. Das strenge Hofzeremoniell sei aber auch schon etwas gelockert worden, relativiert Brix. Waren etwa bei der letzten "Traumhochzeit" von Prinz Charles und Lady Diana für Herren ausschließliche "Morning Coats" – die Vormittagsversion des Fracks – zulässig, darf man diesmal auch einen festlichen Anzug (Longue Suit) oder die Tracht seines Heimatlandes (Uniform) tragen. Und in welchem Zwirn wird Brix dem Brautpaar seine Aufwartung machen? "Ich habe mich für den einen traditionellen Morning Coat entschieden". Die Farbwahl der Krawatte lässt er sich noch offen: "Das mache ich wetterabhängig".
Derart heraus geputzt muss der Vertreter der Republik auch die Fernsehkameras nicht fürchten, die ihn sicherlich das eine oder andere Mal einfangen werden, zumal der Diplomat in der sogenannten "Poets Corner" weit vorne im rechten Seitenschiff der Kirche postiert worden ist. "Von dort aus werde ich einen hervorragenden Blick auf die Zeremonie haben werde", freut sich Brix.
Dass ihm viele um die Einladung beneiden, ist dem Botschafter bewusst. "Das höre ich öfters", schmunzelt er. Doch selbst die eigene Frau darf den Diplomaten nicht begleiten. Dass übrigens nur unser Botschafter und nicht etwa der Bundespräsident in die Westminster Abbey geladen ist, hat einen einfachen Grund: Weil William nämlich nur die Nummer zwei in der britischen Thronfolge ist, ist die Hochzeit kein offizieller Staatsakt.
Der Tag der Trauung selbst beginnt für Brix gegen 10 Uhr, dann sollte er sich auf seinem Sitzplatz in der Abbey eingefunden haben. Zum anschließenden Empfang in den Buckingham Palace ist der Vertreter der Republik allerdings nicht geladen. Sein Alternativprogramm: "Gemeinsam mit meiner Frau werde ich mich unter das Volk mischen, in vielen Straßen werden die Briten ausgelassen feiern". Ein guter Plan, mit dem er sicher nicht alleine da steht ...

















